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Kyuss Lives! in der Live Music Hall in Köln am 28.03.2011

(vo) Ab 22 Uhr mitteleuropäischer Wüstenzeit brach er für etwa 90 Minuten über uns herein, der Desertstorm aus Palm Desert/California, unter belgischer Beteiligung…..die bis zum Anschlag tief gestimmten, tiefergelegten und tiefgeschruppten Töne aus Bass- und Leadgitarre erschütterten die bis zum Anschlag mit Stonerrockjüngern- und älteren abgefüllte Live Music Hall in Köln Ehrenfeld in der Lichtstrasse.

Dreiviertel der ursprünglichen Besetzung von Kyuss stehen bzw.sitzen vor uns auf der Bühne: John Garcia knarzt die skurillen Texte ins Mikro, Nick Olivieri bearbeitet die Bassgitarre und Brant Bjork das Schlagzeug. Der frühere Vierte im Bunde, Gitarrist Josh Homme (Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures) ist nicht mehr dabei, seinen Saitensound re- und produziert nun der Belgier Bruno Fevery.

Deshalb wohl jetzt auch Kyuss Lives! statt wie damals Kyuss.

Die Band löste sich 1995 auf und jeder der Jungs entwickelte sich in jeweils anderen musikalischen Projekten bis sie sich Mitte 2010 wieder zusammen fanden und auf das zukünftige gemeinsame Abspielen ihres Liedguts einigten.

Und noch was zur Bandgeschichte: es ist nachzulesen das die Jungs Ende der 80er Jahre mit sich, ihren Freunden und ihrem Musikalischen und Stromerzeugenden Equipment in die Wüste vor Palm Desert zogen und dort bei so genannten Generator Partys aufspielten und sich und alle bedröhnten, so oder so. Sie nannten sich ab dieser Zeit Kyuss. Der Name entstammt einer Figur in einem Fantasy Rollenspiel.

Ich lernte die Band lasertechnisch 1993 kennen und zwar so: zum Ankurbeln der Umsätze in der Musikindustrie begab ich mich nach Düsseldorf und in einem Plattenladen fand die erste Begegnung statt. Ich klackte mich durch die CDs eines Bluesregals!! und guckte mir eine CD mit dem Titel Blues For The Red Sun nicht so ganz genau an (Kaufrausch?)und nahm sie mit zu mir nach Hause, legte sie in den CD Player und nach 50 Sekunden, nach dem gezügelten und schön zu einem Endzeitfilm passenden Intro brach ein Gewitter ohne Regen und Blitze aus meiner Stereoanlage.

Meine Lautsprecherboxen fingen an zu wandern….was für ein Sound. Er faszinierte mich damals und fasziniert mich bis zum heutigen Tag und beim heutigen Abend.

Und heute Abend kriegten wir von der ersten Sekunde die geballte Ladung Stoner Rock (wobei mit Stoner nicht Steine gemeint sind) vor und in die die Körper gewummert und dieses von den Miterfindern dieses Musikgenres….und sie spielten ausschließlich olle Kamellen.

Das ist nicht respektlos von mir: die Jungs sehen, wenn überhaupt, wohl erst nach dieser 2011er Tournee durch die Welt ein Studio von innen und nehmen neue Songs auf.

Und wenn du ihn kennst, den ersten hier und heute Abend in Köln gespielten Song – Gardenia – dann hörste Bescheid, der Wahnsinn des ersten Songs hatte Methode und noch 14 Nachfolger.

Die nun stattfindende Soundorgie hätte das Quecksilber eines Dröhnometers zu fester Form gefügt, die von der Bühne verteilten Melodien frästen sich von Anfang an unaufhaltsam durch Mark und Bein zum Hirn und sorgten für unzählige Rückgrat Rieselattacken und Hautbildungen ähnlich einer Kiwioberfläche.

Wir Zuhörer wurden berauscht, auch durch die Farbe der Beleuchtung über der Bühne, die überwiegend in rote-, gelbe- und/oder orange Töne getaucht wurde, Desertfarben.

Die letzte Zugabe Green Machine sorgte nochmal dafür, das keiner von uns hier bei dieser wüsten Generatorparty auf Betonboden (der ja Sand enthält)in nächster Zeit extra Muskulaturdehnungsübungen ausüben muss…

Das Stonerkollektiv beschränkte sich auf die Fabrizierung der Glückseligmachung der ca. 1500 Anwesenden, es war zum Nicht Umfallen können schön mit einer Band, die Soundvorbild für viele Nachfolger wahr und hoffentlich jetzt wieder wird.

Der Vierer agierte ziemlich perfekt, Nick und Brant sorgten für ununterbrochenen bebenden Groove in der Luft und unter den Füßen, Bruno war überhaupt kein Ersatz und sorgte mit für die hochenergetische Aufladung der Hallenluft und die Performanz von John beschränkte sich bis auf zwei Ausnahmen in die reine Überbringung der Texte: Ausnahme eins war die Vorstellung der Bandkollegen nach ca. einer Stunde, Ausnahme zwei war zum Abschluss ein „Thank You Very Much“ an das ziemlich im besten Sinne des Wortes weggetretene Publikum.

Die Songs des Abends: Gardenia, Hurricane, Thumb, One Inch Man, Conan Troutman, Freedom Run, Asteroid, Supa Scoopa And Mighty Scoop, Fatso Forgotso, Odyssey, El Rodeo, 100°, Whitewater…..Zugaben: Molten Universe, Spaceship Landing, Green Machine.

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