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musikalisches schreibkollektiv

Motherfathers & Ь! – Doggy

(as) „Doggy“ markiert eine Kollaboration zwischen dem zum Duo geschrumpften Trio „Motherfathers“ (Gitarrist Dmitrij Peitsch und „Elektroniker“ Maxim Elisarow) sowie Solokünstler bzw. Schlagzeuger „Ь!“ alias Dmitrij Syrzow. Spontaneität ist das Stichwort, das sich die Beteiligten vorgaben, als es daran ging, ein musikalisches Konzept für die Scheibe zu entwickeln, und dementsprechend improvisatorisch geht es auch zu.

Was das Material vor allem auszeichnet, ist ein stetes dynamisches Auf und Nieder, wobei man das Kollektiv stilistisch wie bereits „Kolchak!“, das „Motherfathers“-Debüt von 2007, am ehesten im experimentellen Noise-Rock-Bereich einordnen kann, und zwar mit Verweis auf die sperrigsten Werke der frühen Vertreter dieser Zunft, allen voran „Melvins“ und „Karp“. Dass der Langspieler kein solcher ist, sondern nicht einmal eine halbe Stunde dauert, steht bezeichnend für seine Ausrichtung.

Die Moskowiter „erfinden“ ihre „Songs“ sozusagen aus dem Stegreif, oft im freien Tempo wie im Fall des holprigen „Columns Fall“ und währen des torkelnden „Climbing To The Top“, wobei der Bass häufig die Rolle des tragenden Instruments einnimmt.

Nicht dass er das Ganze ansatzweise zusammenhalten würde. „Doggy“ droht ständig auszufransen; die Musik kann einen Zustand regelrechter Trunkenheit evozieren, der dann allerdings nichts mit einem wohligen Rausch gemein hat. Vielmehr tut das furios schräge Treiben empfindsamen Ohren weh, wozu man sich nur das kurze Geschepper von „Quickie“ und „Heat In The Eye“ anzuhören braucht, wo die Stimmen der Musiker noch im Hintergrund zu hören sind.

Manchmal schrammen diese Verbrecher die Grenze zu reinem Drone, und wenn durchaus annehmbare Funk-Riffs erklingen wie in „Uncontrolled Urge“ – was dann an ein Hendrix-Bootleg denken lässt, weil die Produktion, falls man das so nennen darf, miserabel ist – ist das eine leider seltene, annähernd wohltuende Ausnahme von der unzumutbaren Regel.

Kurzum, „Doggy“ gleicht einem musikalischen Inferno, das man mit Schlagwörtern wie „Fusion“ oder „Prog“ schönreden kann, aber nicht muss. Bei den Tracks handelt es sich eher um Sound-Vignetten als Songs, einen akustischen Alptraum ohne Fokus, augenscheinlichen Sinn oder Zweck.

Die Protagonisten wollen hiermit postindustrielle Landschaften der ehemaligen Sowjetunion vertonen, und sollte ihnen dies gelungen sein, fühlt man sich nicht eingeladen, solche Regionen zu besichtigen.

Label: BNiL

http://noname666.bandcamp.com

24:26

Columns Fall / Doggy 03:26

Eastern Block 03:01

Climbing to the Top 02:33

Snakes 02:04

Uncontrolled Urge 02:51

Night Vision 02:34

Quickie 00:41

Chords of Power 01:46

Dreamliners 02:36

Heat in the Eye 01:22

The Bad and the Ugly 03:23

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Experimental,

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