(Text und semi-professionelle Handy-Fotos: Judith) Am heutigen Abend werden im Vortex Surfer Musikclub Genregrenzen gesprengt und Hörgewohnheiten ad absurdum geführt, dass sich am Ende glücklich schätzen kann, wer noch seinen Namen weiß.
(ju) Norwegen hat Leprous, Schweden hat Meshuggah, Kanada hat Devin Townsend, die USA haben Tool und wir – wir haben THE HIRSCH EFFEKT. Auch wenn man mitnichten alle genannten Musiker und Bands gemeinsam in eine Schublade stopfen kann und darf, so sei wenigstens der Stempel „May contain Progressive Metal“ erlaubt.
(ju) Cadû ist ein Wort aus dem (Alt)kurdischen und wird [tschaduu] ausgesprochen. Es bedeutet soviel wie Magie, Vodoo, Zauberer:in oder Hexe:r. „Psychotic Parade“ könnte wiederum gut mit Wundertüte übersetzt werden. Unweigerlich sehe ich Forrest Gump in weißem Anzug auf der braungestrichenen Bank sitzen, das knallrote Album auf seinem Schoß, und höre ihn mit monotoner Stimme sagen: „Psychotic Parade‘ ist wie eine Schachtel Pralinen.“ Bei dieser Wundertüte weiß man tatsächlich nie so genau, was man kriegt. Die Scheibe insgesamt steckt bereits voller Überraschungen, ebenso wie jeder einzelne Song an sich.
English version below (Text: Judith, Fotos: David Grünebach) Wir schreiben das Jahr 2110. Die Sonne wurde von einem düsteren, grauen Nebel verschluckt, es ist eine Welt ohne Licht und ohne Farben. Weitaus tragischer jedoch ist die Tatsache, dass es in dieser Dystopie keine Musik mehr gibt und somit keinerlei Lebenssinn. Deshalb macht sich Cyborg Zero – halb Mensch, halb Roboter, aber Vollblut-Gitarrist und -Sänger – regelmäßig auf den Weg in die Vergangenheit, um dort für einen kurzen Moment den geliebten Blues und Rock’n’Roll zu leben. Nur so kann er sich selbst ein wenig Leben einhauchen, damit er nicht komplett zum Roboter mutiert. Ein Pendler zwischen den Zeiten, der durch die Musik das Menschliche in sich am Leben hält.
(KiS) Und da ist er, der echte Geburtstags-Tag! Der letzte Festivaltag, und er bringt so einiges mit. Auch was Nasses von oben, aber egal. Hier ist ja nicht Wacken, die paar Pfützen machen nix, alle sind gut vorbereitet, die Spanne reicht von High-End Gummistiefel bis Barfuß. Eröffnet wird der Tag quasi mit Regenbogen und wieder einem Fall für den Zahnarzt. Der hat mehr zu tun, als die anwesenden Sanitäter, die die meiste Zeit des friedlichen Festes genießen können und nichts berufliches zu tun haben.
(KiS) Die Besucherzahl ist heute etwas gewachsen. Einige Kölner sind noch nach der Arbeit hierher in das Naherholungsgebiet Westerwald gefahren und bevölkern nun mit allerlei Campern und Zelten die umliegenden Hügel. Normale Ausflügler und Wanderer streifen mit großen Augen vorbei und wundern sich wohl ein wenig. Aber hier geschehen ja auch Wunder. Wunderschöne Momente mit wunderbaren Menschen.
(ju) Ein tosendes Blastbeat-Gewitter, ein schrammelndes, düstergrollendes Gitarrenriff und ein Bass, der auch den letzten, resistenten Rest gnadenlos mit sich reißt. Das in Musik-Rezensionen eigentlich recht abgelutschte Adjektiv „mitreißend“ passt auf den Opener von SARKHs neuer EP „Helios“ allerdings wie Faust auf (Sturm-) Auge. In bester Black-Metal-Manier wird zu Beginn ein Sturmtief heraufbeschworen, das mein Metal-Herz höher schlagen lässt.
Wer dringend Urlaub benötigt, aber nicht mal eben verreisen kann, der ziehe sich die gemeinsame Live-Release von MARS MUSHROOMS und PELAGIC ZONE rein – zwei krautige Jambands, die unter dem wortverspielten Namensgemisch MARSLAGIC SHROOMZONE ein zweitägiges Live-Konzert aufgenommen haben und auf Bandcamp digital zur Verfügung stellen. Jeweils zwei Sänger, Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger und Keyboarder plus ein Didgeridoo geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand und verschmelzen durch endlose Jams miteinander. Sorgt für Reset im Kopf, versprochen!
(ju) „Iron Jinn“ von IRON JINN ist ein Album, auf das ich gefühlt seit Jahrzehnten gewartet habe, ohne zu wissen, dass ich darauf warte, ohne zu wissen, dass ich es brauche – und wiesehr ich es brauche! „Iron Jinn“ ist ein Album, das schon bei den ersten Takten mein Herz schneller schlagen lässt und mir eine Gänsehaut beschert. Das mir sofort und ohne Umschweife verspricht, mich nicht zu enttäuschen. Das meine Antennen vor Aufregung wippen lässt, hier etwas Besonderes auf dem Drehteller zu haben.
Wir schreiben das Jahr 2018: Die fünf Musiker von SMOKEMASTER aus Köln haben ihren allerersten Gig. Doch nicht etwa in einem dunklen Kellerloch, dem örtlichen Jugendtreff oder einer kleinen Spelunke, wo sich eine überschaubare Menge vor der Bühne tummelt. Stattdessen organisiert die Band zusammen mit einem Kollektiv aus Soundsystem-Bastlern und Kamera-Menschen lieber direkt ein denkwürdiges Live-Konzert mitten in Köln auf einer Wiese. Das bekannte Label Tonzonen Records wird anschließend auf das Konzertvideo aufmerksam und nimmt SMOKEMASTER kurzerhand unter Vertrag – ohne dass die Band zu diesem Zeitpunkt irgendeine Veröffentlichung nachweisen kann. Nach ihrem – ich wiederhole – allerersten Gig!