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Coogans Bluff – Balada

(as) Mitten in die trist graue Jahreszeit hinein platzt das neue Album der seit je zwischen allen Stühlen sitzenden Coogans Bluff, und „Balada“ scheint diese These nur zu unterstreichen. In ihren neuen Songs zeigen sich die Rostocker von einer ungewohnt luftigen Seite, obwohl man ihren eigenwilligen Stil nach wie vor schnell erkennt.Die Hauptmerkmale des Quintetts sind Bassist Clemens Marasus kein Wässerchen trüben könnende Stimme und Max Thums oft schreiendes Saxofon. Beide kennzeichnen bereits das eröffnende Ohrwurm „Living in Danger“, doch die Band hat den aus südländischen Gefilden stammenden Titel ihrer neuen LP nicht ohne Hintergedanken gewählt. Er steht selbstredend für die Liedform der Ballade, aber im übergeordneten Sinne auch für Lebensfreude, Tanz und Feier. Stülpen sich Coogans Bluff dieses Konzept nun über, bedeutet das beispielsweise für den Titelsong, dass sich ihr vertrauter Krautrock-Dadaismus mit einem hypnotischen Funk-Groove paart.

Gegen Ende des Tracks schwillt die Klangkulisse post-rockig an: ein Stilmittel, von dem die Gruppe immer gern Gebrauch gemacht hat, und so schlägt unter anderem auch die unironisch schmalzige – tatsächlich – Ballade Kapital aus einem zwischenzeitlichen Aufbrausen, das die leisen Töne umso eindringlicher erscheinen lässt. Nach dieser kurzzeitig aufgezogenen Wolkendecke kommt während des treibenden „If You Make it There“ wieder die Sonne raus. Die Nummer geht genauso wie „One More Time“ als punkiger Jazzrock-Kracher durch; das zweitgenannte Stück stammt im Original von Joe Jackson, und die Jungs haben es sich bravourös zu eigen gemacht.

„No One’s Brother“ schießt hingegen zwar prinzipiell in die gleiche Richtung, wird aber seiner Stellung als Rausschmeißer gerecht, indem es in einem fulminanten Jam einschließlich Orgelklängen gipfelt. Wer auf spielerisch so hohem Niveau Westcoast-mäßigen Soft Rock, Fusion und Indie (im weitesten Sinn) verschmilzt verdient eigentlich einen Orden wider den schablonenhaften Ernst der zeitgenössischen Musikbranche – bei Coogans Bluff dürfte es zumindest für weitere Achtungserfolge dank brillanter Liveshows reichen. Mit „Balada“ kann der Sommer ’24 schon jetzt kommen!

COOGANS BLUFF

Noisolution / VÖ: 26.01.2024

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Jam, Jazz, Krautrock, ,

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Gavial - Broken von ihrem neuen Album "Thanks, I Hate It", das am 23.01.26 erscheint

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