(tobi) Wir treffen Jens Finger (Guitars, Bass) und Bernd Reiners (Vocals, Drums), das Herz und die brachiale Seele von SLAUGHTERDAY. Seit der Gründung 2010 in der ostfriesischen Stadt Leer haben sie sich als Duo einen festen Platz in der deutschen Old-School-Death-Metal-Szene erkämpft. Jens Finger, einst Gitarrist bei den Oldenburger Death-Metal-Legenden OBSCENITY, bringt technisches Können, kompromisslose Riffs und ein feines Gespür für den Songaufbau in die Band ein. Bernd Reiners, ebenfalls kein Unbekannter in der Szene – unter anderem aktiv bei Aurichs Death-Thrash-Act BK 49 – sorgt mit seinem gutturalen Growl und dem präzisen Schlagzeugspiel für die unbändige Energie, die jeden Track von Slaughterday trägt.
Mit ihrem fünften Studioalbum „Dread Emperor“ liefern Jens und Bernd alles, wofür die Band seit jeher steht: perfekt ausgeführten Old-School-Death-Metal, der sowohl brutal als auch atmosphärisch ist, kombiniert mit kosmischen Horrorszenarien, intelligenten Songstrukturen und einer Prise skurrilem Humor, der die düstere Brutalität auflockert. Wir sprechen mit beiden über die Rückkehr der Band, die Entstehung von „Dread Emperor“, ihre Inspirationsquellen und darüber, was die Fans von diesem wuchtigen neuen Kapitel erwarten dürfen.
Tobias:
Zunächst einmal ein frohes neues Jahr euch beiden! Viel Gesundheit, Erfolg und alles, was man sich so wünschen kann. Habt ihr spezielle Neujahrsbräuche, die ihr pflegt, oder ist das eher ein ruhiger Übergang ins neue Jahr?
Jens:
Moin, Tobias, dir auch ein frohes neues Jahr! Vielen Dank für die Wünsche! Spezielle Neujahrsbräuche gibt es bei uns eigentlich nicht. Nur das Übliche: lecker essen, Bier trinken und um 0:00 Uhr das Feuerwerk bestaunen.
Tobias:
Wie habt ihr den Jahreswechsel denn dieses Mal verbracht? Gab es eher ruhig-besinnliche Stunden oder habt ihr den Start ins neue Jahr gefeiert?
Jens:
Weder noch: Wir haben mit Freunden gegessen und ein wenig Gesellschaftsspiele gespielt. Wenn man Hunde hat, versucht man den Abend eher ruhig zu gestalten.
Bernd:
Ich genieße auch lieber die Ruhe in der Familie bei einem Glas Wein und gutem Essen. Das ganze Silvester-Brimborium hat mir eigentlich nie so viel bedeutet.
Tobias:
Kommen wir zum eigentlichen Grund, warum wir hier sitzen, nämlich eurem neuen Album. Wie lange habt ihr an der Platte gearbeitet? Gab es beim Schreiben oder Aufnehmen von „Dread Emperor“ Momente, in denen ihr dachtet: „Okay, das ist jetzt schon verdammt geil“?
Jens:
Die Songs sind alle im Zeitraum nach der „Tyrants of Doom“-VÖ entstanden. Wir haben eigentlich nie Songs, die wir nicht aufgenommen oder nur halb fertiggestellt und dann später noch einmal rausgekramt haben. Bewerten können wir die Songs eigentlich immer erst, wenn sie fertig aufgenommen und abgemischt sind. Wir nehmen zwar immer vorher Demos auf, aber der Gesang kommt erst im Studio hinzu und gibt den Songs dann oft einen ganz neuen Vibe. Wir sind eigentlich immer sehr kritisch mit unseren Riffs, den Lyrics und den Arrangements, sodass wir schon überzeugt sind, dass wir damit zufrieden sein werden – aber das heißt natürlich nicht, dass das auch für alle anderen gilt.
Tobias:
Wo seht ihr „Dread Emperor“ im Vergleich zu euren bisherigen Platten?
Jens:
Schwer zu sagen. Natürlich ist die Platte in vielen Aspekten wieder ganz anders als ihre Vorgänger. Die Reaktionen bislang scheinen aber zu belegen, dass wir einiges richtig gemacht haben. Im Prinzip kann man ohnehin erst nach 15 Jahren sagen, ob eine Platte gut ist oder nicht.
Bernd:
Ich habe ein gutes Gefühl und denke, dass wir wieder eine Schippe drauflegen konnten. Alles klingt etwas größer – aber das ist natürlich nur meine subjektive Wahrnehmung.
Tobias:
Wie lief das Songwriting für „Dread Emperor“? H. P. Lovecraft hat ja einen großen Einfluss auf eure Mucke.
Jens:
Da muss man zwischen Musik und Lyrics unterscheiden. Das Songwriting war dieses Mal sehr viel spontaner als sonst. Wir haben viel gejammt und die Riffs sich natürlich entwickeln lassen. Wir waren zwar noch nie eine Laptop-Band, die nur Files hin- und herschickt, aber ich nehme schon Riffs auf, die wir uns dann im Proberaum anhören und sortieren. Bernd wiederum summt Riffs in sein Smartphone und spielt sie mir dann vor.
Tobias:
Worum geht es auf dem neuen Album genau, thematisch wie auch lyrisch?
Bernd:
Auf dem Album gibt es wieder eine Mischung aus Horrorthemen und vermehrt auch realen Bezügen. Diese verpacke ich jedoch gern in ein metaphorisches Gewand, sodass sie häufig auch als klassische Horrorstory funktionieren. Apokalyptische Themen haben mich schon immer fasziniert. Diesmal geht es außerdem um Aspekte wie Angst, Kontrolle, Wahnsinn und Unterdrückung. Thematisch gibt es also durchaus noch Überschneidungen mit Lovecraft, auch wenn wir nicht über die Großen Alten singen.
Tobias:
Und musikalisch – was dürfen die Fans von „Dread Emperor“ erwarten?
Jens:
Wir haben natürlich nur kleine Veränderungen vorgenommen, achten aber schon auf Abwechslung. Mir ist immer wichtig, dass man – einfach ausgedrückt – merkt, dass ein neuer Song angefangen hat. Manchmal hört man ein Album und wundert sich, dass vieles irgendwie gleich klingt. Das versuchen wir zu vermeiden. Auch innerhalb der Songs ist es uns wichtig, dass schnelle und stumpfe Passagen vorkommen und insgesamt viel passiert, zum Beispiel catchy Melodien und Ähnliches.
Tobias:
Warum habt ihr euch ausgerechnet für diese beiden Songs als Vorab-Singles entschieden? Bauchgefühl? Sollten sie eher einen Querschnitt des Albums zeigen oder gezielt die härtesten Brecher nach vorne stellen?
Jens:
Wir mochten einfach den Titeltrack und fanden ihn sehr passend als erste Single. Bei „Dethroned“ waren wir der Meinung, dass der Song so anders ist, dass die Leute sehen sollten, dass eben nicht alles gleich klingt, sondern dass das Album vielschichtig ist.
Bernd:
Wir haben uns auf dem neuen Album auch mal aus unserer Komfortzone herausgewagt, und das wollten wir zeigen. Die Auswahl passender Singles finde ich jedoch immer schwierig. Man will die Vielschichtigkeit zeigen, aber auch nicht den Eindruck erwecken, dass wir unseren Sound zu sehr verändert haben.
Tobias:
Inwiefern spiegeln die beiden Singles die stilistische Bandbreite von „Dread Emperor“ wider – oder ist das Album insgesamt noch eine ganze Ecke brutaler?
Jens:
Das ist genau das, was ich meinte: Die erste Single ist gewissermaßen typisch Slaughterday, die zweite zeigt eine Facette, die wir bislang nicht so in den Fokus gerückt hatten. Die punkige Seite haben wir zwar in anderen Songs auch schon verarbeitet, aber noch nie so zentral wie hier. Der Rest des Albums zeigt wiederum ganz andere Aspekte: Melodien, Doom, Uffta-Uffta usw.
Tobias:
Wie zufrieden seid ihr mit den bisherigen Reaktionen auf die Singles (Fans) und das Album (Presse)?
Jens:
Bislang waren die Reaktionen sensationell. Das hat uns schon ein wenig überrascht. Wir haben zwar auch früher eigentlich nie schlechte Reviews bekommen, aber man spürt schon einen Unterschied. Das liegt vielleicht auch am Wechsel zu Testimony Records, wodurch die Aufmerksamkeit etwas höher ist.
Tobias:
Ostfriesland scheint ja eine echte Brutstätte für extreme Metal-Bands zu sein – auffällig viele Kapellen aus der Gegend zocken gepflegten Todesstahl. Was hat diese Region an sich, das den Sound so geil macht? Könnte man sagen, Ostfriesland beziehungsweise speziell der Norden Deutschlands ist eine musikalisch schwedisch geprägte Region? grinst
Jens:
Nein, mit Schweden haben wir eher wenig zu tun, eher mit einem holländischen Einfluss. Die Bands aus Ostfriesland machen eher keinen HM-2-Schwedentod.
Tobias:
Wie groß ist generell der Einfluss des schwedischen Death Metal auf euren Sound, und inwiefern hat euch diese Szene musikalisch und stilistisch geprägt?
Jens:
Eigentlich haben wir keinen großen schwedischen Einfluss. Wir haben zwar beim Demo einen HM-2-Sound benutzt, uns dann aber dagegen entschieden, weil wir diesen Weg nicht einschlagen wollten. Unser Einfluss war von Beginn an eher Autopsy. Diese wiederum waren auch für die schwedische Szene ein Rieseneinfluss. Ich habe mal mit Matti Kärki darüber gesprochen, weil ich diese ständigen Dismember-Vergleiche nicht verstehen konnte. Da wurde mir schnell klar, dass wir eben den gleichen Einfluss hatten, nämlich Autopsy. Wenn man das dann mit HM-2-Sound fährt, klingt es eben nach Dismember. Heute verstehe ich natürlich, woher dieser Vergleich kommt, muss aber klar sagen, dass der Einfluss der schwedischen Szene auf Slaughterday eher gering ist – auch wenn wir natürlich all diese alten Schwedenbands abfeiern.
Tobias:
Wie sehen eure konkreten Live-Pläne für die nächste Zeit aus? Stehen bereits Shows, Festivals oder sogar eine Tour zu „Dread Emperor“ fest, und worauf dürfen sich die Fans besonders freuen?
Jens:
Einige Gigs stehen bereits fest, das sind aber eher einzelne Shows oder Weekender, weil eine Tour mit unserer Arbeitssituation nur schwer vereinbar ist.
Tobias:
Nach fünf Alben habt ihr inzwischen ein ordentliches Brett an Material. Wie baut ihr eure Live-Setlists aktuell auf? Welche neuen Songs vom Album müssen unbedingt rein, und welche alten Nackenbrecher dürfen einfach nie fehlen?
Jens:
Da sind wir gerade etwas am Rotieren. Natürlich ist es schwer, dem Backkatalog gerecht zu werden, aber wir wollen in Zukunft etwas mehr Abwechslung schaffen. Einige Songs wie „Cult of the Dreaming Dead“ oder „Abattoir“ werden aber sicher immer bleiben. Vom neuen Album wollen wir natürlich die Singles spielen, aber auch andere Songs integrieren. Mal sehen, was sich ergibt.
Tobias:
Plant ihr spezielle Release-Shows, besondere Konzertformate oder auch Gigs im Ausland, um „Dread Emperor“ live ordentlich unters Volk zu bringen, oder liegt der Fokus erst einmal klar auf Deutschland?
Jens:
Wir spielen im Februar zwei Weekender mit Fleshcrawl und Soul Grinder, bei denen wir die neuen Songs erstmals präsentieren wollen. Natürlich ist Deutschland in erster Linie das Ziel, aber auch Holland wird bereist. Selbstverständlich würden wir gern auch andere Länder bespielen, aber das ist logistisch natürlich eine größere Herausforderung für uns. Wir sind da aber offen für alles.
Tobias:
Möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch ein paar Worte sagen? Ihr habt die letzten Worte!
Jens:
Hört mehr US-Metal und postet keinen KI-Quatsch!
Bernd:
Beschäftigt euch stärker mit dem deutschen Death-Metal-Underground. Dort gibt es extrem gute Bands wie Scalpture, Nightbearer, New World Depression, Rats of Gomorrah, Soul Grinder, Temple of Dread, Carnal Tomb, Curse of Khatru, Hallucinate und viele mehr.
Der „Dread Emperor“ erscheint am 13. Februar!
Tobias:
Ich bedanke mich bei euch für eure Zeit und das starke Album und kann allen, die das hier lesen, nur empfehlen, sich die beiden Vorab-Singles reinzuziehen – ihr werdet den Sound lieben.
Jens:
Vielen Dank!!!
Danke dir für das Interview!
Interview: Tobias
Photo Credit: Toni Gunner
Jens Finger (links) – Bernd Reiners (rechts)
Filed under: Interviews, Slaughterday – Old-School-Death-Metal ohne Gnade: Interview zu „Dread Emperor“




