(tobi) Die AOR-Band Violet gründete sich 2019 auf einer Party in der legendären Rockfabrik in Ludwigsburg. Die Band besteht aus Jamie Beckham (Vocals), Manuel Heller (Guitars), Filip Kuzanski (Keyboards), Eric Hanhart (Bass) und Maurice Probst (Drums) und spielt einen bunten, extravaganten 80er-Sound. Die 80er waren eine Dekade voller großer Hits, die noch heute regelmäßig gespielt werden und als Inspiration für viele Bands dienen – eine davon ist Violet, über deren EP „Silhouettes“ wir heute sprechen.
Drei Jahre nach ihrer Gründung veröffentlichte das Quintett sein erstes Album „Illusions“, das von Fans und Presse gelobt und zur „Nummer eins unter den Zeitmaschinen zurück in die 80er“ gekürt wurde. Auch zu den Liveshows der jungen Stuttgarter kamen AOR-Fans aus ganz Deutschland. Ihr zweites Album „Mysteria“ erschien 2024 und war eine ganze Ecke poppiger, stürmte jedoch in den offiziellen deutschen Metal-Rock-Charts bis auf Platz 13 vor. Die Single „Angelina“ schaffte es sowohl in der Schweiz als auch in Schweden in die iTunes-Rock-Songs-Charts, und die weitere Single „Arms Around“ wiederholte dieses Kunststück in der Schweiz. Mit „Mysteria“ kamen auch viele Anfragen für Livegigs. Fans sollten sich das Keep-It-True-Festival im April 2026 vormerken, dort werden Violet auftreten. Mit ihrer EP „Silhouettes“, die auf CD, Vinyl und digital am 27. Februar 2026 erscheint, rufen sich Violet zusätzlich ins Gedächtnis zurück. Aufgenommen, produziert und gemischt wurde die 8-Track-EP erneut von Andreas Konstandara und von Chris Jones in den Peak Studios gemastert.
Los geht es mit „Set Me Free“, das mit Synthies eröffnet, danach setzen Gitarre, Bass, Drums und der warme Gesang von Sängerin Jamie Beckham ein. Wer die Band nicht kennt, wird sich ruckzuck in die tolle Stimme verlieben und sich in der oben angesprochenen Zeitmaschine wiederfinden. „Dangerous You“ ist deutlich flotter als der Opener, stark poporientiert und beinahe ABBA-esk. Der Song klingt eingängig und radiotauglich, lässt jedoch den rockigen Anspruch ein wenig vermissen. „Somewhere, Somehow“ rückt Gitarren und Drums etwas stärker in den Vordergrund und bietet sowohl Female- als auch Male-Vocals. Trotz eingängiger Melodie, raumerfüllendem Gesang und ausgeprägtem 80er-Flair bleibt der Song kantenarm und poppiger als erwartet.
Auf ein physisches Format haben es neben den drei brandneuen 80er-Tracks auch die Single „Calling For You“ geschafft, die schon digital veröffentlicht wurde, aber noch auf keinem Tonträger zu finden war. Es folgen mit „Arms Around“, „Sex In Harmony“ und „Blame It On The Night“ drei Livetracks, die bei der „Mysteria“-Release-Party im SCALA Ludwigsburg mitgeschnitten wurden. Bei „Arms Around“ handelt es sich um einen eher ruhigen und balladesken Song, während „Sex In Harmony“ und „Blame It On The Night“ am ehesten dem entsprechen, was ich als 80er-Rock empfinde: knackige Gitarren, Tempo, flotte Beats und einen eher gering gehaltenen Pop-Anteil. Die Demoversion von „Fall In Love“ ist eine Early Version des Songs „I Don’t Want To Fall In Love“ vom Album „Mysteria“ – Fans werden sich über diesen Track freuen, der hier von einem Mann gesungen wird.
Wer sich den 80er-Rock von Roxette anhört, besonders das Album „Look Sharp“, bekommt sowohl knackige Rocker als auch erstklassige Balladen zu hören, getragen vom starken Gesang von Marie und Per. Vergleicht man die EP damit, wird der Unterschied deutlich: Während Roxette Pop und Rock gekonnt ausbalancieren, kippt „Silhouettes“ klar in Richtung Pop. Der hohe Anteil softer Tracks bremst den rockigen Drive und lässt die EP stellenweise zahmer wirken, als sie sein müsste. Wer auf „Silhouettes“ klassischen AOR mit Biss und Ecken hofft, dürfte daher enttäuscht werden. Fans von 80er-Pop im Stil von ABBA oder anderen Chartstürmern jener Zeit sollten der fast 40-minütigen EP jedoch definitiv Gehör schenken. Handwerklich ist die EP stark, inhaltlich jedoch poplastiger als erwartet – was nicht jedem AOR-Fan gefallen dürfte.
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