(tob) Edge of Sanity und Nightingale sind Metalfans des (später progressiven) Death Metal und des (progressiven) Hard Rock der 90er und frühen 00er Jahre mehr als ein Begriff, und wer Dan Swanö nicht ausschließlich als Produzent kennt, der mit vielen angesagten Bands gearbeitet hat, weiß auch, dass der umtriebige Schwede bei beiden Bands maßgeblich am Erfolg beteiligt war. Swanö (*10. März 1973 in Finspång) veröffentlichte mit Edge of Sanity acht Alben im Zeitraum von 1991 bis 2003 und mit Nightingale sieben Werke von 1995 bis 2014, die in den letzten Monaten nach und nach Reissues mit vielen Extras aus dem Swanö-Klangkeller erhielten – Death Metal und Prog-/Hard Rock aus der Feder eines Meisters, der bis heute viele Bands inspiriert, wie etwa Eye of Purgatory, deren Album „Darkborne“ vor Kurzem bei Apostasy Records erschien. Im April 1998 entschloss sich Dan, sein erstes (und bis heute leider auch einziges) Soloalbum aufzunehmen, das im Januar 1999 als „Moontower“ in die Läden kam. Veröffentlicht wurde das Album damals über das Label Black Mark Production, es umfasst insgesamt acht Titel bei einer Spielzeit von 43:44 Minuten und wurde vollständig von Dan Swanö eingespielt, der Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug übernahm; auch die Produktion lag in den Händen des Multitalents, der „Moontower“ im The Sanctuary Studio aufnahm.
Damals wie heute ist „Moontower“ ein Album von düsterem, atmosphärischem Tiefgang, auf dem Dan Swanö melodischen wie auch harten Progressive Metal mit brachialer Death-Metal-Breitseite serviert. Die Vocals werden überwiegend gegrowlt, cleaner Gesang taucht nur dann und wann auf und verstärkt so die dunkle Grundstimmung des Albums. Gitarren dienen meist als rhythmischer Grundstein, die Riffs supporten die melodieführenden Keys, die mal spacig nach Synthesizer klingen, mal deutliche Hammond-Orgel-Vibes versprühen; auch akustische Gitarren sind zu hören, was ein weiterer Beweis für die Abwechslungsreichtum und Bandbreite, der von Swanö kreierten Musik ist. Trotz der vielen Ideen und progressiven Songstrukturen bleibt „Moontower“ über die gesamte Strecke auf hohem Level hörenswert und wirkt nie „vollgestopft“. Mit Liedern wie „Sun of the Night“, das mit wuchtigen Keys eröffnet, um sich anschließend progressiver auszubreiten, oder dem grandiosen „Uncreation“, das Swanö selbst als das „beste Stück mit Growl-Gesang“ bezeichnete, dass er je geschrieben hat, sind hier nur zwei Nummern genannt, die exemplarisch für die Klasse des Soloalbums stehen. Mitreißend ist auch die komplett instrumentale Nummer „Encounterparts“, die sich als echtes Highlight auf „Moontower“ entpuppt. Stilistisch fühlten sich Presse und Hörer immer wieder an die bereits erwähnten Edge of Sanity erinnert, aber auch Amorphis, Opeth, Rush oder Dream Theater tauchen in den Vergleichen auf. Trotz dieser Querverweise bleibt „Moontower“ stets bei sich und verliert seine eigene Identität zu keinem Zeitpunkt.
Die „Moontower“-Reissue erscheint als limitierte LP, in digitaler Form sowie in einer limitierten 2CD-Auflage, die zahlreiche Demos enthält. Auch die 2026er-Remaster von „Melissa“ und „Lucretia My Reflection“, beides Covertracks im Death-Metal-Stil und im Original von Mercyful Fate beziehungsweise The Sisters of Mercy, sind enthalten und stellen für mich die beiden Highlights sowie die hauptsächlichen Kaufanreize der CD-Edition dar, auch wenn ich den 1a-Sound von „Moontower“ bevorzugt auf Vinyl genieße.
Am Ende bleibt nur zu sagen, dass „Moontower (Reissue)“ ein zeitloses Werk ist, das voller düsterer Atmosphäre und emotionaler Tiefe steckt und dank des erstklassigen Remasters sowie des umfangreichen Bonusmaterials (Deluxe-2CD) endlich die Würdigung erfährt, die dieses Solo-Meisterstück verdient. Die Songs haben nichts von ihrer Intensität, ihrem Tiefgang oder ihrer Eigenständigkeit verloren und funktionieren auch heute noch bemerkenswert gut. Gerade im direkten Vergleich mit vielen aktuellen Veröffentlichungen wird deutlich, wie viel Substanz, Mut und Persönlichkeit in diesem Album stecken. Lasst euch in die musikalische und emotionale Intensität von „Moontower“ ziehen – es lohnt sich, egal ob als Neueinsteiger oder langjähriger Begleiter dieses besonderen Kapitels im Schaffen von Dan Swanö…..(tobias)
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