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Super Florence Jam – 60 Big Ones

Garage/ Alternative Rock aus Sydney

(ro) In manchen Städten ist der Groove schon da, lange bevor jemand den Verstärker einschaltet. Sydney ist ein solcher Ort. Über Port Jackson liegt der Geruch von Salz und Diesel, die Hitze steht flirrend über dem Asphalt, in schmalen Hinterhöfen vibrieren die Boxen, während draußen der Verkehr vorbeirauscht und das Meer als stetes Branden im Hintergrund präsent ist. Zwischen Surf-Attitüde, improvisierten DIY-Bühnen und einer Indie-Szene, die seit Jahrzehnten unbeirrt ihren eigenen Kurs fährt, formt sich ein Klang, der kantig, ungeschönt und zugleich weit wirkt – wie diese Stadt, die nie ganz stillsteht.

Aus genau diesem Spannungsfeld stammt „Super Florence Jam“, eine Band, die längst Geschichte ist und nun mit der wiederentdeckten EP „60 Big Ones“ plötzlich wieder Gegenwart wird.
Sechs Songs, kaum zwanzig Minuten zeigen: das ist kein nostalgischer Nachruf, sondern ein energiegeladenes Dokument einer Gruppe, die sich weigerte, klein zu denken.
Schon die ersten Takte wirken wie ein Stromstoß aus Garage-Schmutz, Power-Pop-Glanz und psychedelischer Übersteuerung.
Gitarren schneiden scharf ins Ohr und dann öffnen sich plötzlich diese leuchtenden Mehrstimmharmonien – ein Echo der Sixties, das aber nicht retro wirkt, sondern wie frisch aufgeheizt. Man hört Einflüsse von Beat-Pop, Proto-Punk und Flower-Power-Melodik, doch alles wird durch den eigenen, ungebändigten Zugriff gejagt: maximalistisch, ungeschliffen, süchtig machend.

Adam Krawczyk und Laurence Rosier Staines schichten Gesangslinien übereinander, bringen drahtige Gitarrenriffs zuwege, bis sie wie flackernde Neonröhren sirren, während Mike Solo und Alex Tulett ein Fundament legen, das gleichzeitig tight und gefährlich wackelig wirkt, so, als könne der Song jeden Moment aus der Spur kippen.
Bluesige Brechungen, Noise-Pop-Flirren und paranoide Rave-Up-Eruptionen greifen ineinander, ohne je konstruiert oder akademisch zu wirken. Diese Musik denkt nicht lange nach. Sie passiert.

Dass die EP bereits 2012 aufgenommen, dann mehr als ein Jahrzehnt verschollen und erst 2024 wieder ans Licht geholt wurde, verleiht ihr eine fast mythische Patina. Doch statt Staub trägt sie Funken. Die Lyrics kreisen um Ödnis, Frustration, Sehnsucht und Vergänglichkeit – alles vertraute Themen, die hier jedoch nicht in Melancholie versinken, sondern hymnisch aufleuchten und den flüchtigen Augenblick mit umso größerer Intensität festhalten.

Insbesondere der Track 2, betitelt „Haunted“ trifft mit voller Wucht: eine mächtige Bridge, ein Refrain zum Mitschmettern, und plötzlich sieht man die verschwitzte Tanzfläche einer Indiedisco vor sich. Der Song klebt im Kopf, aber nicht süßlich – eher wie ein elektrischer Nachhall, der sich noch Stunden später bemerkbar macht. Ein Volltreffer, der verstehen lässt, warum diese Band einst als ein richtig großes Ding gehandelt wurde.

Die eigentliche Stärke dieser EP liegt in ihrem vibrierenden Spannungsfeld: aphoristisch geformte Songminiaturen kollidieren mit überbordender Klanglust, rauer Garagenstaub wirbelt durch melodische Opulenz, und bei aller Euphorie schwingt latent ein leises Bewusstsein für Vergänglichkeit mit.
Beim Hören entsteht dieses seltene Paradox, dass etwas gleichzeitig aus der Zeit gefallen und doch vollkommen gegenwärtig ist. „60 Big Ones“ beschleunigt, kippt, züngelt, überschlägt sich – und trifft dabei mit erstaunlicher Treffsicherheit mitten ins Zentrum.

Ja, diese EP mit ihren 20 Minuten Spielzeit wirkt nach wie das Echo einer durchtanzten Nacht: ziemlich erschöpft, aber voller Adrenalin, und mit dem leisen Verdacht, dass genau in dieser Mischung aus Lärm, Melodie und Übermut etwas liegt, das bleibt.
…(Rosie..)..

Songliste:
1.) Oceans Way
2.) Haunted
3.) Holds Tight
4.) European Vacation
5.) The Elusive Obvious
6.) Want It Now

Band:
Adam Krawczyk (Gesang, Gitarre)
Laurence Rosier Staines (Gesang, Gitarre, Keyboard)
Mike Solo (Schlagzeug
Alex Tulett (Bass)

www.superflorencejam.bandcamp.com
www.creative-eclipse.com
www.birdsrobe.com

Filed under: Album Reviews, Alternative, Garage Rock, Indie, , , , , , , , ,

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