(Text jul, Photos vo) Es gibt diese Abende, an denen der Weg zum Ziel bereits Teil der eigentlichen Reise ist. Als der Rockblog-Chef Volker und ich uns auf den Weg in die Kölner Südstadt machten, um die Villagers of Ioannina City (VIC) im Bürgerhaus Stollwerck zu erleben, stand uns der Sinn nach schwerem Psychedelic Rock und griechischem Epirus-Folk. Was wir nicht ahnten: Die Odyssee begann schon bei der Parkplatzsuche.
Das Parkhaus gegenüber im schicken Rheinauhafen schied mit seinen sportlichen 5 Euro pro Stunde direkt aus. Also fuhren wir etwas planlos durch die Gegend – aber Umwege erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis. Und wie sie das taten! Wir stolperten in eine urige kölsche Kneipe und schlugen uns die Bäuche mit dem wahrhaftig göttlichsten Kartoffelpüree voll, das ich seit Langem gegessen habe (bei Volker waren es Bratkartoffeln!). So tiefenentspannt und gesättigt ließen sich die anschließenden 20 Minuten Wartezeit vor der Schranke am Stollwerck-Parkplatz bestens aushalten. Wir saßen einfach im Auto, warteten, bis jemand den Platz räumte, und parkten schließlich für sehr angemessene 2 Euro die Stunde. Da die Kneipe im Bürgerhaus wegen einer geschlossenen Gesellschaft dicht war, hieß es noch eine halbe Stunde Beine in den Bauch stehen, bis sich die Tore endlich öffneten. Doch das Warten sollte sich lohnen.
Die Atmosphäre im Saal knisterte förmlich. Selten sieht man so viele eingefleischte Fans auf einem Haufen – gefühlt jeder Zweite trug ein Band-Shirt, und die griechische Community war stark vertreten. Es lag eine erwartungsvolle, fast familiäre Stimmung in der Luft.
Bevor wir jedoch in die Berge von Epirus abtauchen durften, stand zunächst die Vorband auf dem Programm: My Diligence. Das belgische Trio lieferte eine Mischung aus Progressive Stoner und Post-Rock, die zwar durchaus ihre Momente hatte, atmosphärisch aber nicht so recht zum Hauptact passen wollte. Der raue, geschriene Gesang ging im Mix leider ziemlich unter und schaffte es nicht, die Distanz zwischen Bühne und Publikum zu überbrücken. Dennoch muss man festhalten: Das Kölner Publikum zeigte sich von seiner besten Seite. Die Halle war bereits gut gefüllt, es war ordentlich Bewegung in der Menge und die Belgier wurden mit viel Wohlwollen und Applaus aufgenommen. Ein solider Opener, auch wenn er mich persönlich nicht vollends abholen konnte.
Als die Villagers schließlich die Bühne betraten, saugte uns der bombastische Sound im Stollwerck sofort ein. Allein die visuelle Präsenz der traditionellen Instrumente – die Klarinette und die Sackpfeife, die erhaben über dem Geschehen thronten – verlieh dem Ganzen eine fast rituelle Aura. Und dann brach dieser gewaltige Klangteppich über uns herein.
Wenn man den Sound von VIC an diesem Abend beschreiben müsste, dann ist es das Bild einer endlosen griechischen Berglandschaft. Man wird von den epischen, weiten Melodiebögen getragen, schwebt förmlich über den Gipfeln, spürt aber gleichzeitig durch die wuchtigen Riffs eine tiefe Erdung und Verwurzelung in der Tradition. Es ist diese einzigartige Vielfalt, dieser ständige Wechsel zwischen harten, treibenden Rock-Klängen und den sanft dudelnden, fast hypnotischen Blasinstrumenten, die der Musik eine völlig eigene Dimension verleiht.
Die Setlist der „Venceremos Tour 2026“ war eine perfekte Symbiose aus Alt und Neu. Ich hatte das neue Material im Vorfeld bewusst nicht komplett durchgehört, um mich live überraschen zu lassen. Und die Überraschung glückte: Die neuen Songs fügten sich nahtlos in das Set ein und funktionierten hervorragend neben Klassikern wie Age of Aquarius oder Zvara. Besonders der Titelsong des kommenden Albums, Venceremos, entpuppte sich als absolute Naturgewalt und zog mich sofort in seinen Bann.
Nach diesem intensiven Set spuckte uns das Stollwerck schließlich wieder in die Kölner Nacht aus. Kurzer Kommentar von Volker: Boah, ich bin immer noch vollgefressen (musikalisch und kulinarisch).
Ich war erschöpft, aber auf diese tief zufriedene, glückliche Art, die nur ein wirklich herausragendes Konzert hinterlassen kann. Die Berge von Epirus mitten in der Südstadt – ein Trip, der noch lange nachhallen wird.
Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an FKP Scorpio für die Einladung und die Gästelistenplätze!
Filed under: Konzertphotos, Live Reviews, My Diligence, Villagers of Ioannina City im Stollwerck Köln am 17.03.26














