(jules) Mein erstes Freak Valley Festival war der absolute Hammer! Ich war ja aufgrund der Vielzahl der begeisterten Berichte aus den Vorjahren schon entsprechend eingestimmt, aber was ich erleben durfte, hat meine Erwartungen noch weit übertroffen. Drei Tage lang gab es heftigst was auf die Ohren – ein echtes Killer-Line-up! Vom grandiosen Opening mit Full Earth aus Norwegen bis zum fulminanten Finale mit KADAVAR aus Berlin das volle Brett.
Für mich persönlich gab es dazu echte Überraschungen: Tō Yō aus Japan? Da hatte ich vorher mal reingehört, die Konserve konnte mich wenig überzeugen. Aber live und mit der fetten Akustik, die die Soundcrew meisterhaft gezaubert hat, plus der eindrucksvollen Folklore des Quartetts, war ich ab den ersten Klängen vollkommen weggebeamt. Ich sage nur: Freeeeaks! Und der Titel „Soaring“ ist ab jetzt fester Bestandteil meiner Playlist. Dazu habe ich unvergessliche Bilder im Kopf, wie fünf Kerle einen sechsten auf Händen bis zur Bühne tragen. Es gab an Tag zwei um 17:45 Uhr noch nicht genug kompakte Crowd zum Surfen, da musste eine schnelle Lösung her. Wer allerdings zu dieser Zeit noch nicht vor der Bühne stand, hat echt was verpasst.
Kermit der Frosch hatte es da im Anschluss bei DYSE aus Jena/Berlin schon leichter. Die circa achtzig Zentimeter große Stoffpuppe nahm souverän jede Welle und avancierte zum Maskottchen des Festivals. Einige Male hat er es sogar bis auf die Bühne geschafft. DYSE haben die Meute mit ihrem kraftvollen Noise-Rock und Texten zum Mitschmettern schier ausgekocht. Am Morgen hatte es glücklicherweise zwei LKW-Ladungen frisches Hackschnitzel gegeben, sodass eine üble Schlammschlacht ausblieb. Der Rasen überlebte Tag eins leider nur bis C.O.F.F.I.N aus Australien. Während SLOMOSA, glaube ich, ist der letzte Grashalm verendet.
Nun ja, bei dem ganzen Pferdegetrampel nicht verwunderlich (Horseeeees!!!).

Großen Dank an der Stelle für die hervorragende Organisation, die lief wie am Schnürchen. Die Veranstalter hatten die Abläufe super im Griff. Bühne, Technik, Toiletten, Verpflegung, Merch – alles war bestens präpariert. Da spürt man die langjährige Erfahrung der Rockfreaks. Zudem waren die Regeln im Vorfeld klar über die Homepage kommuniziert worden. PET-Wasserflaschen bis 1 Liter durften mit rein, ebenso Campingstühle. Zum Sitzen kam man aber eigentlich nicht bei dem grandiosen Line-up. Sehr löblich: Am Eingang wurden die Regeln auch genau so umgesetzt, und zwar ohne aufdringlich zu werden. Alles war entspannt, und es gab keine grimmigen Minen oder fiese Leibesvisitationen. Die Sicherheit wurde ernst genommen, trotzdem waren die Wartezeiten kurz, dank der vielen freiwilligen Helfer vor Ort. Der Einlass war zügig und unkompliziert, egal ob mit digitalem oder Papierticket. Auch die Bändchen-Ausgabe war stressfrei und fix erledigt. Mit Humor schnippelte „00 Schneider“ jedem Neuankömmling die überhängenden Enden vom Bändchen ab. Die Bezahlung lief über den Chip am Bändchen perfekt. Einziges Manko: Zur Aufladung musste man erst an verlockenden Fressbuden und Bierständen vorbei und dann etwas Schlange stehen. An Tag eins eine echte Zerreißprobe, wenn du auf dem Weg tausend andere Freaks triffst und erstmal Wiedersehen feiern willst. Wohl dem, der dann Leute hat, die schon früher angekommen sind und einem schon mal das erste Bier in die Hand drückten.
Zu futtern sollte man nichts mitbringen, das war aber auch überhaupt nicht notwendig. Für den kleinen und großen Hunger war bestens gesorgt. Von veganen Leckerbissen bis zu saftigen Burgern und knusprigen Pommes – hier wurde jeder satt. Die Preise waren okay, und das Essen überraschend lecker. Selbst die Bierpreise fair: Ein 0,4 Bier kostete 4,50 Euro. Es gab auch verschiedene Craft-Biere vom Fass, die ein bisschen mehr kosteten, aber echt toll schmeckten. Wer keinen Alkohol wollte, fand reichlich Alternativen. Sogar (alkoholfreie) Cocktails und Longdrinks ohne stundenlanges Anstehen.
Für Gejammer sorgte der weite Fußweg zum Campingplatz „oben am Berg“. Dadurch entfällt jedoch der ständige Tourismus zu den Zelten, was dazu führt, dass die Leute eher auf dem Festivalgelände bleiben, dort auch essen und trinken. Finde ich persönlich sympathisch, belebt das Angebot, hält die Preise im Rahmen und im Ergebnis gibt’s weniger Gedränge am Ein- und Ausgang und deutlich weniger Müll in der Botanik.
Die Tasche und Klamotten zum Wechseln konnte man sicher und trocken an der Garderobe im AWO-Gebäude hinterlegen, wo sich auch die Toiletten meiner Wahl befanden. Feste Keramik-WCs, stets sauber und immer mit ausreichend Papier – wo findet man so etwas auf einem Festival?
Wer Warteschlangen hasst, sollte jedoch nicht unbedingt in den Pausen dringend müssen – das ist wie überall. Ich jedenfalls habe es immer rechtzeitig zurück geschafft, genau dorthin, wo gerade die Post abging. Selbst die Überraschungsgäste Daily Thompson (Tag 2) und Earth Ship (Tag 3) auf der kleinen Bühne habe ich voll mitgenommen.
Der Oberknaller! Daily Thompson mit „Chuparosa“ vom gleichnamigen neuen Album und in einer Gänsehaut Atmosphäre auf direkter Tuchfühlung. So intensiv habe ich die Melancholie in Danny Zarembas Augen beim Gesang noch nie live erleben dürfen. Alleine dafür wäre ich aus dem Pott ins Freakvalley gereist. Wie übrigens auch viele andere Fans, Freaks und Bandmitglieder aus NRW. Im Publikum gespottet habe ich (zumindest in Teilen) Scorched Oak, Submarine on Mars, Riot in the Attic, Schubmodul, Ray Temple, Astral Kompakt, Purple Dawn, Stargo, Kardeathian und einige mehr.
Mal sehen, wer sich im kommenden Jahr das Format des Freakvalley Festivals mit den Stoner- und Psychedelic-Rock-Größen aus dem In- und Ausland teilen darf. Wir dürfen gespannt sein und uns jetzt schon darauf freuen.
Sonntag ging es für mich ausgeschlafen und rundum zufrieden zurück nach Dortmund. Dank des obligatorischen Staus in Lüdenscheid habe ich das frisch erworbene Album „Chuparosa“ auf Kassette (ja, wirklich!) dreimal durchgehört.
DANKE, Freakvalley!
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