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Desertfest Berlin 2025 Columbiahalle und Columbiatheater – 23.05. bis 25.05.25

(vo) 2012 war ich beim ersten Desertfest in Berlin im Astra dabei, 2013 nochmal, auch nach dem Umzug in die Arena besuchte ich das Fest zweimal und nun mein Premierenbesuch in den beiden Columbiastätten, zusammen mit meiner oftmaligen Konzert- und Festivalbegleiterin Karin, die auch ihren Columbianischen Premierenbesuch feierte. Wir waren gespannt was uns erwartete: baulich, Bühnentechnisch, Verpflegungstechnisch, Wetter (eine Außenbühne). Viele Freunde und Bekannte waren auch vor Ort: wunderbar und herzlich und innig und auch allerliebst. Die Veranstalter Greyzone und Sound Of Liberation und einige Promoter (danke Mona) leisteten im Vorfeld mit einer großartigen Bandauswahl und einigen Gimmicks sehr gute Arbeit und während des Festivals gab es so gut wie nix zu meckern, außer Wetter am Sonntag.

Ca. 2500 Desert/Stoner/Psychedelic/Sludge/Metal/Post/Okkult/Garage/Elektronik/Funk/Soul und Skurill (hab ich noch was vergessen?) Fans aus aller Welt begutachteten, beklatschten, feierten, liebten, verehrten und feuerten 34 Bands auf drei Bühnen an. Freitag um 16 Uhr ballerte Peter, der Schlagzeuger von Bismut aus den Niederlanden, das Fest der guten Launen und seine Mitmusiker Huibert und Nik an: ihr schwer getränkter Heavy Rock mit psychedelischen Ausbrüchen zumeist mit Jam Charakter hätte mindestens zwei Vorhänge ( Vorhang ist ein Maß für den Applaus des Publikums, wobei jeder Wiederauftritt der Band nach Beifall als „Vorhang“ gezählt wird) verdient, aber der Zeitplan lässt sowas leider nicht zu. Danach wurden wir bekehrt und gesalbt und von allen Sünden freigesprochen: von einer wie immer berstend, brachial und schwer grollenden Blues Rock Messe der nun zu sechst predigenden The Devil And The Almighty Blues aus Oslo: „Salt The Earth“ mit den Zeilen “ Lick the wounds, dry your tears, Salt the earth, Cut the cord, close the door, Salt the earth“ wird, wie immer, von Reverend Arnt mit seiner brachial zerbrechlichen Stimme ins Auditorium geschrien oder gebrüllt während seine instrumentalen Mitstreiter die Halle durchschütteln: und das Publikum rührt sich im Takt und ich hab mal wieder Gänsehaut. Da macht auch der knapp paarminütige Ausfall der P.A. mittendrin nix, die dann danach tadellos ihrer Bestimmung nachging.

Nach dem Fehlfarben Motto „keine Atempause, Geschichte wird gemacht“ ging es rüber um Khan zu huldigen: das australische Heavy/Prog/Psychedelia/Stoner Dreigestirn erfreute das sehr wohlgesonnene Volk vor der Bühne mit ihren Weisen: Beau, Josh und Mitchell schickten uns mit Wonne in den Garten Eden. Rüber in die Halle: Gitarrenderwisch Tommi Holoppa ist das Herz der im August 30-jähriges Jubiläum feiernden Dozer, und er gibt wieder alles, bis zum letzten Schweißtropfen. Wenn du ihn dir am Konzertende anschaust: so sieht ein Gitarren-Kämpfer aus. Sänger Frederik ist gut bei kreischender Stimme.
Der alte Mann (ich) macht ´ne Pause: Bratwurst und Pommes Schranke, Bottroper Schlachtplatte ging nicht. Und nach vielen Wiedersehensumarmungen, -gesprächen, -kabbeleien, und -blödeleien wurde mir der Beelzebub, Quatsch, der Belzebong ausgetrieben: das polnische Brachialkommando in Sachen DOOM-Metal sah ich vor knapp 14 Jahren zum ersten Mal bei einem Festival in Venlo/NL und sah damals nicht rot sondern nur grün und schemenhafte Musiker. Nicht so meins aber die Leute feiern sie und versinken knietief im Doom….Draußen mal eine Weile Bloodfang angeguckt: Heavy Metal in reinster Thrash Form mit punkigen Anleihen: Kutte, Kunstblut, Leder, Nietengürtel und die zahlreichen Nackenmalträtierungen vor und neben mir künden von großem Spaß, gut so. Dazu ein Bier.

Slomosa sind mittlerweile nur noch eine Winzigkeit vor der Schwelle zum absoluten Headliner bei großen Festivals und präsentieren sich heute Abend zu fünft: mit ihrem Plattenproduzenten Eirik an Gitarre, Tamburin und Stimme, und sorgen für mächtig geschüttelte Mähnen, ich sage nur „Horses“. Mit dem Gassenhauer galoppieren sie das Publikum durch den Parcours und ihre anderen Livepretiosen sorgen auch dafür dass die Hütte lichterloh brennt.

24/7 DIVA HEAVEN sind mittlerweile eine Macht und machen nicht nur mir einen Riesenspaß: GRRRL-NOISY, Riot Grrrls, Punk, Grunge, Noise, Energie, Spaß und Charme.Kat, Karo und Marie bringen das Theater zum Beben, aber sowas von: Sie verteilen u.a. ihre großartige Hymne „Gift“ übers Hörvolk und Volker lauscht gebannt mit. Den ersten Tag beschließen THE HELLACOPTERS: Nicke Andersson dirigiert das Quartett durch die 19-teilige Playlist und „The Devil Stole The Beat From The Lord“ und „Toys And Flavor“ scheppern wie eh und je. Ihr etatmäßiger Gitarrist Dregen fehlt verletzungsbedingt immer noch, wird aber von LG Valeta der spanischen Rockband `77 gut, wie ich finde, ersetzt.

Zweiter Tag: Frühstück, ausruhen, Chinamann zu Mittag mit Nr. 2 und 12 für Karin und mich, U-Bahn und 14 Uhr vor Festivalort: dort trudeln auch die ersten Bekannten ein und wir machen später ein Photo einiger Veranstalter anderer Festivals.

von links nach rechts: Garbo und Uli-Krach am Bach, Christian-Rock im Wald, Fred-Stoned From The Underground und Volker-Freak Valley

Ruhig angehen lassen ist mein Motto heute, das heißt hier mal lauschen, da mal rumsabbeln, hier mal was trinken (Bier und Cocktail), da mal treffen, nicht nur mit Bekannten (sind auch viele Musiker dabei) und die Stimmung aufsaugen und genießen. KANT beamen uns in die psychedelisch bunten 1970er: Schlaghosen mit Kellerfalte, Minirock, Hippietum, alles abgrasen und hervorragender Musik lauschen. Die mittelalterliche Ästhetik von CASTLE RAT transportiert einen Hauch Theater in die Halle: Doom Metal mit Sabbath Vibes in Schwert und Ketten. Die finnischen Sympathiebolzen SKYJOGGERS machen Space Rock im Speedmodus bei wunderbarstem Wetter auf der Außenbühne und grinsen fast ohne Unterlaß und hinterlassen bei vielen einen großen Eindruck, völlig berechtigt. Die zwischenzeitlichen Karaokeleistungen auf der Außenbühne bereiten einen Riesenspaß, besonders die vom Duo Pardis-Daevar und Max-Plainride schlägt alles bisher dagewesene.

„The River“, „Harvest Angel“ und „The Radiant“ werden von TEMPLE FANG in knapp 45 Minuten zelebriert: das heißt abtauchen in Floyd-ähnliche Aggregatzustände und wieder mal die Feststellung: was für ein Trip! Die Jungs aus Amsterdam werden immer besser, nicht nur meiner bescheidenen Meinung nach, haben mittlerweile einen weiblichen Front Row Fanclub und begeistern überall, wo sie ihren Psychedelic Sound verbreiten.

LOWRIDER braten anschließend mit ihren stampfenden, brettharten Stonerattacken das Publikum durch, aber von beiden Seiten: Bassmann und Sänger Peder krakeelt sich und uns durch sämtliche Desertstorms und „Convoy V“ ist ihre besonders nackenmalträtierende Hymne.

MY SLEEPING KARMA: ich konnte die Jungs Andre, Matte, Norman und Seppi vorher in ihrem Backstageraum heimsuchen, sah wie Andre die Playlist schrieb (siehe Eingangsphoto des Berichts) und wir machten ein Photo mit der Band, ihrem Soundmagier Rene und Jens und mir: das Photo schoß Jensens Tochter Nomi! Zum Auftritt: die Halle ist gefüllt bis zum Anschlag. Die Band wird vom Auditorium getragen und die innige Liebe zwischen Publikum und den vier Musikern ist fast einzigartig in der Szene: „Brahama, Prithvi, Ephedra, Maya Shakti, Prema, Psylocybe“ und „Hymn 72“: was für ein wunderbares Karma. Freudentränen fließen, die Emotionen brechen alle Dämme, die Hallenluft ist berauscht…..DINOSAUR JR. spielen sich durch eine Playlist mit 21 Songs und schließen die Tore von Tag zwei.

Tag drei: Frühstück, dann Mittag Nummer 10 beim Chinesen, U-bahn und um 14 Uhr bei Regen ist die Öffnung zum letzten Tag des Festes. Ich spüre die Müdigkeit in fast allen Knochen und halte mich heute etwas zurück in Sachen Musik gucken, obwohl das Line-up nochmal alles gibt: das Duo DARSOMBRA ist schrill, bunt und elektrisierend. Spät, aber nicht zu spät möchte ich an dieser Stelle Sound und Licht und Effekte hochloben und preisen, drinnen und draußen.

ELEPHANT TREE sind immer eine riffgetränkte Macht, auch heute, so lassen sie nix anbrennen und die Halle füllt sich zusehends. Bei GREEN MILK FROM THE PLANET ORANGE sitzen die Riffs im wahrsten Sinne des Wortes denn die drei Japaner spielen sitzend und bekommen stehende Ovationen für ihr ziemlich abgedrehtes Zeug: Acid Mothers Tempel grüßen aus der Ferne. Im strömenden Regen grooven TSCHAIKA 21/16: 77 Dezibel sind maximal erlaubt, wir sind nass bis auf die Schlüpper, aber egal: Onkel, Sören, Tim und Bandmaskottchen Prinzessin Teddymett finden, genau wie die hier versammelte Truppe vor der Bühne, den Auftritt knorke. Onkel erzählt zwischendurch war, Sören trompetet in der Gegend rum, und das exzellent, Tim grinst sich eins und die Prinzessin ist müde. Tims Sponsoring übrigens by Ha Ri Bo. Funk und Soul ist der Stoff, den ich danach brauche: COOGANS BLUFF liefern ihn mit u.a. „Oh Balada“ und „Beefheart“, die beiden heutigen Tanzflächenfeger! Ich konnte mich vorher mit Willi-Gitarre schön unterhalten, macht immer wieder Spaß und ich erfahre wieder neues aus einem Musikerleben. ELDER: 10 Jahre „Lore“, ihr Meisterwerk aus 2015 in voller Länge: ein zauberhafter Sound von Steffen alias Mister Banane und der würdige Abschluss dreier wunderbarer Tage und Nächte.

Ich bedanke mich bei Sound Of Liberation und Greyzone für die Akkreditierung und bei allen Mitarbeitern rund ums Fest und bei Karin für wunderbare Begleitung und bei allen Freunden, Bekannten alt und neu, bis bald mal wieder in einem Theater unseres Vertrauens……(volker)

Filed under: Festivals, Konzertphotos, Live Reviews, ,

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  1. […] in diesem Jahr zum ersten Mal beim Desertfest in Berlin erleben und schrieb dazu in meinem Bericht (hier nachzulesen): die mittelalterliche Ästhetik von CASTLE RAT transportiert einen Hauch Theater in die Halle: […]

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Gavial - Broken von ihrem neuen Album "Thanks, I Hate It", das am 23.01.26 erscheint

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