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Megadeth – Megadeth

(tob) Über Megadeth muss man eigentlich nichts mehr sagen. Jeder, der sich mit Metal beschäftigt, kennt die Band, und auch jenen, denen Metal nicht so viel sagt, ist Megadeth ein Begriff. 1985 veröffentlichten die Angehörigen der Big Four des Thrash ihr Debütalbum „Killing Is My Business… and Business Is Good!“, und am 23. Januar wird Album #17 erscheinen und gleichzeitig das finale Werk der US-Thrasher sein. Mustaine, Teemu Mäntysaari (Lead-, Rhythmus- und Akustikgitarre), James LoMenzo (Bassgitarre) und Dirk Verbeuren (Schlagzeug) – so lautet das Line-up für das selbstbetitelte Album, für das im Oktober 2025 die Single und das Video zu „Tipping Point“ erschienen, dem Opener von „Megadeth“. Die Nummer war eine Ansage, und eine explosive noch dazu.

„Es gibt so viele Musiker, die am Ende ihrer Karriere stehen – ob unfreiwillig oder beabsichtigt. Die meisten von ihnen haben nicht die Möglichkeit, zu ihren eigenen Bedingungen und auf dem Höhepunkt aufzuhören. Genau an diesem Punkt stehe ich jetzt in meinem Leben. Ich habe die Welt bereist und Millionen von Fans gewonnen. Der schwerste Teil von all dem ist, mich von ihnen zu verabschieden.“ – Dave Mustaine

Wenn eine Band wie Megadeth sich entschließt aufzuhören, bleibt da immer eine unausfüllbare Lücke bestehen. Man sieht sie nicht auf verschiedenen Festivalplakaten oder sonst wo, sie ist eher in den Herzen der Fans, die den Weg mit Megadeth seit 1983 mitgegangen sind. Man hat die Entwicklung des modernen Heavy Metal zusammen erlebt, sich zusammen entwickelt, und für nicht wenige sind Dave Mustaine und Co. der (musikalische) Lebensmittelpunkt. Megadeth prägen die Szene heute und auch in den nächsten Jahrzehnten, viele Bands lassen sich von Klangästhetik und Haltung inspirieren.

Ich glaube auch, dass man die weltweit über 50 Millionen verkauften Tonträger, den GRAMMY® Award, die zahlreichen weiteren Nominierungen, Milliarden von Streams und konstanten Top-10-Platzierungen in den Billboard 200 zwar aufzählen und abdrucken kann, einen richtigen Eindruck vom Schaffen der Thrash-Titanen bekommt man aber nur, wenn man stilprägende Werke wie „Peace Sells… But Who’s Buying?“, „Rust In Peace“ und „Countdown To Extinction“ gehört hat, die bis heute als Referenzpunkte für die Szene gelten. Früher oder später kommen auch „Dystopia“ oder „The Sick, The Dying… And The Dead!“ in diese Aufzählung, denn sie zeigen, welches hohe Niveau Megadeth über Jahre hielten.

Megadeth wurden und sind Teil der Popkultur, tauchen in Filmen und Serien auf und werden von Künstlern anderer Genres offen referenziert. Es gibt Megadeth Beer, Dave Mustaine schuf mit HOUSE OF MUSTAINE eine Weinmarke, die Musik, Persönlichkeit und Handwerk verbindet, und man war bei den Simpsons zu sehen – ein Ritterschlag!

Megadeth werden „Megadeth“ über ihr Label BLKIIBLK, ein neues Sublabel der Frontiers Label Group, raushauen, und das in allen Variationen und Farben, die es (gefühlt) gibt. Ehrensache, wenn Legenden von der Bühne gehen. Hören wir uns „Megadeth“ an, das mit einem ganz besonderen Bonustrack aufwarten kann. Man kredenzt den Fans eine neu interpretierte Version von „Ride The Lightning“. Mustaine schrieb den Song zusammen mit James Hetfield, Cliff Burton und Lars Ulrich von Metallica; er war der Titelsong des Metallica-Albums von 1984.

„Da sich für mich der Kreis meiner Karriere schließt, war die Entscheidung, ‚Ride The Lightning‘, einen Song, den ich mit James, Lars und Cliff geschrieben habe, auf das Album aufzunehmen, eine Hommage an die Anfänge meiner Karriere“, so Mustaine.

Mit dem wütenden, konfrontativen „Tipping Point“ starten wir ins Album. Den Song gab es, wie erwähnt, als Single, und man darf annehmen, dass sich die Szene mit dem Nackenbrecher schon beschäftigt hat, denn hier regiert klassischer Megadeth-Spirit. Noch energiegeladener, treibender und „nackenbrecherischer“ ist „I Don’t Care“, bei dem es einige Gitarrensoli zu feiern gibt. „Hey, God?!“ grooved, und wir hören Dave im Gespräch mit dem Herrn „da oben“, wohl mit einem Augenzwinkern, aber eingängig und klasse melodisch. Ob Gott aber von sich hören lässt und einen „Call“ macht, wage ich anzuzweifeln. „Let There Be Shred“ ist Megadeth-Thrash zum Headbangen und Luftgitarre zocken, eventuell sogar eine kleine Inspirationsstunde für Nachwuchs-Shredder. Während „Puppet Parade“ und „Another Bad Day“ gehen es Megadeth ruhiger an, aber nicht weniger intensiv und mitreißend. Die wütende Dampframme „Made To Kill“ hat jede Menge Mosh-Potential und eine große Portion politische Kritik im Köcher; Stichworte wie Öl, in Frieden kommen und alles niederbrennen sprechen Bände. Zu den Midtempo-Groove-Songs gesellt sich „Obey The Call“, zum Ende gibt’s dann aber trotzdem fetten und schnellen Thrash in die Fresse! Musikalisch wie lyrisch geht „I Am War“ unter die Haut. Gesang und Instrumente schaffen eine bedrückende Atmosphäre, der Refrain wird im Ohr nachklingen – der komplette Song wohl auch in den Gedanken vieler. Spoken Words gibt es zu Beginn und am Ende vom final-finalen Song „The Last Note“ von Megadeth, den ich euch nicht spoilern möchte – genießt ihn auf der Platte unvoreingenommen. Über den Bonustrack macht ihr euch auch ein eigenes Bild – ich find’  das Ding stark – Vorhang auf für die Megadeth-Version von „Ride The Lightning“.

Megadeth nehmen auf ihrem letzten Album kein Blatt vor den Mund, warum sollten sie auch – das haben sie noch nie getan und fangen jetzt auch nicht damit an. Gut so! Die beiden Ballermänner zum Auftakt, Midtempo-Groover auf der Wegstrecke, nachdenkliche Songs, kritische Nummern: „Megadeth“ hat alles, was ein Megadeth-Album braucht. Klar, wir sind weder in den 80er- noch in den 90er-Jahren, sondern haben eine Band vor uns, die lebende Legenden sind und steinige Wege gemeistert haben. „Megadeth“ ist das Ergebnis aus jahrzehntelanger Erfahrung und vereint diese auf einem starken letzten Studioalbum, das den Abschied von Megadeth bedeutet – oder?….(tobiasstahl)

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Gavial - Broken von ihrem neuen Album "Thanks, I Hate It", das am 23.01.26 erscheint

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