rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Necrofier – Transcend Into Oblivion

(tobi) Necrofier kommen aus den USA, genauer gesagt aus dem Lone Star State Texas, und haben ihren „Sitz“ in Houston. Gegründet hat sich die vom norwegischen Black Metal inspirierte Band 2018. Seither erschienen die EP „Visions in Fire“ (2018) sowie die beiden Full-Length-Alben „Prophecies of Eternal Darkness“ (2021) und „Burning Shadows in the Southern Night“ (2023). Eine Besonderheit des texanisch-norwegischen Black Metal ist die würzig-scharfe texanische Intensität, die Necrofier ihren Songs verleihen. Auf ihrem neuen Studiodreher „Transcend Into Oblivion“ wollen sie diese „exotische“ Gangart mit mehr Kraft, Überzeugung und Einfallsreichtum würzen – scharfes Texasfeuer mit kaltem Norwegerstahl, warum auch nicht.

Für Necrofier besteht zudem eine persönliche, beinahe archaische Verbindung zu den norwegischen Wäldern, die aus der familiären Herkunft der Bandmitglieder resultiert. Die musikalischen Wurzeln des norwegischen Black Metal sind dabei nicht nur stilistische Referenz, sondern auch Ausdruck des Wunsches, an den Ursprungsort dieser Musik zurückzukehren und sie dort live zu präsentieren. Mit diesem Album rückt die Verwirklichung dieser lang gehegten Vision – inklusive Auftritten auf europäischen Festivals – in greifbare Nähe.

Bevor wir weiter auf das Album eingehen, gibt es hier ein paar Eckdaten über die Truppe, die aus Bakka (Vocals, Gitarre), Semir Özerkan (Gitarre), Mat Valentine (Bass) und Dobber Beverly (Schlagzeug) besteht. Aufgenommen wurde „Transcend Into Oblivion“ in den Southwing Studios sowie im House of Thorns in Houston, Texas. Produziert und aufgenommen wurde das Album von Joel Hamilton, unterstützt von Chris Kritikos als Assistant Engineer. Der Mix entstand anschließend bei Joel Hamilton im Studio G in Brooklyn, während das Artwork von José Gabriel Alegría Sabogal stammt.

Steigen wir ein in „Transcend Into Oblivion“, den ersten Akt mit seinen drei Kapiteln. Los geht’s mit dem Opener „Fires of the Apocalypse, Light My Path I“ und ordentlichen dunkelschwarzen Vocals, wuchtigen Drums und einem Gitarrengewitter. Das Tempo zieht kurz nach dem Intro stark an und wird bei dem einen oder anderen eine Nackensteifheit hervorrufen. Im weiteren Verlauf ist die Nummer jedoch wieder etwas zahmer und wirkt dadurch eine Ecke kälter und beschwörender. „Cool“ klingt die Mundharmonika am Ende, mit der man wohl „Texas Black Metal, yeah“ ausdrücken möchte. „Fires of the Apocalypse, Light My Path II“ kommt ebenfalls räudig angeranzt. Die kurzen Sequenzen, in denen eine weibliche Stimme zu hören ist, machen den Song etwas tiefgängiger. Nach „Fires of the Apocalypse, Light My Path III“ ist das erste von drei instrumentalen Stücken an der Reihe, „Behold, the Birth of Ascension“.

Der zweite Akt des Albums – „Servants of Darkness, Guide My Way“ – wird noch düsterer: Kampf, Qual und innere Zerrissenheit prägen diesen Abschnitt. Die Erkenntnis, dass frühere Gewissheiten nicht mehr gelten, führt zu Schmerz. In Teil I hauen Necrofier mächtig auf die Drums ein, während roher Gesang aus Bakkas Kehle dringt. Brutal und brachial knallen in „Servants of Darkness, Guide My Way II“ die Drums, der weniger rasante Part des Songs sprüht hingegen nur so vor Atmosphäre. Teilweise gehen Necrofier wie Derwische zu Werke, um dann wieder ruhigere Töne anzuschlagen – gefällt mir und gilt ebenso für „Servants of Darkness, Guide My Way III“. Nach dem melancholischen Übergangsinstrumental „Mystical Creation of Enlightenment“ kommen wir zu Akt III, der für Wiedergeburt und Aufstieg steht. Die Transformation ist vollzogen, das alte Selbst existiert nicht mehr. Der Blick auf die Welt hat sich verändert, und man nimmt bewusst den eigenen Platz ein. Nach dem ruhigen, fast meditativen Übergangssong muss man fast aufpassen, keinen Herzinfarkt zu bekommen, wenn „Horns of Destruction, Lift My Blade I“ seine schwarzen Feuerperlen aus den Boxen ballert. In „Horns of Destruction, Lift My Blade II“ und „Horns of Destruction, Lift My Blade III“ wird das hohe Qualitätsniveau gehalten. Es gibt hier einige Schmankerl, die ich jedoch ungern spoilern möchte – krallt euch die Scheibe einfach und hört sie euch an. „Toward the Necrofier“ ist das dritte instrumentale und zugleich finale Stück auf „Transcend Into Oblivion“, einem Black-Metal-Wuchtfest von fast 58 Minuten.

Necrofier verknüpfen auf „Transcend Into Oblivion“ rohe Aggression und düstere Melancholie zu einem stimmigen, kraftvollen Gesamtwerk. Ihre kompromisslose Härte und die finsteren, atmosphärischen Melodien verschmelzen zu einem Sound, der den Hörer brutal packt und durchrüttelt, dabei aber dennoch Tiefe besitzt. Necrofier hauen hier einen geschlossenen, durchdachten Dreher raus, der Album-des-Jahres-2026-Potenzial hat – im Genre versteht sich, denn man sollte schon eine „geschwärzte Seele“ mitbringen für die Texaner, die im Herzen Norweger sind.

Filed under: Album Reviews, Metal,

Archiv

international – choose your language

Februar 2026
M D M D F S S
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
232425262728  

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten. Informationen zum Umgang mit Deinen Daten findest Du in der Datenschutzerklärung.

Diese Artikel werden gerade gelesen:

Necrofier – Transcend Into Oblivion
L'IRA DEL BACCANO  -  The Praise of Folly
Vanesa Harbek – Visiones
DIRTY SOUND MAGNET - Me And My Shadow