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Micke & Lefty Featuring Chef – Live On Air

Blues-und Roots-Songs aus Finnland

(ro) Ein leises Klacken – und die ersten Tönе von „Mississippi“ stehen im Raum: roh, warm und unmittelbar. Mit einem Schlag verändert sich die Atmosphäre. Der Rhythmus schiebt sanft, doch unnachgiebig nach vorn, die Slide-Gitarre zieht weite Bögen durch die Luft, und irgendwo zwischen den reduzierten Strukturen des Arrangements stellt sich dieses vertraute Gefühl des Unterwegsseins ein. Nichts Spektakuläres, kein Effekt, nur ein beharrlicher Groove – und doch reagiert der Körper schneller als der Verstand: Füße wippen, Schultern lösen sich, der Alltag tritt geräuschlos einen Schritt zurück.

So setzt Vol. 1 von „Live On Air“ ein — festgehalten im BoomRoom Studio im finnischen Kauhava für die DLF-Reihe „On Stage“. Keine Schutzschicht, kein doppelter Boden: nur diese wache, konzentrierte Gegenwärtigkeit, die entsteht, wenn Musiker einander zuhören, statt gegeneinander anzuspielen.

Das finnische Akustik-Power-Trio um Micke Björklöf (Gitarre, Drums, Harmonika, Gesang), Lefty Leppänen (Gitarre, Akustikgitarre, Gesang) und Miikka Kivimäki (Bass) führt den Blues zurück auf seine tragenden Kräfte: Rhythmus, Resonanz, Stimme. Aus dieser bewussten Reduktion erwächst eine suggestive Intensität. Die Stimmen greifen ineinander, Gitarrenlinien und Schlagwerk treten in einen lebendigen Dialog, und der Bass verankert das Geschehen mit einem ordentlich spürbarem Groove. Das ist eine Musik, die den Raum weitet und zugleich innen ankommt —  insistierend, lebendig, und von jener unaufhaltbaren Sogkraft, die zum Bleiben einlädt.

Seit Jahrzehnten gehört Micke Björklöf zu den prägenden Figuren der nordischen Roots-Szene. Mit Formationen wie „Blue Strip“ oder „Micke & Lefty feat. Chef“ hat er den skandinavischen Blues weit über nationale Grenzen hinaus getragen und ihm ein eigenständiges Profil verliehen. Auf dieser Studiosession zeigt sich jedoch eine bewusst zurückgenommene Facette seines musikalischen Selbstverständnisses: weniger elektrischer Druck, mehr Intimerzählung, mehr dialogische Nähe im Zusammenspiel.

Wenn Björklöf den Blues als Fundament und zugleich als offenes Gelände erzählt, wird diese Haltung hörbar.  Hier wird der Blues nicht behauptet, sondern gelebt: als fortwährende Erkundung eines vertrauten, doch nie ausgeschöpften Terrains.

Vol. 2 der „Live On Air“ öffnet den Raum weiter. Kein Studio mehr, sondern der historische Marktplatz in Eutin: Stimmengewirr, Gelächter, Schritte auf dem Pflaster und dazu das leuchtende Wasser des Sees im Hintergrund.
Plötzlich steht man gefühlt mittendrin im ikonischen „BluesBaltica Festival“, nicht mehr nur davor. Jedes Jahr im Mai entsteht hier ein quirliger Ort des Zusammenkommens und der Gemeinschaft — Musiker und Publikum begegnen sich nicht nur als Darbietende und Zuhörende, sondern als Mitwirkende an derselben flirrenden Momentaufnahme.

In dieser Kulisse entfaltet das Trio eine Bühnenenergie, die gleichzeitig soulful, bluesig und unmittelbar wirkt. Die eigenen Songs stehen wie selbstverständlich neben Blues-Klassikern wie Willie Dixons „Hoochie Coochie Man“  aus dem Jahr 1953 – ein Stück, das hier nicht als Ehrfurchtsritual, sondern als lebendige, federnde Erzählung erklingt. Dieser Song – kraftvoll interpretiert und doch mit einem warmen Herzschlag versehen – gehört für mich zu den Höhepunkten des Albums. Nichts wirkt museal oder erstarrt, alles lebt, existiert und wird durchzogen von jener inneren Kraft, die den Blues ausmacht.

Oh ja, das sind dreizehn Songs voller Energie, Vielfalt und rauer Lebenslust – gespielt von einer Band, für die Blues weit mehr ist als die berühmten drei Akkorde in zwölf Takten. Jeder Ton beweist Authentizität, jede Phrase spiegelt handwerkliche Sorgfalt, und immer wieder blitzen kleine, unerwartete Raffinessen auf, die den Sound frisch und eigenständig halten.

Und wenn der letzte Ton verklingt, löst sich nicht einfach der Moment auf. Der Atem wird ruhiger, die Gedanken klarer, die Schultern leichter. Ein Gefühl bleibt: dass Musik mehr kann als Klang, dass sie heilen, balancieren, verbinden kann. Dass sie zeigt, wie sich innere Ruhe anfühlt, mitten im Sturm, und dass man, nur für diesen Augenblick, genau dort ist, wo alles stimmt.
..(Rosie..)..

Songliste:
Volume 1 – Live At BoomRoom Studio
01. Mississippi
02. Tell That Woman
03. The One
04. Big Bill Blues
05. Up The Wall
06. Smallttown Baby
07. Polk Salad Annie
08. Always Something Good
09. Gotta See My Church
10. Clean Up
11. Good Friend
12. I’m A Guitar Man

Volume 2 – Live At Blues Baltica Festival
01. I’m Lost Without You
02. California Blues
03. Let The Fire Lead
04. Someday
05. I’m A Guitar Man
06. Good Friend
07. Don’t Let That Music Die
08. Sail On
09. If I Had Possesion Over Judgment Day
10. You Better Me
11. Hoochie Coochie Man
12. Let Me Love You Baby
13. Do The Right Thing

Band:
Bass – Miikka Kivimäki
Guitar, Acoustic Guitar, Vocals – Lefty Leppänen
Guitar, Drums, Harmonica, Vocals – Micke Björklöf

www.mickeandlefty.com

Filed under: Akustik, Album Reviews, Blues, Bluesrock, , , , , , ,

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