(ju) Es gibt Alben, bei denen du auf der Stelle eskalieren möchtest, egal, wo du gerade bist. Ob zu Hause, auf der Arbeit, beim Autofahren, mit In-Ear-Kopfhörern im Supermarkt oder bei der KFZ-Zulassungsstelle, den Monitor für die gezogene Nummer im Auge behaltend. Einfach das Auto auf der A4 ranfahren und auf dem Standstreifen abgehen. Den Stuhl umschmeißen und im Wartezimmer durchdrehen. Zwischen den Regalen ein Pogo mit den Obst- und Konservendosen veranstalten.
Wohl dem, der gerade zu Hause oder im Wald unterwegs ist und diesem inneren Druck und Drang nachgeben kann. Ansonsten bleibt einem nur, mit einem fetten Grinsen und dezentem Kopfnicken Euphorie und Adrenalin Ausdruck zu verleihen und abzuwarten, bis man zu Hause ist. Meine Fresse, was für ein Brett liefern uns LAMB OF GOD da bitte wieder mit ihrem 10. Studioalbum? Präzise und punktgenau, filigran und bombastisch, leidenschaftlich und wild haut uns „Into Oblivion“ Riffs um die Ohren, dass der Drang nach Eskalation kein Wunder ist. Wenn Musik derart schnell Endorphine und Adrenalin durch die Zellen schleudert, brauchen wir ein Ventil. Daher mein Tipp, falls du, verehrte Leser oder verehrte Leserin, das Album noch nicht gehört hast: unbedingt zu Hause aufdrehen und abgehen!
Es gibt keinen Titel, der nicht direkt zündet. Besonders wirkungsvolle Schläge in die Magenschleimhaut liefern „The Killing Floor“, „St. Catherine‘s Wheel“, „Blunt Force Blues“ und der Titeltrack, während „Parasocial Christ“ und „Bully“ den Ruhepuls auf das Niveau einer akuten Hypertonie anheben. Doch es sind vor allem die kontrastreicheren Tracks, die sich am hartnäckigsten festbeißen: „Sepsis“ mit seiner stampfenden, düsteren Schwere in der ersten Hälfte (dieser Bass…!) und der ultimativen Thrash-Metal-Katharsis, das sehr eindringliche „A Thousand Years“ (und wieder: dieser Bass…!) mit dem extrem abwechslungsreichen Gesang und schließlich das beinahe schon balladeske und entsprechend gefühlvolle „El Vacio“, das sich stimmig in das aggressive Gesamtbild einfügt.
Sänger Randy Blythe setzt dem durch die Bank weg vorzüglichen und präzisen Spiel von John Campbell (Bass), Art Cruz (Schlagzeug), Mark Morton und Willie Adler (Gitarren) die Krone auf, wenn er zwischen Grunzen und Brüllen, Schreien und cleanem Gesang so locker und selbstverständlich herumswitcht wie ein Teenager zwischen den Social-Media-Plattformen
Insgesamt ist „Into Oblivion“ eine Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln der Band, die 1994 in Richmond, Virginia, gegründet wurde. Gerade „Blunt Force Blues“ und „Sepsis“ erinnern an die lokale Musikszene der Neunziger, die die Metal-Veteranen geprägt hat. Somit bekräftigen LAM OF GOD auch mit ihrem zehnten Studioalbum ihre Reputation als eine der einflussreichsten und innovativsten Größen der modernen Metalszene. „Into Oblivion“ ist ein formvollendeter Tobsuchtsanfall, der alles andere als „In die Vergessenheit“ führt. Wie gesagt: Aufdrehen und abgehen!
Judith
Label: Century Media
VÖ: 13.03.2026
Genre: Thrash-/Death-Metal/Hardocre
Trackliste:
- Into Oblivion
- Parasocial Christ
- Sepsis
- The Killing Floor
- El Vacío
- St. Catherine’s Wheel
- Blunt Force Blues (linked)
- Bully
- A Thousand Years
- Devise/Destroy
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