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The Lost Verses – Weiß

Alternative/Singer Songwriter aus Berlin

(ro) „The Lost Verses“, das sind Britta Caspers und CJ Bauer, zwei sich ungemein gut ergänzende, poetische Singer/Songwriter, die auch gleichzeitig ihr Leben gemeinsam verbringen. Mit „Weiß“ stellen sie nun nach „Worüber wir reden“ ihr zweites Album vor. Präsentiert werden zehn Songs, auf denen sie ihr jahrelanges Nomadentum, pendelnd zwischen Melancholie und Zuversicht, auf eine ganz besondere, ingeniöse Art thematisieren.

Höchstambitioniert in organisch arrangierten Klangstrukturen und in drei verschiedenen Sprachen agierend, spielen sie in einer musikalischen Architektur, die mich in ihre ganz spezielle Welt eintauchen lässt.

Angefangen mit dem magischen Titelsong „Weiß“, der von der Betrachtung eines alten Familienfotos erzählt, klingen „The Lost Verses“ für mich auf wundersame Weise so, als wäre die Zeit irgendwann in den 70er Jahren stehen geblieben.
Die zurückhaltend liebliche Stimme von Britta Caspers umgarnt mich mit kühl-grübelnden, geistreich mit Worten spielenden kleinen Geschichten, die kein Ablaufdatum kennen. Ihre genauen Beobachtungen, kleinen Wahrheiten und großen Gefühle sind genau richtig für die sich jetzt anbahnende Herbstzeit.
Als ideale Ergänzung fungiert ihr langjähriger Lebensgefährte CJ Bauer, der die Songs unglaublich relaxt mit einem sanften, dezent-funkigen Groove versorgt und dabei immer wieder ein spannendes Gefüge erzeugt.

Wie beschreiben „The Lost Verses“ selbst ihre Musik?

„Unsere Songs bilden eine Einheit von Text und Musik. Manchmal ist die Musik zuerst da, das Gitarrenspiel, der Rhythmus; manchmal der Text. Beides findet zusammen, wenn auch die Worte in gewisser Weise musikalisch sind. Die Musik wiederum gibt ihnen einen Raum, einen Ausdruck, der nicht ihrer ist, und in gewisser Weise doch.“

Gut gelungen ist dies z.B. bei „Er sah die Sonne“, ein eindringliches Lied in deutscher Sprache, das von dem im Jahre 1952 entstandenen französischen Roman „Les frères Rico“, einer faszinierenden, beklemmenden Psychostudie, geschrieben von George Simenon (R.I.P.), inspiriert wurde.

Englisch gesungen wird hingegen die gespenstisch-poetische Indie-Dream-Art-Ballade „Phantasmagoria in Two“, die Coverversion eines Songs von Tim Buckley (R.I.P.) aus dem Jahr 1967. Hier in ein fantasievoll gesponnenes, musikalisches Bild gefaßt mit einer sanft bumpernden Rhythmusmaschine, die aus einem alternativen Blickwinkel heraus diesen fast 60 Jahre alten Song unterstreicht.

Und dann möchte ich auf jeden Fall auch noch „Dans la nuit je me réveille“ erwähnen, ein suggestives französisches Chanson, das wie in intimer Zwiesprache mit dem Hörer/der Hörerin von jenen außergewöhnlichen Begegnungen erzählt, bei denen uns plötzlich eine imaginäre Tür geöffnet wird und wir wie in einem Lichtstrahl plötzlich Dinge, die sich bisher diffus im Ungefähren befanden, klar und greifbar vor uns sehen.

Ja, „Weiß“ ist eine wunderbare Platte und ein stimmiges Gesamtwerk. Mit zehn einfallsreich präsentierten perfekt-unperfekten Liedern, die, aufgenommen in einem kleinen alten Haus in dem Département de la Charente im Südwesten Frankreichs, vergrabene Träume, bittersüße Liebesgeschichten und persönliche Befindlichkeiten jenseits der Lebensmitte vermessen.
(…Rosie..)

Songliste:

1. WEISS
2. ICH HABE ETWAS VERLOREN
3. DELAYED OBJECTS
4. TRAUMLOS IST DEIN SCHLAF (BERLIN)
5. PHANTASMAGORIA IN TWO
6. DANS LA NUIT JE ME REVEILLE
7. CAUGHT IN DESCENT
8. GESTALT
9. ER SAH DIE SONNE
10. Bonustrack (nur auf CD): WHAT WAS IT YOU WANTED

Credits:

Texte: Britta Caspers; Musik: CJ Bauer
Track 4 und 9: Text und Musik: CJ Bauer; Track 5: Text und Musik: Tim Buckley , Track 10: Text und Musik: Bob Dylan
Track 3 enthält Samples aus der Serie „In Treatment“ Staffel 1
Produktion: The Lost Verses
Mastering: Tobias Levin
Artwork: Britta Caspers, Christian Witt

Filed under: Album Reviews, Indie, Singer/Songwriter, , , , ,

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Gavial - Broken von ihrem neuen Album "Thanks, I Hate It", das am 23.01.26 erscheint

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