rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Interview mit Titan Fox V – Hammer King

Zehn Jahre im Zeichen des Hammers: Ein Gespräch mit Titan Fox V übers Jubiläum, Live-Hämmer und weitere royale Geschichten über die „WiederROYALmachung des Metal“!

(tob) Es fühlt sich inzwischen an wie ein kleines Klassentreffen unter Heavy-Metal-Liebhabern, die auf einer Welle funken – denn es ist bereits unser zweites Gespräch und das nur in diesem Jahr. Und jedes Mal, wenn man mit Titan Fox V spricht, öffnet sich das Tor zum Königreich aufs Neue: herzlich, direkt und mit diesem besonderen Blick hinter die royale Rüstung. Dieses Mal dreht sich alles um einen doppelten Meilenstein: „Kingdom of the Hammer King (10th Anniversary Edition)“ und „Hammer King X – Alive in ’25“, die am 19. Dezember bei Reaper Entertainment erscheinen. Ein Rückblick auf zehn Jahre royale Metal-Herrschaft – und zugleich ein Live-Dokument, das den Geist von Hammer King so ungefiltert einfängt wie nie zuvor.

Bevor wir jedoch komplett im Jubiläumstaumel versinken und uns zwischen Remaster, Live-Magie und Zukunftsvisionen verlieren, fangen wir wie immer ganz bodenständig an – mit der Frage, von der jedes gute Gespräch lebt …
Tobias:
Hallo Titan Fox V und danke, dass wir uns heute unterhalten können. Let’s go! Ganz bodenständig zum Anfang! Wie geht’s?
Titan Fox V:
„Gut – im Prinzip jammern wir ja immer auf unterschiedlich hohem Niveau, aber müde bin ich tatsächlich. Letzte Woche hat es mich ein kleines bisschen gebeutelt, ungefähr zwei Tage lang. Normalerweise werde ich nicht krank, und wenn doch, dann geht es schnell vorbei. Aber es reicht schon, um zu jammern, weil ich krank sein einfach gar nicht kann. Wenn ich dann im Bett liege, verändert sich sofort komplett meine Psyche, weil ich es nicht gewohnt bin, nichts zu machen. Insofern: Jetzt ist’s wieder gut.“
Tobias:
Jetzt geht es so langsam auf Weihnachten zu. Ist Pause und Erholung angesagt oder weiter volle Pulle Vorbereitung auf die anstehende Tour 2026 mit den Burning Witches?
Titan Fox V:
„Letzten Endes ist es so: Wir spielen jetzt am 13.12. ganz oben in Norddeutschland beim Walhalla – Festival der Helden. Darauf bereiten wir uns natürlich noch mal vor. Wir haben in den letzten Wochen ziemlich viel geprobt, auch gestern wieder. Und die Probe war richtig gut. Das ist immer sehr beruhigend, wenn du merkst: Okay, jetzt wird es langsam so, wie man es sich vorgestellt hat.
Es wird noch einen Videodreh geben und ein paar Proben. Das Walhalla Festival ‚frisst‘ noch drei Tage mit Anreise, Auftritt und Abreise. Dann ist Weihnachten selbst ruhig. Was jetzt noch ansteht, sind ganz triviale Geschichten – zum Beispiel der ganze Zollkram, wenn man in England oder der Schweiz spielt. Als rest-europäischer Musiker muss man sich damit eben befassen, weil das nie einfach so durchläuft.
Irgendwann liegt dann ein Brief in meinem Briefkasten, der mich dazu auffordert, beim Zoll vorstellig zu werden. Dieser Brief ist noch nicht da, aber sobald er kommt, muss ich definitiv noch einen Tag einplanen, um das ganze Zeug, das wir mitnehmen, beim Zoll vorzulegen. Ich nehme an, dass die das wiegen werden – ich mache das zum ersten Mal, aber es kommt eben alles zusammen. Und dann fallen einem natürlich auch wieder tausend Sachen ein, die man noch vergessen hat. Für solche Dinge gehen dann auch noch mal zwei Tage drauf – normales Business eben.
Zumal ich mir ja auch eine gewisse Routine erhalten will. Die kannst du aber nicht haben, wenn du ständig etwas anderes dazwischen schieben musst. Gerade bei einer relativ langen Tour möchte ich vorbereitet sein. Aber trotz all dem Aufwand ist die Vorfreude riesig.“
Tobias:
Die Vorfreude ist groß. Man merkt es dir an und ich denke, das wird mit das Größte sein, was ihr bisher gemacht habt.
Titan Fox V:
„Von den Hallenkonzerten her gesehen ja. Das bei den Warkings und bei Dominum waren ja immer diese Wochenendblöcke, weil es normalerweise auch schwieriger ist, einen Club unter der Woche zu finden – und das Publikum ist in der Woche in aller Regel nicht mehr ganz so ausgehfreudig wie früher. Wobei ich das Gefühl habe, dass es wieder besser wird.
Und jetzt ist es natürlich eine Tour, die durchgängig ist. Wir haben 32 Shows in, ich glaube, 35 Tagen, weil drei Tage zum Reisen draufgehen – mit Entspannung ist da nicht viel. Mal sehen, wie das wird. Aber im Prinzip kann man ganz ehrlich sagen, dass man sich das immer genau so vorgestellt hat. Man wollte ja schon immer in den Tourbus steigen und dann erst Wochen später wieder aussteigen.
Und jetzt kommt das eben so, und wann der berühmte Punkt kommt, dass sich alle gegenseitig auf den Geist gehen – und man sich selbst natürlich auch – werden wir sehen. Ich bin gespannt.“
Tobias:
Ihr seid ja schon verschiedene Charaktere in der Band und dann seid ihr so zusammen im Tourbus. Ich habe jetzt einige Interviews gemacht und so manche tourbusromantische Sache erzählt bekommen. Ich bin mal gespannt, was da im Nachlauf bei euch kommt.
Titan Fox V:
„(lacht) Ich auch! Am Ende heißt es: ‚Große Veränderung im Line-up von Hammer King! Alle raus!‘“
Tobias:
(lacht) Große Umstrukturierung bei Hammer King!
Titan Fox V:
„Ja, genau (lacht).“
Tobias:
Ist euer jüngster Zuwachs Sir Marex der Unadlige (Gitarre) die komplette Tour dabei?
Titan Fox V:
„Sir Marex der Unadlige, der liebe Marex, ist ein wahnsinniger Glücksgriff und die komplette Tour dabei. Ich habe immer gesagt: Wenn wir jemanden finden, der Gitarre spielen kann, dann werde ich nur noch singen. Ich bin nach wie vor extrem fasziniert, weil ich Gitarre spielen total liebe – aber ich vermisse es überhaupt nicht. Das liegt daran, dass Marex der perfekte Typ für uns ist. Ein ganz bodenständiger Kerl.

Ich habe Ross the Boss auf dem Headbangers Open Air getroffen. Wir haben uns seit mindestens … ach Gott, ich glaube 13 Jahren nicht gesehen, also eine Ewigkeit. Wir sind uns um den Hals gefallen und haben uns unterhalten, als hätten wir uns gestern erst gesehen. Ich stellte ihm Marex als unseren neuen Gitarristen vor, der jetzt für mich spielt. Ross fragte mich, ob ich denn keine Gitarre mehr spiele, was ich bejahte. Danach sagte er zu Gino: ‚Arrrrr what a pity, he was very good!‘, worauf Gino nur ‚Ja‘ antwortete.

Als ich Ross sagte, dass Marex auch ein guter Gitarrist sei, sagte Ross zu Marex: ‚He would not say that if it wasn’t the truth‘. Für mich war das ein total netter Schulterschluss: Der alte Lehrmeister Ross sagt mir, ich sei gut – und ich sage das zum jungen Marex.

Neulich habe ich das Live-Album gehört, als die Mixe kamen, und irgendwann dachte ich: ‚Moment, du zuckst überhaupt nicht‘ – einfach, weil ich gar nicht realisiert habe, dass die Gitarre nicht von mir ist. Das Studioalbum hörst du ja auch mit etwas Abstand. Aber hier war es einfach dasselbe: Er spielt die Hammer-King-Songs so nah am Original, wie man nur sein am Original sein kann. Wenn man beispielsweise Manowar spielt, muss es halt klingen wie Manowar. Und das macht Marex bei uns so gnadenlos gut.

Er ist einfach ein Typ, der wirklich Musik machen will – alles andere ist ihm egal. ‚Ich kann nicht‘ gibt’s bei ihm nicht. Er hat ganz am Anfang für eine Probe seine Festival-Tickets verkauft. Nur für die Probe! Da war er ganz neu bei uns, das Festival war lange geplant, aber er hat die Karten verkauft, weil er die Probe nicht verpassen wollte.

Er hat eine echt gute Einstellung – und wenn er jetzt auf Tour nicht ‚durchknallt‘ (wir beide lachen scherzhaft), dann ist das wirklich eine gute Sache, die uns da passiert ist.“
Tobias:
Am Ende vom Jahr macht man das ja gern, dass man mal ein bisschen resümiert. Und 2025 war ja jetzt echt kein schlechtes Jahr für euch. Da war der Neubeginn mit Reaper Entertainment, ihr habt ein neues Album rausgehauen – ein bisschen anders als das, was ihr vorher gemacht habt. Wie blickst du denn zurück auf 2025?
Titan Fox V:
„Im positiven Sinne war das irgendwie ein ganz merkwürdiges Jahr. Ich dachte am Anfang: ‚Mein Gott, wir haben dieses Jahr nur acht Shows.‘ Wenn man die Dominum-Tour mal ausklammert, die ja 2024 gestartet war und noch ein bisschen ins neue Jahr rüberhing. Und da dachte ich echt: ‚Mein Gott, das wird irgendwie ein ganz komisches Jahr.‘

Aber ich glaube, wir hatten bisher in keinem Jahr mehr zu tun als in diesem – obwohl wir eigentlich relativ wenig gespielt haben. Wir haben das Album gemacht, und das war definitiv die härteste Produktion, die ich je hatte. Ich habe neulich noch ein Video gesehen, wo ich im Studio-Report sitze, gute Beleuchtung, ein bisschen Make-up, und dachte nur: ‚Mein Gott, ich seh zehn Jahre älter aus als sonst‘, weil ich einfach völlig ausgepowert war.

Aber das war genau das Gute: Wenn du dir selbst beweisen kannst, dass du das durchziehst – egal was passiert. Und genauso war’s dann auch. Kurz nach der Aufnahme von ‚Make Metal Royal Again‘ ist der Marex ‚in unserem Schoß gelandet‘, und ab da ging es richtig los.
Wir haben das neue Line-up flott gemacht, was eigentlich ziemlich schnell ging, aber super spannend war. Dann kam die Show in Mannheim, das Summer Breeze und diverse andere Shows. Vorher hatten wir da, glaube ich, schon drei Shows gespielt. Es ging irgendwie nonstop weiter.

Ich bin mit dem Jahr total zufrieden, gerade auch, weil das mit Reaper so gut gelaufen ist. Besser hätte es echt nicht passieren können. Das ist ein Label, bei dem man als Band komplett auf Augenhöhe ist. Man gehört irgendwie zusammen – und die gehören genauso zu uns. Das ist was ganz anderes als früher, wo du zwar wusstest: ‚Die sind super, alles in Ordnung‘, aber die Nähe war nicht so da.

Jetzt schreibt der eine dem anderen mal: ‚Sag mal, bei uns ist grad viel los, könnt ihr das übernehmen?‘ – und dann sagt man: ‚Ja klar‘, und umgekehrt genauso.
Dann kam irgendwann ein Paket bei uns an, da waren Schirmmützen drin. Ich sagte zu Flori: ‚Was ist denn das bitte?‘ Und er meinte nur: ‚Ach so, ja, wird wieder abgeholt – war für uns gedacht und organisatorisch günstiger, wenn wir es bei euch unterstellen.‘ Und ich sagte: ‚Okay, ist in Ordnung.‘ Solche Geschichten finde ich großartig, weil da so viel Respekt da ist, dass man das einfach machen kann.

Also: Das passt alles richtig gut. Und jetzt bin ich gespannt, was die Tour macht. Wir haben das Album bisher live ja kaum betourt, und die Tour kommt jetzt ein gutes Vierteljahr, fast ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung. Ich bin echt gespannt, was passiert. Aber ich glaube, das war genau das Jahr, in dem wir alles in die richtige Richtung gestellt haben, damit die Tour jetzt richtig gut laufen kann.“
Tobias:
Wenn du jetzt auf das Remaster von ‚Kingdom of the Hammer King‘ schaust – zusammen mit dem Live-Album (Release 19. Dezember 2025), das ja zum 10-jährigen Bandjubiläum erscheint – und gedanklich noch einmal zurückgehst. Nicht ins Jahr 2025, sondern wirklich zurück nach 2015, als die ursprüngliche Version von ‚Kingdom of the Hammer King‘ rauskam. Damals noch bei … wo war das? El Puerto? Ich bringe die Labels immer durcheinander. Wenn du dir den Titan Fox aus 2015 vorstellst und überlegst, welche Visionen du damals hattest – inwiefern stimmt das heute noch mit dem überein, was Stand der Dinge ist?
Titan Fox V:
„Es war Cruz del Sur, das Label. Das ist eine gute Frage – ich weiß es tatsächlich überhaupt nicht. Gerade bei Musik, die ja oft spontan, inspiriert und irgendwie aus dem Unterbewusstsein kommt, ist das schwer zu greifen.

Für das Remaster musste ich zwangsläufig eine ganze Reihe an Hörsessions einlegen und mir das Album anhören, das inzwischen über zehn Jahre alt ist. Normalerweise wird es irgendwann langweilig, wenn du ein Album ständig hörst, weil du beim Machen die Mixe in Dauerschleife bekommst. Und ich dachte schon vorher: ‚Mein Gott, das kenne ich doch alles schon – das wird sicher langweilig.‘

Dann kam das Remaster, ich habe es ins Auto geschmissen, um es mal in Ruhe als Referenz durchzuhören, und bin losgefahren. Und ich finde es immer noch total großartig. Für mich ist das Beste an Musik oft, wenn sie ganz naiv und unbedarft ist – und dieses Album ist genau das. Ein völlig unverstelltes Werk von Leuten, die zufällig etwas gefunden hatten, das ihnen Spaß gemacht hat. Und das hört man dem Album auch zehn Jahre später noch an.

Wir haben damals aus Laune, Inspiration und Naivität heraus einfach etwas gemacht und dachten: ‚Ja, das wird schon gut.‘ Hätte ich damals schon gewusst, wie viel da noch kommt, was man alles machen muss, was notwendig ist, um eine Band wirklich ins Rollen zu bringen – vielleicht wäre ich frustriert oder eingeschüchtert gewesen. Aber das wusste man nicht – und das war gut so.

Rückblickend muss ich sagen: Dieses Album ist eines der ganz wenigen, bei denen ich wirklich finde: Für das, was es ist, kann man es nicht besser machen. Es ist gnadenlos perfekt – genau weil es unperfekt ist. Es ist rau, die Songs sind einfacher als heute, aber es hat einen Spirit, den man nicht beschreiben kann. Musik hat den Spirit oder hat ihn nicht – und dieses Album hat unfassbar viel davon.

Die Grundeinstellung ist heute eigentlich dieselbe wie damals: Man lebt als Musiker immer für den nächsten Song, bei dem man denkt: ‚Mein Gott, wie ist mir das eingefallen? Was für ein Glück!‘ Man jagt immer dem nächsten richtig guten Song und dem nächsten gelungenen Album hinterher.

Wenn ich mir überlege, dass es inzwischen sieben Alben geworden sind – das ist schon eine Menge. Aber ich werde an das nächste Album genauso rangehen wie immer: Ich stehe im Proberaum und freue mich diebisch, wenn irgendwann so viele gute Songs da sind, dass sie ein Album ergeben. Das ist einfach das Größte.

Der einzige Unterschied beim ersten Album war: Es gab keine Erwartungen. Man hat damals nur für sich selbst etwas gemacht. Später willst du die Qualität halten, du willst wieder ein gutes Album schreiben – und plötzlich misst sich alles an dem, was davor war. Das war der große Vorteil des Debüts: Diese Last gab es nicht. Da ging es nur darum: ‚Gib’s ihm!‘ Und das, was danach entstand, wurde der Maßstab.

Das erreicht man nie wieder – das erste Album bleibt immer etwas Besonderes.

Ansonsten, glaube ich, sind wir uns über die Jahre ziemlich treu geblieben.“
Tobias:
Ja, das sehe ich genauso – und ich denke, das sehen eigentlich alle anderen auch so. Ich habe noch nie mit jemandem gesprochen, der gesagt hätte, irgendein Album würde besonders abfallen. So nach dem Motto: ‚Das eine ist ’ne 9 und das andere nur ’ne 5.‘ So etwas gibt es bei euch einfach nicht.

Das Einzige, wo ich sagen würde, dass es ein bisschen abfällt, ist das Cover von ‚King Is Rising‘. Wenn ihr das irgendwann mal remastert, müsste da echt ein neues her – etwas, das mehr nach Hammer King aussieht. Mit dem Panzer drauf … das fällt für mich aus der Reihe. Ich guck mir die Platten und die Cover an und denke jedes Mal: ‚Mensch, dieses Cover …‘ Es sieht halt wie die hässliche Tochter des Königs aus – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber es passt einfach nicht ins Gesamtbild.“
Titan Fox V: „Total das Thema. Die Idee damals war ja: Der König kann theoretisch in jeder Situation auftreten. Also so etwas wie ‚King in Space‘ – warum nicht? Oder dass er übers Meer fährt, was wir ja ein Album später tatsächlich hatten. Aber damals war das Album eher kriegerisch, etwas mehr in der Jetztzeit verankert, und dann fährt der König plötzlich mit einem Panzer durch die Gegend, gefolgt vom Hammer-Heer. Und im Nachhinein – wie du schon gesagt hast – thematisch einfach völlig verfehlt.

Man hätte irgendeinen Battering Ram nehmen können oder eine Steinschleuder – völlig egal. Irgendwas, das mehr zum Hammer-King-Universum passt. Und jetzt wird’s natürlich schwierig, wenn man ein Album neu auflegt. Ich nehme da gern Iced Earth oder Gamma Ray als Beispiele: Die haben bei ihren Remastern teilweise komplett neue Cover gemacht, ich verstehe das bei Iced Earth, weil die frühen Artworks noch unfassbar weit weg waren von dem, was später kam. Aber es war eben das originale Artwork.

Reaper haben das bei Tankard so gemacht: Die haben ein paar Cover ausgetauscht, aber das Original-Artwork trotzdem als Wendecover beigelegt. Das finde ich super, weil die Fans, die das Original im Schrank stehen haben wollen, ja genau das möchten. Was sollen die mit einem Artwork von 2026, das plötzlich alles anders macht? So würden wir das definitiv auch machen.
Ich überlege wirklich, ob man bei ‚King Is Rising‘ hingeht und – ohne komplett vom Original abzuweichen – einfach dieses Panzer-Element austauscht. Durch etwas Eigenes, etwas Hammer-King-mäßiges. Das könnte zum Beispiel eine Ramme mit einem Hammer vorne dran sein. Dann hätte man auch wieder diesen Humor, den die alten Platten auf den Covern hatten. Also da bin ich voll bei dir: Thematisch macht der Panzer wirklich keinen Sinn.“
Tobias:
Ihr könntet ja auch einen Schuber machen – außen das Original-Cover und darunter das neue Cover, oder? Es gibt auch diese Lenticular-Cover, bei denen sich das Bild verändert, wenn man sie dreht. Wenn das neue Cover dem alten ähnlich wäre, wäre das doch eine richtig coole Lösung.
Titan Fox V:
„Da muss ich Flori fragen, ob das geht, aber interessant wäre es auf jeden Fall. Das Einzige, was wir bisher geändert haben, ist im Grunde das Layout – und das auch eher aus praktischen Gründen.

Das Layout der ersten drei Platten, die ja nicht so großartig waren, kam damals von jemandem im Label, und da konnte man nichts dran machen. Beim Remaster wollten wir deshalb den aktuellen Schriftzug draufhaben – in erster Linie, weil das Artwork dadurch viel besser wirkt, als wenn du immer diesen großen Platz von dem alten Logo wegschneiden musst.

Das werden wir definitiv so machen. Ansonsten bin ich eigentlich vollkommen traditionell: Man kann Dinge anpassen, aber ändern muss man mit Bedacht.“
Tobias:
Das Live-Album enthält Songs von verschiedenen Gigs – vom Homecoming im 7er Club Mannheim, vom Formosa-Bierfest, vom Summer Breeze und vom Bongert Open Air, wenn ich es richtig im Kopf habe. Gab es Songs, die auf bestimmten Festivals oder Veranstaltungen einfach von der Stimmung her besser funktioniert haben? Oder habt ihr bewusst gesagt: Wir wollen unterschiedliche Events abdecken? Wie kam die Entscheidung zustande, für das Live-Album Aufnahmen aus mehreren Locations zu verwenden?
Titan Fox V:
„Also letztlich war es so:

Es gab diverse Songs, die mussten aus Mannheim sein, weil es die eben nur dort gab. Das war die längste Show, bei der wir manche Stücke überhaupt gespielt haben. Und da wir das Live-Album ja als Bonus zum Remaster des ersten Albums veröffentlichen, war der Gedanke natürlich: Es wäre sinnvoll, wenn möglichst viel vom ersten Album drauf ist.

Aber mehr als zwei Songs davon gab es schlicht nicht live – das war der erste Punkt. Durch die geringe Anzahl an Shows, der kurzen Vorbereitungszeit und dem neuen Line-up war es völlig unmöglich, da noch mehr Material zu sammeln. Also haben wir erstmal die Songs genommen, die aus Mannheim verfügbar waren.

Dann gab es natürlich Leute, die gesagt haben: ‚Ihr müsst unbedingt was vom Summer Breeze veröffentlichen, so ein großes Festival!‘ Gestern schrieb mir wieder jemand: ‚Gibt’s nicht die ganze Show auf Video?‘ Ja, wir haben sie auf Video, aber sie war nur 30 Minuten lang. Damit kannst du kein Live-Album machen. Zumal wir ‚Awaken The Thunder‘ gekürzt haben, was wir noch nie vorher gemacht haben, aber sonst hätte es nicht ins Set gepasst.

Nachträglicher Einwurf Tobias: Und hoffentlich kürzt ihr einen meiner Favs nie wieder – sowas geht doch nicht (grinst).

Vom Summer Breeze sind, wenn ich mich richtig erinnere, die beiden Opener drauf – zumindest der Opener, ich hab’s echt vergessen, eine Zeitlang wusste ich es noch. Vom Formosa-Bierfest ist ‚Kingdom of Hammers & Kings‘ drauf, weil der dort einfach unfassbar gut und das Gesangsspiel mit dem Publikum besser als an anderen Abenden war. Den wollten wir unbedingt haben. Der Rest entstand aus technischen Gründen. Nicht spieltechnisch – wirklich technisch. Mit dem Mischpult, das wir dafür gemietet hatten, gab es Probleme. Verschiedene Kanäle haben irgendwann angefangen zu kratzen und …“

Die Verbindung bricht ab, das Bild friert ein. Zwei Minuten Stille.

Titan Fox V:
„Bist du noch da?“

Tobias:
Ja, du warst beim Kratzen der Soundanlage.

Titan Fox V:
„Genau, ja. Also: Wir wollten natürlich nicht im Studio das Live-Album nachbauen. Wenn etwas unbrauchbar war, haben wir eben einen anderen Take genommen. Und letztlich hatten wir großes Glück, als klar war, dass wir auch Vinyl bekommen würden. Da wusste ich: Wir dürfen zeitlich nicht über eine gewisse Länge hinaus.

Also habe ich eine Liste gemacht. Ich wollte bestimmte Songs unbedingt draufhaben – und ich habe tatsächlich alles untergebracht, außer ‚The King Is A Deadly Machine‘. Der hat zeitlich einfach nicht mehr gepasst. Das war der einzige Moment, wo ich dachte: ‚Mist, ich hätte gern von jeder Platte etwas dabei‘. Letztlich sind die Songs draufgekommen, die für meinen Geschmack diese zehn Jahre Hammer King am besten abdecken. Bei einer Nummer habe ich ein oder zwei Spuren aus einer anderen Show genommen, weil sie mir sonst zu live gewesen wäre. Aber das war’s dann auch.

Man munkelt ja manchmal das gerade beim Gesang bei Live-Alben im Studio nachgeholfen wird. Da bin ich aber knallhart: Man kann glauben, was man will – aber es ist definitiv überhaupt nichts nachträglich gemacht. Es ist unser erstes richtiges Live-Album, und keine Ahnung, wie es am Ende klingt, wenn man es in der Hand hält, aber: Es hat echt funktioniert. Da darf man ausnahmsweise mal kurz zufrieden sein.“
Tobias:
Ganz ehrlich: Ich habe irgendwann gar nicht mehr darauf geachtet, welcher Song jetzt von welchem Gig stammt. Klar, am Anfang dachte ich noch, als „Hallo Summer Breeze!“ kam: „Okay, der erste Song ist also vom Breeze“. Und im Verlauf habe ich’s dann nur noch gemerkt, wenn Mannheim dran war – da habe ich halt besonders hingehört. Aber irgendwann war es für mich einfach „nur“ ein durchgängiges Live-Album. Punkt.“
Titan Fox V:
„Das war wichtig, das war wichtig – genauso soll es eigentlich rüberkommen. Also meiner Meinung nach ist das genau das, was ein Live-Album leisten muss. Der Alex Eckert, der das Album gemischt hat, hat zum ersten Mal mit uns gearbeitet. Er macht ja auch die Remaster von Tankard – oder hat sie gemacht zu der Zeit. Wir kontaktierten ihn, weil der Charles (Greywolf, Anm. des Autors) da nicht verfügbar, sondern mit Powerwolf auf Tour war.

Alex meinte, es sei für ihn entscheidend, dass ein Live-Album in erster Linie live klingt. Und das war exakt das, was wir wollten. Dass du möglichst viel Publikum hörst, Leute, die ‚Hey!‘ rufen, wenn etwas passiert – solche Momente. Das hat er wirklich super gemacht. Und er hat es außerdem geschafft, dass das Ganze so klingt, als sei es aus einem Konzert. Und das war für mich das Allerwichtigste.

Wir haben tatsächlich nur an einer einzigen Stelle eingegriffen. Da hat es – leider – Essen erwischt, und die Stelle habe ich direkt angesprochen und gesagt: ‚Das macht so keinen Sinn.‘ Du hörst gerade ‚Guten Abend, Summer Breeze!‘ und direkt danach ‚Hallo Essen!‘ – und später kommt dann noch Mannheim. Aber Mannheim musste drin sein, weil ich das am Ende frei voneinander angekündigt habe, und das gehört dann einfach dazu.

Also habe ich gesagt: Bitte am Anfang Summer Breeze, am Schluss Mannheim – und dazwischen ohne Thema, damit man nicht ständig aus der Stimmung gerissen wird. Du willst ja im Prinzip eine Best-of von zehn Jahren Hammer King hören – und genau das hat dann auch echt funktioniert.

Wie gesagt: Ich bin da wirklich zufrieden.“
Tobias:
Man kennt mich ja ein bisschen … ich bin, was sowas angeht, bis heute ein bisschen eigen. Da kommt manchmal mein innerer Monk nach vorne, wo ich dann denke: ‚Ja gut, aber jetzt müsste es eigentlich so und so sein.‘ Aber wie gesagt: Im Verlauf fallen die verschiedenen Locations gar nicht auf. Ich habe es vorhin auch noch mal gehört, bevor wir angefangen haben zu sprechen und es macht Bock. Alles andere ist eigentlich Wurst.
Titan Fox V:
„Das ist definitiv auch mein Punkt. Ich habe gestern noch zu Gino gesagt: ‚Es ist ein Live-Album, das einfach Spaß macht.‘ Genau so soll es sein. Wenn es ein Standalone-Live-Album wäre, wäre es mir vielleicht ein kleines bisschen zu rau, weil es ja wirklich nicht besonders poliert ist. Aber auf der anderen Seite ist das genau der Grund, warum ich Live-Alben in der Art so gerne habe. Das ist wie bei Rush: Diese Zusatz-Live-Aufnahme zu ‚Moving Pictures‘ (‚Live In YYZ‘) mag ich wesentlich lieber als das eigentliche ‚Exit… Stage Left‘. Weil die ‚Exit… Stage Left‘ ist halt bis zum Gehtnichtmehr poliert, und die andere Aufnahme ist einfach eine Show – oder zwei Shows aus Toronto – und die klingen eben genau so, wie sie klingen. Ja, da scheppert es mal mehr. Aber wenn du dich reingehört hast, hat dieses Album so viel Atmosphäre, dass ich das offizielle Live-Album aus derselben Zeit inzwischen gar nicht mehr höre. Und ich glaube, bei uns ist es ähnlich. Das ist bestimmt nicht mit dem Anspruch entstanden, alles glattzubügeln. Wir haben das aufgenommen, weil es einfach cool war – und genau so soll ein Live-Album auch rüberkommen.“
Tobias:
Ich glaube, wir haben noch so sieben Minuten Zeit, oder etwas in der Richtung. Was ich mich noch frage – und das hängt ein bisschen zusammen: Könnte von Hammer King irgendwann mal ein Best-of-Album kommen? Ich weiß nicht, ob ihr da vielleicht schon was geplant habt oder ob das irgendwann nach dem nächsten Album mal ein Thema wäre.

Und damit verbunden: Was habt ihr generell mit Reaper geplant? Gibt es da noch etwas im Kessel, irgendetwas, das man vielleicht schon ein kleines bisschen teasern darf?“
Titan Fox V:
„Ich sag mal so: Wo eine Neuauflage ist, steht natürlich immer das Potenzial im Raum, dass es mehrere geben könnte. Was man damit genau macht – gerade weil wir jetzt beim ersten Remaster ein Live-Album dazugelegt haben – das weiß tatsächlich noch keiner. Wenn du ein Remaster rausbringst und ‚nichts‘ dabei ist, ist es ja auch nicht so interessant. Daher stellt sich natürlich die große Frage:

Ein Best-of-Album ist für mich immer so eine Sache, bei der ich denke: Ja … aber wer gibt denn heutzutage für ein Best-of noch Geld aus? Das müsste schon ein extrem gutes Best-of sein. So wie damals das erste Best-of von Iron Maiden mit Blaze Baley – ‚Best of the Beast‘ mit dem neuen Song ‚Virus‘. Ein Best-of, das wirklich cool war, weil es eine absolut repräsentative Sammlung war, in chronologischer oder rückwärts chronologischer Reihenfolge, inklusive der Soundhouse-Tapes-Demos. Sowas braucht man – alles andere ist schwierig.
(Anmerkung des Autors: Gemeint ist Iron Maidens Best-of-Compilation „Best of the Beast“ (1996). Die Veröffentlichung enthielt – je nach Version – eine umfangreiche Songauswahl aus allen Bandphasen, teils in chronologischer Reihenfolge, sowie als neuen Track die Single ‚Virus‘. Einige Editionen enthielten zudem frühe Demoaufnahmen der Soundhouse Tapes.)
Manche Leute haben schon gesagt: Man könnte ja ein Best-of machen wie damals Running Wild mit ‚The First Years of Piracy‘ – also die Songs neu einspielen, in der aktuellen Besetzung und Produktion. Und das finde ich tatsächlich eine coole Idee, weil es ein paar Songs gibt, bei denen ich denke: Der klingt jetzt endlich so, wie ich ihn immer wollte. Und auf der Studioplatte klingt er halt überhaupt nicht so, wie ich ihn wollte – einfach, weil wir damals nicht die Möglichkeiten hatten.

Das könnte was sein. Eventuell. Aber entschieden ist noch gar nichts. Wir haben jetzt gerade erst ein Album gemacht, also: Es wird weitergehen, das ist klar. Aber was genau und wann – das weiß ich wirklich nicht. Das ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich nicht sofort weiß, wann das nächste Album aufgenommen wird. Und das finde ich gerade echt angenehm. Zumal ja die große Tour jetzt erstmal kommt.

Aber es kann gut sein, dass ich nach der Tour – sagen wir, im März – dasitze und mir denke: ‚Ja schön … und was machen wir jetzt?‘ Und dann sieht die Sache wahrscheinlich ganz anders aus.“
Tobias:
Dann haben wir ja schon ein paar schöne Cliffhanger für 2026. Gibt es bei euch eine Hammer-King-Weihnachtsfeier? Setzt ihr euch zusammen und macht einen Jahresabschluss oder macht das jeder für sich?“

Titan Fox V:
„Eine interne Hammer-King-Weihnachtsfeier haben wir bisher nie gehabt – was aber auch einfach daran lag, dass mindestens einer von uns zum Jahresabschluss grundsätzlich nicht im Land war. Ob wir das dieses Jahr machen, weiß ich nicht. Ich kann nur so viel sagen: Am 19.12., wenn das Album rauskommt, hat der Gino Geburtstag. Das heißt, wir werden uns da sowieso sehen, und das ist ja fast schon eine Art Feier. Insofern wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen. Vielleicht gibt es auch noch eine Probe zwischen den Jahren, aber eine richtige Feier im klassischen Sinn … ich glaube fast nicht. Wir sehen uns im Moment so furchtbar viel, und danach sehen wir uns auf der Tour noch unglaublich viel. Das reicht – das ist schon gut so.“
Tobias:
Zum Schluss wünsche ich euch natürlich allen frohen Weihnachten.
Titan Fox V:
„Das wünsche ich dir auch.“
Tobias:
Ich freue mich schon, wenn wir uns auf der Tour in Kaiserslautern sehen. Von dir hätte ich jetzt gern noch ein paar letzte Worte für unsere Leserinnen und Leser, für die Hammer Heroes etc. Mein Gast hat schließlich immer das letzte Wort.
Titan Fox V:
„Ich danke dir für das Interview. Es ist jedes Mal ein bisschen wie ein Zwei-Mann-Klassentreffen. Es ist einfach schön, mit dir zu schwätzen, es ist fürchterlich entspannt – und vor allem stellst du Fragen, die ich nicht ständig gestellt bekomme. Das finde ich extrem angenehm. Also tausend Dank dafür.

An dieser Stelle Grüße ich alle Hammer Heroes da draußen und alle rockblog.bluesspot-Leser. Ich finde es absolut erfrischend, wenn ich selbst Storys und Interviews lesen kann, die mich wirklich interessieren – einfach, weil die Fragen mal ein bisschen anders sind als das, was man sonst häufig gestellt bekommt. Da steckt für mich die eigentliche Musik drin: Wenn man etwas liest, das einen wirklich mitnimmt. Und klar, wenn sich Fragen wiederholen, ist das verständlich, aber eben nicht ganz so spannend. Deshalb: Vielen Dank an alle, die das hier lesen. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr – und lasst uns ein fantastisches 2026 draus machen.“
Interview: Tobias
Photocredit: Christian Palm / Palm Media

 

Filed under: Interviews,

Archiv

international – choose your language

Gavial - Broken von ihrem neuen Album "Thanks, I Hate It", das am 23.01.26 erscheint

Dezember 2025
M D M D F S S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten. Informationen zum Umgang mit Deinen Daten findest Du in der Datenschutzerklärung.

Diese Artikel werden gerade gelesen:

RockBlogBluesSpot Highlights 2025 - physisch, psychisch und überhaupt!
My Sleeping Karma und Daily Thompson im Colos Saal in Aschaffenburg am 30.12.2025
Festivals, Konzerte, Tourneen + Veranstaltungen
In Memoriam: William Rory Gallagher, geboren am 02.03.1948