(syb) Wenn im Schweizer Duden anstelle des Substantivs Leidenschaft ein heimischer Bandname stehen würde, dann würde der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit DIRTY SOUND MAGNET lauten und damit das mit unbändiger Energie vorangetriebene, hingebungsvolle Schaffen des seit 2015 in der jetzigen Formation aufspielenden Psychedelic-Rock-Power-Trios wohl angemessen würdigen.
Denn Stavros Dzodzos, Gitarre und Vocals, Marco Mottolini, Bass und Back Vocals, und Maxime Cosandey, Schlagzeug und Back Vocals, verkörpern den Typus „Vollblutmusiker“ in seiner reinsten Form. Die Band wurde bereits im Teenage-Alter in Freiburg, Switzerland, gegründet und war schnell bedingungslos und ohne andere berufliche Alternative zum Musikmachen unterwegs. Durch ihre DIY-Ethik und die unaufhaltsame Lust auf Bühne und Publikum folgte eine der spannendsten Erfolgsgeschichten des Undergrounds. Bei mittlerweile mehr als 800 Liveauftritten, davon allein im Jahr 2025 mal eben 120 Shows in 19 Ländern, diversen Alben samt handgemachten Videoclips, eigenständiger Organisation und einfach unfassbar viel Liebe und Arbeit, die in die Darbietung der eigenen Kunst investiert wird, passt die Definition von Leidenschaft dann auch wirklich mal wie die redensartliche Faust auf’s Auge.
„Me And My Shadow“ ist nicht nur anzuhören, mit welcher Hingabe die Drei sich ihrem vierten Studio-Album gewidmet haben, sondern es ist auch zu spüren. In jahrelanger, liebevoller Arbeit entstanden kommt hier alles zusammen, was die Seele und den ihnen eigenen Sound ausmacht. Ausschließlich dem eigenen Instinkt folgend arrangiert und aufgenommen, wird nun über Tonzonen Records veröffentlicht und das Glück nicht dem Zufall überlassen, denn sämtliche Details wurden sorgfältig um den neuen Longplayer herum geplant.
Entstanden ist eine herrlich schmutzig abgemischte Produktion, die vom ersten Song an Lust auf Mehr macht. Die Spielarten des Rock `n` Roll sind dynamisch und nicht wirklich greifbar, aber die selbstbewusste Identität der Band als Ergebnis ihrer musikalischen Einflüsse und des jahrelangen Tourens ist in jedem der Songs hautnah zu erleben.
Für das Coverartwork wurde mit großem Teamspirit und detailverliebter Handarbeit ein traumhaftes, einzigartiges Szenario geschaffen und mit den vier im Vorfeld ausgekoppelten Singles lässige, thematisch passende Videoclips veröffentlicht.
Das Glück tropfte auch beim ersten Single-Teaser „Dead Inside“ bereits aus allen Poren Social Medias, denn das Trio verkündete, dass es sich so lebendig wie nie zuvor fühle und es „das Album sein könnte, auf das die Dirty-Sound-Magnet-Fans gewartet haben“. Und ließ mit ihrem bisher wohl härtesten Song einen gewaltigen, Sabbath-lastigen Banger auf die Fangemeinde los, der ausdrückt, welche Bands ihren eigenen Sound über die Jahre geprägt und geschärft haben. Es war ein Zufall, dass die Single kurz nach Ozzys Tod im vergangenen Juli veröffentlicht wurde, daher wurde sie ihm kurzerhand gewidmet.
Das schaurig-schöne Zombie-Blues-Video zur dritten Single „Power of this song“ ist ebenfalls so ein handgemachter Kracher, der passend zu Halloween veröffentlicht worden ist. Der Song selbst, der sich mit seinem stampfenden Sound irgendwo zwischen Zeppelin und den Doors bewegt, stellt laut Bandinfo textlich wie musikalisch eine Hommage an den Slide-Gitarren Bluesklassiker „Nobody‘ s fault but mine“ von Blind Willie Johnson aus dem Jahr 1927 dar. Die klangliche Reminiszenz ist hier sicher kein Zufall, auch Led Zeppelin haben Song und Künstler auf ihrem 1976er Album „Presence“ mit einer eigenen Version gehuldigt.
Ohnehin haben die Texte einen enormen Stellenwert im Werk der Schweizer, die sich kritisch mit dem aktuellen gesellschaftlichen Bild auseinandersetzen, oder von spirituellen Erleuchtungen erzählen und das im Leben erlebte mit poetischer Präzision verarbeiten. In den gefühlvollen, langsameren Passagen treten Stimme und Text besonders in den Vordergrund. Tragend und nachdenklich können Dirty Sound Magnet also auch, wie etwa im Song „Long Drive“, wo Stavros schmerzlich aus seinem Herzen heraus von Einsamkeit und dem Wegvonzuhausesein singt und die sanften Gitarrenklänge die Phantasie zum Hinfortreisen einladen.
Die acht Songs des Trios sind allesamt kraftvoll und abwechslungsreich und verbinden mühelos den Spirit und die wuchtige Kraft der 60er und 70er Ära des Rocks mit leichteren, modernen Elementen der Populärmusik. Dabei wird nicht an virtuosem Gitarrenspiel und Groove gespart. Das Werk bringt alles auf den Punkt, was Dirty Sound Magnet auch live ausmacht. Selbstverständlich sind Album-Release Termine annonciert und größere Tourneen für 2026 schon in Vorbereitung, also alles wie anfangs bereits festgestellt, versehen mit dem Prädikat „besonders leidenschaftlich“.
VÖ
30.01.2026
Label
Tonzonen Rec.
Tracks
1. Power Of This Song
2. Dance And Die
3. Swimming In Trance
4. Dead Inside
5. Calypso
6. The 9 Commandments Of Men
7. Long Drive
8. Me And My Shadow
https://dirtysoundmagnet.bandcamp.com
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