rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Okertones – Okertones

Blues/Americana/Folk aus Braunschweig

(ro) Wer sich auf „Okertones“ einlässt, sollte die großen Gesten gleich am Anfang hinter sich lassen. Dieses Album sucht nicht den Effekt, sondern den Moment – und findet etwas viel Wertvolleres: Nähe. Es erzählt leise, mit Wärme und jener unaufgeregten Selbstverständlichkeit, wie sie nur Musik besitzt, die über Jahre gewachsen ist. Blues, Americana und Folk sind hier keine Etiketten, sondern vertraute Begleiter. Man hört Musiker:innen, die wissen, woher sie kommen – und die genau daraus ihre Stärke ziehen.

Der Name ist Programm. Die Oker, dieser verträumte, oft unterschätzte Fluss, der sich durch die niedersächsische Stadt Braunschweig schlängelt, prägt Klang und Haltung der Band. Sie fließt durch Auen, vorbei an Wohngebieten und Industriebrachen, immer unspektakulär und gerade deshalb verlässlich. Genau so wirkt diese Musik: bodenständig, offen, ohne Hast.
Amerikanische Roots schimmern durch, doch sie werden nicht kopiert, sondern liebevoll übersetzt – in einen Sound, der kleine deutsche Orte und grüne Landschaften atmet und trotzdem Fernweh kennt. Weite Ebenen treffen auf Vertrautheit. Und genau darin liegt ihre emotionale Kraft.

Im Mittelpunkt der „Okertones“ steht Tom Bennecke, dessen musikalische Biografie untrennbar mit dieser Gegend verbunden ist. Mit Okerwasser getauft, am Ufer groß geworden, in den Auen musikalisch erwachsen – das ist keine Folklore, sondern ein gelebtes Gefühl.
Schon als Jugendlicher saß Bennecke mit der Gitarre am Lagerfeuer und sog den warmen Westcoast-Groove der 1970er Jahre auf. Besonders der schwebende Slide-Sound ließ ihn nicht mehr los. Die Dobro, diese wunderbar eigenwillige Resonatorgitarre, wurde schließlich zu seinem Instrument – und zum klanglichen Herzen der „Okertones“.

Dabei steht die Dobro nicht nur für diesen besonderen Sound, sondern für einen Stil und eine Haltung. Ihr unnachahmlicher Ton entsteht aus Metall, Resonanz und Reibung – alles ist dabei fühlbar. Bei Herrn Bennecke klingt sie warm, schimmernd, offen, beinahe tröstlich. Ein Seelenwärmer, in dem jeder Slide eine Erinnerung triggert und jedes Nachklingen wie ein kurzer Moment des Innehaltens wirkt.
In einer Zeit, in der vieles so schnell und austauschbar geworden ist, erinnert mich dieser Klang daran, dass Musik wirklich Heimat sein kann.

Dass Tom Bennecke auch andere musikalische Räume prägt, etwa als Gitarrist der famos kreativen Braunschweiger Jazz-Rap-Formation „Jazzkantine“, ist hier ebenso fein zu hören als auch zu spüren. Es geht um das Miteinander, um Vertrauen, um Zuhören, um Verbundenheit. Die „Okertones“ leben genau davon.
Die sieben festen Bandmitglieder, ergänzt durch handwerklich exzellente Gäste, erschaffen einen Sound, der durch das gesamte Album trägt. Mandoline, Ukulele, Gitarre, Kontrabass und Gesang greifen ineinander, lassen sich Raum, verbinden sich. Ohne Klicktrack, ohne Netz, immer authentisch – ein reiner Menschensound.

Die Songs erzählen vom Zuhausesein und vom Unterwegssein, von Freundschaft und Einsamkeit, vom Verlieren und Wiederfinden. Orte wie das kleine, idyllische Börßum stehen wie selbstverständlich neben Sehnsucht und Fernweh.
Ironisch gebrochene Cowboy-und Cowgirl-Referenzen bringen eine augenzwinkernde Leichtigkeit hinein, ohne der Tiefe etwas zu nehmen. Alles wirkt ehrlich, offen und nahbar. Diese Musik kommt aus dem Bauch – und findet ihren Weg direkt ins Herz.

Ohja, „Okertones“ ist eine leise Liebeserklärung – an die Musik, an einen Ort, an das, was bleibt. Handgemacht, warm, voller Zwischentöne.
Dieses Album klingt nach Heimat, ohne stehenzubleiben, und nach Fernweh, ohne sich zu verlieren. Es begleitet, statt zu drängen, und legt sich wie ein vertrauter Weg am Fluss in den Alltag. Musik, die nicht laut sagt, wer wir sind, sondern still daran erinnert. 💛
….(..Rosie..)..

Songliste:
01. Börßum (feat. Andy Bermig)
02. Going Back In Time (feat. Markus Schultze)
03. Bring ihn nach Hause (feat. Cappuccino)
04. Too Much (feat. Catrin Groth)
05. Locked (feat. Britta Dekka)
06. Better Man (feat. Maike Jacobs)
07. Hillbilly Trash
08. House Of Eternal Change (feat. Beate Zacher)
09. A Bunch Of (feat. Carsten Fritz)

Band:
Markus Schultze (Gesang, Perkussion), Catrin Groth (Gesang, Saxofon, Flöte), Maike Jacobs (Gesang, Rahmentrommel), Britta Dekker (Gesang), Cappuccino (Gesang), Beate Zacher (Gesang, Gitarre), Carsten Fritz (Gesang, E-Bass), Peter Jung (Mandoline, Ukulele, Hintergrundgesang), Andy Bermig (Gesang, Gitarre), Tom Bennecke (Dobro, Hintergrundgesang), André Neygenfind (Kontrabass) und Nora Breitmoser-Widdecke (Geige).

Bandfoto: Marc Stantien
www.bangupbullet.com
​www.okertones.de

Filed under: Album Reviews, Americana, Blues, Folk, , , , , , , , , , ,

Archiv

international – choose your language

Gavial - Broken von ihrem neuen Album "Thanks, I Hate It", das am 23.01.26 erscheint

Januar 2026
M D M D F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten. Informationen zum Umgang mit Deinen Daten findest Du in der Datenschutzerklärung.

Diese Artikel werden gerade gelesen:

Megadeth - Megadeth
Festivals, Konzerte, Tourneen + Veranstaltungen
AEON TEMPLE – Resurfaced
Iggy Pop – Montreux Jazz Festival 2023