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Dudley Taft – The Speed Of Life

Seattle-Blues aus Cincinnati/ Ohio

(ro) Seattle-Blues war schon immer Musik für Menschen, die weiterfahren, wenn andere anhalten – „The Speed of Life“ ist genau diese Bewegung in zwölf Songs. Dudley Taft, geboren 1966 in Washington, schreibt kein Album über Stillstand, sondern über Momentum: über Regen auf dem Asphalt, über Strom auf der Gitarre und über ein Leben, das sich nur im Vorwärtsgang wirklich begreifen lässt.

Zwischen schwerem Blues, grungiger Rauheit und klassischem amerikanischem Rock entfaltet sich ein Sound, der zugleich geerdet und aufgerissen wirkt, tief verwurzelt im Nordwesten der USA und doch offen wie ein endloser Highway. Diese Musik kennt die Last der Vergangenheit, aber sie trägt sie nicht – sie nimmt sie mit, Kilometer für Kilometer, hinein in die Gegenwart.

Dudley Taft selbst ist Teil dieser Bewegung. Geboren in Washington D.C., aufgewachsen im amerikanischen Mittleren Westen, musikalisch sozialisiert zwischen Garagen, Clubs und Tourbussen, hat er früh gelernt, dass Herkunft kein Ort ist, sondern ein Klang.
Seine ersten Schritte machte er bereits in der Highschool mit „Space Antelope“ – gemeinsam mit Trey Anastasio, der später mit „Phish“ Geschichte schreiben sollte. Es folgten Jahre in der Seattler Szene mit „Sweet Water“, jenem brodelnden Biotop aus Grunge, Alternative und Blues, das in den 1990ern den Sound einer ganzen Generation prägte.
„The Speed of Life“ trägt diese Geschichte in sich, ohne sie auszustellen.

Der Begriff Seattle-Blues beschreibt dabei weniger ein festes Genre als eine Haltung. Es ist Blues, der seine Schwermut kennt, aber sich nicht darin einrichtet; Rock, der Druck erzeugt, ohne platt zu werden; Grunge, der seine Narben zeigt, ohne sich selbst zu mythologisieren.
Dudley Taft verbindet all das zu einem Sound, der rau bleibt und doch offen, erdig und elektrisch zugleich. Die Gitarre steht im Zentrum, nicht als Selbstzweck, sondern als erzählendes Instrument – mal knurrend, mal singend, immer in Bewegung.

Foto by Robert Wilk

Der Auftakt „Wanted Man“ eröffnet das Album mit einem unterschwelligen Funk-Groove, der sofort klar macht, dass Stillstand hier keine Option ist. Die Zeile „I`ve got eyes in the back of my head“, scheint hier ein Satz wie ein Lebensmotto für jemanden zu sein, der gelernt hat, nach vorn zu gehen, ohne zu vergessen, was hinter ihm liegt.
Song Nummer zwei, nämlich „Miles and Miles to Go“ wird zu einer hymnischen Road-Reflection, gespeist aus Rock’n’Roll-Nostalgie und dem Wissen, dass Musik oft der letzte verlässliche Begleiter ist, wenn die Straße länger und vielleicht auch rauer wird als geplant.
Anschließend, bei „Work It Out“, wird tüchtig die Lautstärke angezogen und damit gezeigt, wie souverän Taft zwischen Alltagsfrust, Selbstironie und druckvollem Rock vermitteln kann.

Doch „The Speed of Life“ lebt nicht allein von Energie. Gerade in den ruhigeren Momenten entfaltet das Album für mich seine nachhaltigste Wirkung. Stücke wie „Into The Blue“ oder „The Traveler“ öffnen Räume, lassen Luft zwischen den Noten, geben dem Blues Zeit zu atmen. Hier wird deutlich, dass Taft kein Musiker ist, der Songs um Soli herum baut – sondern Soli in Songs einbettet, die tragen, erzählen und bleiben. Dass sein Gesang nicht immer die gleiche Wucht besitzt wie sein Gitarrenspiel, wird dabei nicht kaschiert, sondern ist ganz selbstverständlich Teil der Ehrlichkeit dieses Albums.

Unterstützt wird Herr Taft von einer Band, die perfekt passt: Nick Owsianka am Schlagzeug, Dave Marks an Bass, Keys und Percussion, Bennett Holland an den Keyboards sowie Ashley Charmae und Gina McCann an den Backing Vocals. Gemeinsam erzeugen sie einen Sound, der ganz wunderbar oldschool groovt, sich grungig aufraut und immer wieder funkige oder soulige Akzente setzt – ja, das ist amerikanisch im besten Sinne, ohne Pathos und ohne Pose.
Auch visuell bleibt Taft dieser Linie treu. Das Cover zeigt ihn vor einem herrlichen, amerikanischen Classic Car, auf der Rückseite sitzt er lässig auf einer schweren Harley. Das sind hier jedoch keine Klischees, sondern vertraute Symbole einer Biografie, die sich auf Bühnen, Highways und in Studios eingeschrieben hat.

Aufgenommen wurde das Album in Prag, während einer Europatour, sowie im Muchmore Studio in Cincinnati, das Taft 2013 von niemand Geringerem als Peter Frampton übernommen hat. Und auch das passt: Denn „The Speed of Life“ ist kein statisches Dokument, sondern eine Momentaufnahme aus der Bewegung heraus – aufgenommen zwischen Orten, Zeiten und Einflüssen.

Am Ende ist dieses Album genau das, was sein Titel verspricht. Es geht hier um Tempo, aber nicht im Sinne von Hast, sondern als Ausdruck von Leben. „The Speed of Life“ ist Seattle-Blues für die offene Straße: rau, ehrlich, erfahren.
Musik für Menschen, die wissen, dass Ankommen kein Zustand ist – sondern ein fortlaufender Prozess.
..(Rosie..)..

Songliste:
1. Wanted Man
2. Miles And Miles To Go
3. Work It Out
4. Burn It Down
5. Set Me On Fire
6. Pretty Little Thing (CD only)
7. Topaz Blue
8. Same Mistakes (CD only)
9. No Yesterday
10. The Traveler
11. Into The Blue
12. No Time Left (Long Live The King)

Band:
Dudley Taft (Vocals, Guitars)
Nick Owsianka (Drums)
Dave Marks (Bass, Percussion, Keyboards)
Bennett Holland (Keyboards)
Ashley Charmae (Backing Vocals)
Gina McCann (Backing Vocals)
All Songs written by Dudley Taft

www.dudleytaft.com
www.m2-music.com

Filed under: Album Reviews, Blues, Bluesrock, Classic Rock, Grunge, , , , , , , , ,

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