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Metalheadz Open Air in Oberndorf / Lech vom 14.5. – 16.5.2026

[hjs] Normalerweise geht es in Festivalbeiträgen viel um Bands und deren Setlisten. Natürlich sind das Faktoren, die sehr zum Erfolg oder Misserfolg beitragen können. Ich betrachte Festivals gerne indem ich mir die Konstanten und Variablen anschaue. Klingt mathematisch, ist es aber nicht.

Die Konstanten auf dem Metalheadz Open Air (weiterhin MOA) sind genau die, die das Festival Liebens- und lobenswert machen. Fangen wir. Mit der Verpflegung an. Es gibt Bier aus der Unterbaarer Brauerei und zwar Hell, Dunkel und Alkoholfrei im 0.5l Becher für 3,50€. Kulinarisch wir vom Weißwurstfrühstück zur Steak Semmel und weiter zu den Spätzle alles handgemacht und für einen fairen Preis angeboten. Bezahlt wir mit Bons, die man erwerben kann. Die große Schar der Helfer und Helferinnen macht es möglich. Was reingeht muss auch wieder raus. Hierzu benutzt man die Spülklos, die fast stündlich gereinigt werden. Das Gelände ist übersichtlich, die Weg kurz Es wir optimal genutzt, aber man steht nicht gequetscht. Kommen wir zu einem weiteren Wohlfühlfaktor: die Security. Immer freundlich, aber bestimmt und deeskalierend. Dieses Jahr bestand kein Grund für einen Eingriff. Ich sprach mit sehr entspannten Sanitätern, die diese Schicht nicht als Belastung empfunden haben.

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Die Variablen dagegen sind Wetter und Billing. Wir hatten am Wochenende nicht das beste Wetter. Es war nass und kalt. Dagegen hilft die richtige Kleidung, na klar. Alles war hervorragend hergerichtet. Im Infield gab es Gitterplatten, so konnte man trockenen Fußes überall hinkommen. Das Gelände nimmt sehr gut die Nässe auf, es gab so gut wie keine Matschzonen. Das Billing war dieses Jahr vielleicht nicht so breit aufgestellt, mir fehlte etwas die Evil-Komponente. So war der klassische Heavy Metal Anteil, sogar gewürzt mit einer Prise AOR, dieses Jahr sehr prominent aufgestellt. Betrachtetet man aber die Reaktionen der Leute und vor allem auch die Präsenz vor der Bühne hat der Booker ganze Arbeit geleistet. Auch während des Regens war das Infield gut besucht und die Stimmung immer gut.

Nominell geht das Festival erst am Freitag los, aber die Warm-Up Party ist legendär und ja, schon obligatorisch. Somit war für mich der 14.5. der erste Tag. Im Zelt wird aufgelegt und gefeiert. Später dann begleiten duzende Kehlen die dargebotenen Heroen akustisch – bis zur Heiserkeit.

Den Startschuss am Freitag machen Claw aus Kulmbach. Claw machen Violant Metal und geben auch sofort Gas. Einen Vokalisten in vorderer Front sucht man vergebens. Diese Rolle übernimmt der Kollege an den Kesseln, namentlich aufgeführt als Blasphemic Böarstard. Sie hauen uns eine Mischung aus Songs von der 2022 erschienenen EP „Feel The Claw“ und neue Stücke um die Ohren. Das Titelstück „Feel The Claw“ wird den Label Witches Brew gewidmet.

Paxtilence aus Nürnberg sind auch eher auf der härteren Schiene unterwegs. Sie spielen lupenreinen Old School Thrash Metal und haben irgendwann den Sprung aus dem Moshpit auf die Bühne gewagt. Das war ein guter Schritt und sie machen schon Spaß. Songtechnisch können sie aus zwei Alben wählen, daher haben sie auch ein volles Programm und keine Zeit für lange Ansagen.

Nachdem es mit den beiden ersten Bands was auf die Mütze gab, sind nun Strategy an der Reihe. Sie kann man im Hard Rock / AOR verorten. Gegründet von Lennart „Lenny“ Hammerer und Jakob Struve haben sie sich der seichteren Spielart verschrieben. Sie haben neben einer Mini EP auch einen Longplayer „Love Tactics“ am Start, den sie fast in Gänze darboten.

Bei Majak wird es ein bisschen düsterer und okkulter. Die Jungs aus Neumünster verstehen es ausgezeichnet verschiedene Stilrichtungen zu einem komplettem Sound zu vermengen. Das Infield ist sehr gut gefüllt, die Sonne scheint. Ein großer Spaß und ein echtes Highlight.

Diese Stimmung nehmen Firmament sehr gerne auf. Die Jungs aus Leipzig sind eine tolle Liveband. Twin Leads, tolle Grooves und coole Hooklines machen Spaß. Im Hard Rock mit NWOBHM Einflüssen gehören sie zweifelsohne zu meinen Favoriten.

Nun folgte eine Rarität. Delirium Tremens haben sich rar gemacht. Der Auftritt auf dem Storm Crusher Festival 2017 sollte eigentlich der letzte sein. Damals fischte ich sogar noch ein Beer Patrol T-Shirt ab. Diese wurden von der Band verteilt. Die Auftritte in den letzten Jahren waren an einer Hand abzuzählen. Die Jungs wollen nichts neues machen, haben aber ab und zu Spaß, live zu performen. Und der Spaß war ihnen ins Gesicht getackert. Das Wetter spielte noch mit. Die Sonne spielgelte sich im hochpolierten Helm, der von Frontmann Mütze zu „War Machine“ getragen wurde. Die ersten Moshpits wurde vor der Bühne gesichtet.

Der Headliner des Tages Riot V musste sich im Vorfeld mit Besetzungswechseln beschäftigen. Drummer Frank Gilchriest disqualifizierte sich durch politische Äußerungen und Sänger Todd Michael Hall musste aus persönlichen Gründen aussteigen.
Mit Valentino Francavilla am Micro und Jesse Tudda an den Kesseln wurde schnell Ersatz gefunden. Klar, es mussten ein paar Abstriche gemacht werden, aber angesichts der Tatsache, dass die Band erst eine Handvoll Shows gespielt hatte, war es in Ordnung. Basser Don Van Stavern bedankte sich für Jahrzehnte lange Fantreue und pries immer wieder seinen Jungbrunnen in der Flasche, namens Tequilla, an. Die Show war sehr auf das Album „Thundersteel“ bezogen und leider gab es von meinem Lieblingsalbum „Fire Down Under“ nur wieder „Swords And Tequilla“. Auf „Altar Of The Kings“ werde ich wohl noch länger warten müssen. Sei es drum, die Zuschauer feierten die Band und so soll es sein.

Am Samstag ging es wie jedes Jahr mit einem zünftigen Weißwurst Frühstück los. Auch ein kleiner Flohmarkt fand wieder statt. Hier herrschte geschäftiges Treiben, so mach Schätzchen wechselte den Besitzer. Musikalisch begleitet wurde das Ganze von Lazy Daisy. Der Anton von den Bavarian Metalheadz hatte sie verpflichtet. Allerdings war die Voraussetzung, dass sie „Isobel Goudie“ von der Sensationel Alex Harvey Band am Start hatten. Hatten sie!

Mit Motörcult aus Memmingen ging es weiter. Sie waren schonmal beim MOA und zwar 2016 auf dem alten Gelände. laut eigener Aussage sind sie seitdem nicht bekannter geworden, stören sich aber nicht daran. Zu kompliziert sind die Stücke nicht. Es sind schöne, rotzige Wachmacher. Eine gelungene Speed Metal / Punk Mixtur.

Pünktlich zum Set von Elle Tea / Raways öffneten sich die Wolken und ließen den Regen hernieder. Trotz alledem gab es unerschütterliche Fans in der ersten Reihe, die diese Band um Leonardo Trevisan richtig abfeierten. Da es sich ja quasi um ein Doppelkonzert handelte, wurde die ganze Bandbreite vom Hard Rock bis Melodic Power Metal abgedeckt.

Nun war es Zeit für die Ozzy Tribute Band. Es wurde eine veritable Setlist zusammengestellt, die sich durch das gesamte Schaffenswerk des Prince Of Darkness wühlte. Teilweise ungeprobt aber mit viel Herzblut brachte die All Star Band die Songs auf die Bühne. Die lange Spielzeit von zweieinhalb Stunden schien eingangs sehr lang, aber ich habe sie auch dankbar angenommen und mich der Kulinarik zugewandt.

Vigilhunter hatten ihre Deutschland Premiere beim MOA. Sänger Alex Panza, auch bekannt als Sänger von Hitten, ist schon eine kleine Rampensau. Er weiß sich auf der Bühne zu präsentieren. Vigilhunter sind eigentlich zu viert, als Live Gitarrist ist Dani, ebenfalls von Hitten am Start. Wenn man möchte, kann man Anleihen von Queensryche, Fates Warning oder Savatage erkennen.

Nun wird es doomig. Angel Of Damnation grooven gebremst aber gradlinig durch ihren Set. Die Musiker haben alle schon richtig was auf dem musikalischen Kerbholz was sich durchaus auf die Performance durchschlug. So wurde gekonnt das Tempo nach Vigilhunter reduziert. Die brachte (wahrscheinlich) den Wettergott dazu, die Temperaturen in Richtung einstellig zu schieben.

Jetzt ging es weiter mit Carl Orff. Watt? Gemeint ist das Intro aus „Carmina Burana“ welches den Auftritt von Gravestone ankündigte. Ich selber kannte die Band nicht und war deshalb gespannt. Die letzte Scheibe „Creating A Monster“ datiert von 1986. Schon witzig wie die Herren damals aussahen. Auf der Bühne präsentierten sie sich eingespielt und lieferten ab. Ein durchaus berechtigter Slot in der Running Order.

Der Headliner Year Of The Goat zeigte sich in voller manpower, will sagen sieben Leute. Die Anreise traten sie getrennt an, zwei im Flieger, fünf im Auto, aber alles klappte reibungslos. Das ist schon eine Macht auf der Bühne. Sie starteten mit zwei Songs vom aktuellen Album „Trivia Goddess“, „The Power Of Eve“ und dem Titelsong. Dieses Album nahm auch den größten Teil der Setlist ein. Kleines Schmankerl am Rande, bei „Spirits Of Fire“ durfte Marco Herrmann von Firmament ran. Die beiden Bands waren vorher zusammen auf Tour, haben sich beim MOA wieder getroffen und das entsprechend gefeiert. Mit diesem Mix aus mehrstimmigen Gesang und breit aufgestellter Gitarrenfront, mystisch eingehüllt von einer entsprechenden Light Show endet ein wieder mal tolles Metalheadz Open Air mit dem obligatorischen Feuerwerk. Der Spendenerlös von 2150€ wurde vom Verein auf 2750€ aufgerundet und kommt dem neu geplanten Jugendtreff Egelstetten und Oberndorf zugute.

Nächstes Jahr, zum 15-jährigem Jubiläum, gibt es das Festival eine Woche früher, nämlich am 7.5. und 8.5.2027. Aber nicht die Warm-Up Show am 6.5. vergessen!

Vielen Dank an Manuel für die Akkreditierung. Ich freue mich auf ein tolles Festival in 2027. [hans-juergen]

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