(vo) 38 Bands, drei Tage, drei Bühnen: Columbiatheater, Columbiahalle und die Outdoorstage. Zwischendurch Beschallung mit guter Musik im Outdoorbereich durch sieben Djs. Ein dreistündiger Karaoke Freitagabend, auch im Outdoorbereich. Und ca. 3000 Fans aus Asien, Europa und Übersee zog es vom 14.05. – 16.05. in den Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg um den Göttern der Stromgitarren, den Tastenmagiern, den Fellverdreschern, den Saxophonisten (ja, die gabs auch), den Stimmbandakrobaten, den dicke Saiten Zauberkünstlern, den Beerdrinkern and Hellraisern zu lauschen und in diverse Groovehöllen abzutauchen. Jubel, Trubel, Heiterkeit und viel Spaß über knapp 30 Stunden war die Devise dieses Happenings der Szene….
Meine Anfahrt aus Wuppertal zu meinem Hotel in der Oranienburger Strasse (von dort brauchte ich nur mit der Tür aus dem Haus zu fallen und schon war ich im Berliner Untergrund um mit der U 6 bis zum Platz der Luftbrücke zu gelangen und von dort noch ein paar Minuten die Beine vertreten um dem Veranstaltungsort nahe zu kommen) verlief dank DB AG und BVG präzise und um kurz vor 16 Uhr stand ich im Columbiatheater um die erste Band zu erleben: das Cottbuser Quartett V`ger Galaxis, das für die leider Krankheitsbedingt verhinderten Earthbong einsprang und mächtig nervös war: „wir haben noch nie vor so vielen Leuten gespielt“ hörten wir! Aber sie überwanden ihre Angespanntheit in kurzer Zeit, trotz der vielen Leute. Und da Gesang bei ihnen nur stört instrumentalisieren sie ihre Songs eben: aus den tiefsten Quellen der Stonergebirge geschöpfter Sound und dafür gibt es 12 Points from Wuppertal.
Ein Zwischeneinwurf: ich kann natürlich nicht jede Band des Festes würdigen. Das ist alleine natürlich völlig unmöglich und auch Kräftemäßig und körperlich und über fast 30 Stunden nicht machbar und mit 70 Jahresringen auf der Stirn eh nicht!
Auf dem Weg zur Columbiahalle noch kurz nach BLKE geschaut die ihren Underground Sound auch vortrefflich an der Erdoberfläche spielen können.
Ryan, der Vorturner, Sänger und Entertainer seiner High Desert Queen krempelte zusammen mit dieser seiner vorzüglichen Band nach BLKE die Columbiahalle um: Es herrschte Volksfest und Ryan mittendrin.
Danach kamen erstmal einige Freunde und alte und neue Bekannte nicht zu kurz: Wiedersehensfreude, herzliche Umärmelungen und Konversation. Auf zu Earthless: sie sind eines der Powertrios schlechthin und wenn Isaiah, Mario und Mike mit dem Jahrhundertinstrumental „Uluru Rock“ Australien nach Berlin beamen bleibt kein Luftgitarrero untätig: was für ein Brett, immer und überall.
Abanamat: Einige Herren aus diversen Ländern zelebrierten zauberhafte Psychedelic und berauschten sich und uns. Zwischendrin gab es mal Kohlegeheizte Thüringer Bratfeinkost mit Senf und Pommes Schranke und Bier, immer wieder Bier: Biergetränkte Gespräche und deshalb ging es erst später vom Reinheitsgebotenen zu den drei Frauen von Blackwater Holylight: ihre Musik packte mich aber leider nicht so.
The Sword: Heavy Metal im Stonergewand, in Doom getränkte und bratende Riffs, fast volle Hütte, auch der Hufeisenbalkon in der Halle voller Enthusiasten: „Maiden und Mother And Crone“ für mich die Schmuckstücke.
Steak verpasst – grrrr, aber und zum Abschluß von Tag 1 war ich wieder ganz Ohr: Hermano, die fünf amerikanischen Brüder, feuerten ihr 17-teiliges Set plus einer Zugabe in die noch vollere Hütte als bei The Sword: Senor John Garcia war sehr gut bei Stimme, der Groove gewaltig und die beiden Gitarren feuerten. Ich wollte noch mit einem Kumpel zählen wie oft das Wort „Motherf….. von Gitarrero Dave Angstrom in die Menge skandiert wurde: bei jenseits der 12 hörten wir auf zu zählen…..

Auf der Heimfahrt zum Hotel war noch einiges los in der U 6, aber alles friedlich! Friedlich schlief ich dann dem zweiten Tag in der Desertzone entgegen….
Nach einem Rundgang durch Berlin Mitte mit einem ausgefallenen Mittagsmahl (siehe Bild) macht ich mich wieder mit der U 6 auf den Weg von Mitte nach Tempelhof-Schöneberg. 
Tag 2 begann mit Dope, und das nicht zu knapp! Dope Purple, fünf wieselflinke, abgedrehte Taiwanesen zelebrierten kernigen HardRock mit psychedelischen Einschüben, einem Saxophon das in die Kompositionen reinknallte wie weiland bei Hawkwind und Gitarrist K.P.Liu wieselte wie ein Derwisch über die Bühne mit einem exklusiven Ausritt ins Publikum: mindestens 12 Points from Germany waren sowas von verdient. Die Fomies danach einige Songs lang gestreift (ich hatte sie Ende letzten Jahres in unserem Vortex/Siegen schon erlebt) und präzise wie ein Uhrwerk aus ihrer Heimat Schweiz ging die Post ab: Es ging rund mit ihrem Garage-Rock im eckigen Theater!
Dann wieder draußen im Licht lockte eines der Thüringer Nationalgerichte und viele Bekannte luden zum Plausch, aber um 18:30 rotierte ich mit bestimmt wenn nicht noch mehr Rotortrunkenen in die Halle um den für mich konkurrenzlosen Groove Weltmeistern zu huldigen: Rotor ist Rotor ist Rotor! Und wenn diese Grooveschamanen auch noch mit Volllast beginnen ist dir klar das zum Ende des Sets hin dir alles Mögliche im Körper wehtut. Aber mit diesem körperlich warmen Schmerz bist du nicht alleine: was für ein Nackengemetzel! DANKE Jungs!
Und die nächsten Muskelmalträtierer warteten schon im Theater: Håndgemeng aus Norwegen luden zum nächsten Ganzkörpertraining. Fünf speckig glänzende Gestalten aus dem Reich der abgewetzten Lederbekleidungsindustrie röhrten, berserkerten und krakeelten ihren Haudrauf- und Hau weg die Scheiße Rock von der von allen guten Geistern verlassenen Bühne in das völlig entfesselte Publikum: was für eine Anzugbefreite Party! Nicht nur ich war fertig.
Gut das danach sanftere Psychedelic der drei King Buffalo’s angesagt war: u.a. „Eye Of The Storm“, „Balrog“ und „Loam“ beruhigten ungemein, die Seele flog durch den Raum und allerorten geschlossene Sehfenster gepaart mit seligem Lächeln im Publikum.
Mother´s Cake mit Wall Of Death: die vier Austrianer gaben uns mal wieder den Glauben daran zurück das auch schräge/scharfkantige/mitunter sperrige Musik live großartig rüberkommt. Red Fang sorgten zum Abschluß von Tag 2 mit ihrem sehr Stonerlastigen Set (gut so) sogar für einige Moshpits wie z.B. bei „Sharks“.
Mit vielen neuen, fast überfüllten Eindrücken des Tages und der angebrochenen Nacht schleppte ich mich mit Volllast Nacken und platten Füßen durch das Nachtschattige Berlin zur U 6 Station Platz der Luftbrücke und von da zum Oranienburger Tor. In der Bahn traf ich Martin, Rotor Gitarrist, der auch auf diesem Weg nach Hause fuhr. Wir unterhielten uns angeregt über Volllast, Costa Verde und anderes. Mit „I´m The President“ von Mother´s Cake in den Ohren sank ich später zufrieden in die Matratze des Arcotels….
Tag 3: Die Füße sind schon ziemlich durch, der Nacken knackt bedenklich, die Knie schlottern, aber egal, es ist Desertfest, da wird nicht gejammert und wenn dann auf hohem Niveau. Ich begann den finalen Desertfesttag mit DJ Jan Schwarzkamp, der eine sehr gute Auswahl an Klassikern auf die Teller legte und auch manch gute Tanzeinlage wobei ich gegenüber von diesem Geschehen einen sehr leckeren Kaffee inhalierte und mich auf die Electric Jugs freute, die nach Jan´s Desert oder auch Dessert Disco uns von der Außenbühne beschallten und das war hochprozentig gut. Im letzten Jahr sah ich die Band noch als Duo bei der SOL Party in Wiesbaden, heute hatten sie dreifachen Nachwuchs bekommen und standen nun zu fünft im Licht der wärmenden Nachmittagssonne: „Rockin` In The Free World“, die Neil Young Hymne, kam dabei besonders gut an.
Causa Sui: vor Urzeiten zum letzten Mal live erlebt und damals und heute begeistert gefeiert: Boozehound, Mireille, Homage und Soledad sind nur einige der Sahneschnitten aus ihrem großen Fundus, herrlichster Stoff!
„Sweet Is The Sound“ hieß anschließend das Motto bei Arvid, dem fröhlichsten Hans, Sebastian und Tommi: Greenleaf sind live immer ein Garant für gute Laune im Saal.
Temple Fang: werden sie immer besser und intensiver als intensiv? Jawohl, das werden sie und was mich an ihnen so fasziniert ist ihre Inbrunst, ihr magischer Sound. Sie werden im pickepackevollen Theater auf Händen getragen und wenn ich „The River“, diesen göttlichsten aller göttlichsten Stoffe von ihnen vernehme sind die müden Knochen und Muskeln thematisch nicht mehr vorhanden: ich verneige mich mal wieder vor ihnen!

Pelican: die ersten Songs verpasse ich wegen „hier ein kurzes Gespräch, da eine Thüringer Bratwurst, hier ein Wiedersehen, da noch ein Bier“ aber für „Ephemeral, The Creeper und Wandering Mind“ bin ich in ihren Postmetallischen Sound integriert: ab 20:25 Uhr und der Nacken hält! Nebula müssen dran glauben da ich noch einen Kaffee brauche und da sich vor dem Kaffeestand eine Desertfest Wartegemeinschaft befand und sehr heißer Kaffee erstmal abkühlen muß war ich aber bei Crippled Black Phoenix sowas von im Koffeinrausch: mit einem ihrer Marker, „444“ vom „The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature“ Album war ich auf Betriebstemperatur und blieb dort natürlich bis zu „Rise Up And Fight“, einem Liveknaller ihrer reichhaltigen Discographie.
Zum Schluß noch eine Ehrerbietung ihrerseits an ihre Tourcrew und an Temple Fang zum heutigen Abschluß ihrer gemeinsamen Tournee: eine wunderbare Geste!
Zerre zerrten anschließend alle im wieder proppevollen Theater in ihren Bann und boten Thrash als besten Kampf gegen die allgemeine Müdigkeit und hauten einen Lukas nach dem anderen: was für ein Massaker!
Auf zum letzten Gefecht mit Russian Circles: die Chicagoer Post Rock Berserker ballerten und ballerten und ballerten neun schwere und schwerste Geschosse aus ihrem Repertoire in die volle Hütte, äh Halle: Sie sind für mich einfach in ihrem Metier und in ihrer Kunst die Lagerfelds, ohne Wenn und Aber. U.a. mit „Station, Harper Lewis, Geneva, Gnosis“. Mike Sullivan – Gitarre, und manchmal grinsend! und Bier trinkend! Brian Cook – der Bassmann mit dem Gumminacken und einer der für mich fabelhaftesten Schlagzeuger dieser Hemisphäre: Dave Turncrantz: die Drei sorgten für die ultimative Abschlußorgie, was für ein Fest.
Ich bedanke mich bei allen die dabei waren, bei allen Freunden, den vier Rock Freaks, neuen (danke Roxanne und Tina für die oftmalige Begleitung in die Halle und ins Theater) und alten Bekannten, bei Sound und Licht, bei Essen und Trinken, bei der immer freundlichen Security, den schreibenden (Frank und Jan) Kollegen und natürlich bei den Mitstreitern von Sound Of Liberation und Greyzone Concerts für die Akkreditierung. Und bei Falk-Hagen für die Photos, die Handyphotos sind von mir….(volker)
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