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Ironfest Open Air am Ohmbachsee vom 29.5. -31.5.2026

[hjs] Jetzt ist die Zeit, in der sich die Festivals im Wochenturnus abwechseln. Gerade war ich auf dem Metalheadz Open Air (den Bericht findet ihr hier:https://rockblogbluesspot.com/2026/05/23/metalheadz-open-air-in-oberndorf-lech-vom-14-5-16-5-2026/), da ist auch schon das Ironfest Open Air Geschichte. Beide Festivals gehören zu meinen persönlichen TOP3 Festivals und es ist immer eine große Freude dabeizusein. Diesmal gab es einige Neuerungen, die das Festival auf das nächste Level bringen.

Was ich total klasse finde, ist das Bezahlen per Chip oder Karte. Das funktioniert auf dem ganzen Gelände. Sei es Bratwurst oder Merch, das ist egal. Auf dem Campingplatz gab es einen Bierautomaten, der jetzt nicht unbedingt boomte, aber doch 50 Liter kühles Gebräu in die Kehlen schwemmte. Lecker – das bescheinigten meine Camp Nachbarn. Neu waren auch die Signing Sessions, sowie zwei Trinkwasserwasserstellen, ein selbst bewirtschafteter Biergarten und ein Shuttle Service für Fans mit eingeschränkter Mobilität zwischen Camp und Festival. Spülklos und Duschen sind Standard. Auf dem Camping waren ausreichend Dixies vorhanden, die auch sehr gepflegt waren.

Campground

Das Infield selber liegt am schönen Ohmbachsee. Der große Vorteil an diesem Wochenende waren die große Anzahl an Bäumen und der damit verbundene Schatten. Unter den Bäumen waren reichlich Bierzeltgarnituren aufgebaut, so dass man sich auch dort bequem niederlassen und sein Getränk oder sein Essen in Ruhe zu sich nehmen.

Die Toilettenversorgung, wie oben schon erwähnt, war ausreichend und immer sauber. Es gab eine Trinkwasserzapfstelle an der man sich auch bedienen konnte. Der Biergarten und der Backstage Bereich waren etwas ausgelagert. Das machte aber im Prinzip nichts aus. Die Entfernungen waren auf jeden Fall locker zu schaffen.

Infield
Schattenplätze mit Blick auf die Bühne

Hinter dem Festival steht jetzt der Verein IFF e.V. Das macht auch Sinn. So kann man einige Kostenfaktoren durch Ehrenamt abdecken. Hier muss man sagen, man hatte sowieso das Gefühl, hier helfen alle mit. „Es sind wieder einige mehr, die dem Traum nachjagen“, so die Worte von Organisator Niko Bremm. In Ziffern sind das ca. 200 Helfer. Eine Zeitlang stand das Festival auf des Messers Schneide. Nach dem besten Vorverkauf ever folgte Anfang März der totale Einbruch. Die Leute sind scheinbar ob der Weltlage beunruhigt und warten erstmal ab. Letztendlich waren es doch um die 1100 Tickets, die an den Mann, an die Frau gebracht wurden. Absolut ca. 150 weniger als 2025. Leute, da geht nächstes Jahr was! Schreibt euch schon mal den 20.5. – 22.5.2027 in den Kalender.

Das Billing ist sehr ausgewogen und hat auf jeden Fall seine Höhepunkte, hier sei nur Atlantean Kodex, Benediction oder Flotsam & Jetsam genannt. Neu entdeckt habe ich auf jeden Fall Steelpreacher, die wohl eines der besten Konzerte ihrer Laufbahn spielten. So hörte ich aus Insiderkreisen.

Tag 1
Den Opener machten am Donnerstag die Endtime Prophets. Die hatten beim ersten Ironfest 2019 schon einmal die Bühnenbretter betreten. Damals noch in Freizeitkleidung, diesmal im adäquaten Look um wie sie sagen, „mit den Zuschauern das Ende der Welt einzuläuten“. Von daher kann sich Basser Konstantin glücklich schätzen mitzumachen, ist er noch nicht so lange dabei. Ihre Musik bezeichnen sie als Dark Metal. Stilistisch merkt man, dass die verschiedenen Bandmitglieder doch unterschiedliche musikalische Vorlieben haben. Auch der gute alte Klick mit den dazugehörigen Samples durfte nicht fehlen. Ein großzügiger Fan kredenzte aus einem Horn ein wahrscheinlich köstliches, alkoholisches Getränk. So konnte die Band zwischendurch auftanken. Das Infield war gefüllt, die Stimmung gut.


Anschliessend machten sich Trance auf, die Massen mit ihrem Hardrock-orientierten Heavy Metal zu beschallen. Sänger Alex Stahl war scheinbar etwas angeschlagen. Die ganze Performance kam etwas gebremst, allerdings wurde das Set souverän vorgetragen. Songs wie „Heavy Metal Queen“ und „Rockstar“ graben sich im Ohr fest. Mit „We Are The Revolution“ gab es auch den ersten Sing-Along des noch jungen Tages.


Steelpreacher singen über (Wish You Were) Bier . Halt – nicht nur, auch über die zweitschönste Sache der Welt (Bitchcraft). Auf jeden Fall sind sie angetreten um abzuräumen. Das taten sie fürwahr. Hatte ich sie vor Jahren noch am Rande wahrgenommen, spielten sie sich direkt in meine Ohren. Das groovte wie die Hölle. Spielfreude pur, nur der Durst vom Preacher war nur noch größer. Der Dosenvorrat ging doch arg schnell zur Neige. Damit sich dieses Dilemma für die Frontrow vermeiden ließ, tachte DJ Benne als Bierfee auf und versorgte bei „Start Raising Hell“ die trockenen Kehlen. zur Belohnung durfte er anschließend bei „I’m Fucking Metal“ die Vocals ins Mikro donnern. Zwei Zugaben machten den Kohl dann fett, wobei „Metal Health“ als letztes Stück noch mal die Sangeskünste des Publikums herausforderte.

Die Düsseldorfer Warrant beschlossen den ersten Tag. Erste gute Nachricht, die Sirene funktionierte. Der Enforcer hatte seine Streitaxt dabei und die drei Jungs an den Instrumenten richtig Bock. Das Infield war gut gefüllt, vor der Bühne war Stimmung und die Band konnte auf über 40 Jahre Thrash Erfahrung zurück greifen. So ging der Abend mit „The Enforcer“ standesgemäß zu Ende. Über die Aktionen von DJ Benne kann ich leider nichts sagen, da abends bei mir die Schwerkraft siegte.


Tag 2
Der zweite Tag begann, sofern man wollte, mit einem Frühstück im Biergarten und anschließender Metal Party & Karaoke. Bei Beidem war ich nicht zugegen, da ich anderweitig beschäftigt war. Musikalisch ging es mit The Devil Wears Nada los. Ich kann verstehen, wenn Leute diese Musik mögen, aber mein Ding ist es nicht. Hoher AOR Anteil, ein bisschen zu viel Unterhaltungsmusik für mich. Aber … doch recht viele Leute zeigten sich in Fankleidungsstücken.


Dann wurde es heroisch, episch. Solche Festivals sind für Bands wie Megaton Sword gemacht. Man bemerkte recht schnell eine hohe Fan- und Kuttendichte. Fäuste gen Himmel, Stimmbänder geschärft und mitgemacht. Von „Pristine War“ zu „The Raving Light Of Day“, dem Opener, war alles dabei. Wunderbar!

Gespannt war ich auf Cyclone. Die hören sich ja richtig cool an. Speed Metal mit Thrash Einflüssen bis hin zu den frühen Extremmetal-Einflüssen. Das klingt nach Spaß. Und na klar, Stücke wie „In The Grip Of Evil“ lösen Circle Pits aus. Auch hier. Bewegung vor der Bühne, rennen, schwitzen, rempeln. Natürlich durfte auch das dieses Jahr veröffentlichte „Nothing Is Real“ nicht fehlen. Toller Midtempo Song. Die Belgier räumten auf ganzer Linie ab und zeigten, dass auch Musik härterer Gangart durchaus zu begeistern vermag. Mit „Slavery“ vom „Inferior To None Album“ verabschiedete sich die Band und lies mich zumindest staunend zurück.

Vengeance hatte ich beim Metalheadz Open Air (den Bericht findet ihr hier: https://rockblogbluesspot.com/2026/05/23/metalheadz-open-air-in-oberndorf-lech-vom-14-5-16-5-2026/) wegen einer Unwetterwarnung verpasst. Das was ich aber von der Bühne mitbekam, lies mich aufhören. Erstaunlicherweise ging es mit einer Coverversion von „Crazy Horses“ los, bevor man zu dem eigenen Schaffenswerk kam. Die Band hatte richtig Spiellaune, es wurde geflachst und gerockt. Leon Goewie war in bester Singeslaune und hatte alles im Griff. Die Dramaturgie baute sich in der Setlist gegen Ende auf. Mit „Arabia“, „Take It Or Leave It“, „She’s The Woman“ und natürlich „Rock’n Roll Shower“. Hier gönnte sich Leon eine schöne Bierdusche über Haupt und Headbangers Ball -wer erinnert sich noch?- Shirt.

Angel Witch fiel meiner Essenspause zum Opfer. Man muss sich auch mal eine Pause gönnen

Flotsam & Jetsam waren der Headliner des zweiten Tages. Und das zurecht. Ich freute mich darauf, Ken Mary wieder spielen zu sehen, sah ich ihn das letzte Mal die Kessel für Alice Cooper bedienen. Für mich als Midsechziger waren natürlich die ersten Scheiben interessant. „Hammerhead“ als Opener und „Doomsday For The Deceiver“ als letztes Stück fassten die gute Setlist ein. „Desecrator“ gab’s noch als Zugabe. Wundervoll. Erik war sehr gut bei Stimme, bewegte sich gut. Der Rest lieferte ab. So ging ein toller Tag würdig zu Ende.

Tag 3
Der dritte Tag fing schon um 14:00 an. Blizzen waren angesagt. Die Jungs aus Giessen verstehen es, Speed Metal mit guter Laune zu verbinden. Gutes Stageacting kombiniert mit eingängigen Songs. Ich musste zwischendurch noch einmal ins Camp, da ich ein Kabel vergessen hatte. Zu „Gone Wild“ war ich aber wieder zurück, als Gitarrist Marvin ins Publikum ging und mit den Leuten sang.


Angel Sword musste ich auslassen, da ich parallel einen anderen Fotoauftrag hatte.

Zu Sacrosanct war ich wieder zurück. Die Jungs aus den Niederlanden machen technischen Thrash Metal mit doch progressivem Einschlag. Das Line-up der Band entsprach nicht dem aktuellen. Sänger und Bassist Max Morton konnte nicht aus der Ukraine ausreisen. So mussten Collin Kock am Gesang und sein Bruder Michael am Bass aushelfen. Die beiden waren auf der „Tragic Intense“ dabei. Um so erstaunter war ich, dass es von diesem Album nur „At Least Pain Lasts“ ins Programm geschafft hat. Spaß hatten alle und der Gig war für mich einer der Höhepunkte des Festivals.

The Gems sind eine Absplitterung von Thundermother, von denen letztendlich noch Guernica Mancini (voc) und Mona Lindgren (g) mit zwei Gastmusikern am Start waren. Sie waren etwas seichter unterwegs, mehr in Richtung Hard Rock. Es gab viele Ansagen, eine gute Interaktion zwischen Band und Publikum und letztendlich eine gute Portion Rock’n Roll.

Der Kodex ist unumstößlich! Kaum eine Band polarisiert so wie Atlantean Kodex. Im Freundeskreis oft diskutiert ohne auf ein erträgliches Resultat zu kommen. Es gibt scheinbar keine Kodex Grauzone. Die Besetzung hat sich dahingehend geändert, dass Markus (Ulle) Ulrich den Gitarrenpart von Manuel Trummer übernommen hat. Dieser gönnt sich gerade eine Auszeit. Somit gibt es jetzt ein Gitarrenduo, welches doch unterbewusst eine gewisse Härte in die Songs bringt. Und das tut ihnen gut. Bassist Florian mausert sich zur Rampensau und Markus am Mikro hat sich über die Jahre eine Präsenz rangeschafft. Das ganze Stageacting ist ungezwungener, lebendiger. Das tut den Songs aber in keinem Fall weh. Das textsichere Publikum in den ersten Reihen begleitet die musikalische Darbietung mit Inbrunst und einer gewissen Liebe. Das merkt man ganz besonders bei „Twelve Stars“ und „Sol Invictus“. Ansonsten bot die Setlist keinerlei Überraschung, aber einen Song, der wohl auf dem nächsten Album zu hören ist, „The Pattern under the Plough“.

Bei Benediction stellte ich mir die Frage: „Muss man mit Mitte 60 noch mal in den Circle Pit?“ Klar, kann man machen. Die sind ja heutzutage auch etwas entschärfter. Auch Benediction hatte eine Umbesetzung zu verzeichnen. Shouter Dave Ingram musste aus gesundheitlichen Gründen passen. Für ihn übernahm Dave Hunt das Micro. Dave kam sehr unterhaltsam rüber, fast schon wie ein Entertainer. Ich erwartete eigentlich brutale Härte, englischen Death Metal halt. Aber es wurde gescherzt und gelacht. Hmmm. Naja, musikalisch sind sie natürlich großartig, da gibt es kein Vertun. Die diversen Mosh- und Circlepits sprachen ja für sich.

Anschliessend kam die Ironfest Crew zur Danksagung auf die Bühne. Konsens: „Wir machen es nochmal. Es gibt sogar schon Tickets im Vorverkauf „. Mit dieser guten Nachricht machte ich mit dann auf den Weg ins Camp. Ich hörte Gerre von Tankard noch flehen: „You Bastard, Still Hate You … Need Money For A Fucking Beer“, dann schlief ich ein.

Fazit: Am Ohmbachsee gibt es ein tolles Festival mit einem guten bis sehr guten, auf jedem Fall ausgewogenem Line-Up. Die Verpflegung ist klasse, die Preise gut. Sanitäre Anlagen sind sauber und es gibt auch genügend Sitzmöglichkeiten im Schatten. Ich werde nächstes Jahr wieder vor Ort sein und freue mich natürlich auf das Festival, auf tolle Leute, klasse Gespräche und eine Menge Spaß. Vielen Dank an Niko Bremm für die Akkreditierung. [hans-juergen]

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