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Rocket from the Tombs – Black Record

Die beste Band die es nie gab hat ein neues Album veröffentlicht.

Screenshot_2015-11-30-17-45-08(ol) Die Geschichte von Cleveland‘s Proto Punk Band, die für die Rockgeschichte mindestens genauso wichtig sind wie Velvet Underground oder die Stooges und aus der die Dead Boys und Pere Ubu hervorgingen, ist schon oft erzählt worden und kann im Netz oder in einschlägigen Standardwerken wie Leg McNeils „Please Kill Me“ minutiös nachgelesen werden.
2004 vor Veröffentlichung ihres ersten regulären Albums Rocket Redux hatte ich das große Glück die Legende in nahezu Originalbesetzung (die Position des 1977 bereits verstorbenem Peter Laughner hatte der nicht minder legendäre EX-Television Gitarrist Richard Lloyd übernommen) in Kassel live zu sehen. Eines der beeindruckendsten Konzerte das ich erleben durfte.
Nun also eine neue Scheibe. Ex Dead Boy Cheeta Chrome hat die Band verlassen um sich Heim und Familie zu widmen und von der Original Besetzung sind noch Sänger David Thomas und Bassmann Craig Bell übriggeblieben. David Thomas, einer der größten Querköpfe der Musikszene und völlig unverdächtig irgendwelche kommerziellen Ziele zu verfolgen, scheint RFTB neben seinen Solo Aktivitäten und Pere Ubu Verpflichtungen als Spaß/Feierabendprojekt zu betreiben. Und so klingt das Ganze auch im posiven Sinne.
Zu Anfang die kleine windschiefe Winterballade „Waiting for the Snow“, die so auch bei David Thomas und seinem Pale Boys Projekt nicht groß aufgefallen wäre. Viel Herz und Dramatik mit Pixies Surf Gitarre im Hintergrund. Als zweites Stück dann der Garagen Proto Rock‘n‘Roll Kracher „Welcome to the Dark Ages“ im klassischen MC 5 Stil mit unglaublich Energie und Drive. BOMBE!!
Als nächstes ein Cover des Sonics Klassikers „Strychnine“, bei dem man sich fragt ob es nötig ist, ein Stück zu covern, an dem sich unzählige Neo Psych/Garagen Beat Bands schon die Finger blutig gespielt haben. Und kaum zu glauben, auch hier schaffen es die alten Recken eine dem Original zumindest ebenbürtige Fassung an den Start zu bringen. Als Coverversion Nummer zwei folgt dann der unverwüstliche „Sonic Reducer“.
Der klassischen Dead Boys Version haben RFTB auf ihrem Rocket Redux Album bereits das ultimative Cover bereitet. Aber auch hier wird der alte Kracher nach mehr als 10 Jahren nochmal auf den neuesten Stand gebracht: Etwas krachiger und mit leicht verzerrtem Gesang. Braucht kein Mensch, aber wenn es den Jungs im Studio Spaß gemacht hat, why not?

Nach den beiden Coverversionen dann in 1.24 Minuten mal eine kurze „I keep a File on you“ genannte Garagepunk Fingerübung.
Als Stück Nr.6 „Nugefinger“, ein schön schräger Blues Rock mit einem feinen Stooges Gedächtnis Riff als Einleitung und wilden Harp und Klarinetten Einsätzen im besten Cpt. Beefheart Style.
Der nächste Song „Spooky“ ist dann wieder näher bei Pere Ubu als beim Rock’n‘Roll. Spooky, Creepy Sprechgesang mit Italo Western Gitarre im Hintergrund.
Gutes Stück, allerdings für mich der Song auf dem Album der mir wahrscheinlich nicht gefehlt hätte.
Aber direkt weiter zum nächsten Höhepunkt: „Coopy (Schrödinger’s Refrigerator)“ ein echter Floorshaker mit vorwärtstreibendem Schlagzeug und Klasse Uh Hu Backgroundgesang in dem uns Hobby Philosoph David Thomas im Titel anstatt Schrödingers Katze einfach mal Schrödingers Kühlschrank unterjubelt.

„Hawk full of Soul“ ist dann zumindest im Intro und bei der Gitarren Bridge im Mittelteil eine Verbeugung vor dem Yardbirds Hit der 60er „Heart full of soul“ und einfach ein toller Rock-Song mit schönem Chorus zum Schluss. „Read and Weep“ zieht dann als vorletztes Stück das Tempo noch ein Stück an und rockt wie die Hölle.
Als Rausschmeißer dann der 1:50 Minuten kurze Singalong „Parking Lot at the Rainbow’s End“ mit rührendem Backgroundchor und winzigem Gitarren Freak Out.
Tolle Scheibe, in der die Spielfreude aller Beteiligten in jedem Ton hörbar ist. Zeitloser Proto Rock, oldschool produziert und schön abwechslungsreich. Für alle, die ihre alten MC 5 und Stooges Alben immer noch hochleben lassen und mal was neues hören möchten auf jeden Fall eine dicke Kaufempfehlung.
Wer sich noch weiter mit dem großen Universum des David Thomas und seinen Projekten beschäftigen möchte, sollte sich auf jeden Fall mal auf der immer aktuellen Homepage www.ubuprojex.com umsehen. Zum weiterhören empfehle ich die großartige 4 CD Box „Datapanik in the year Zero“ mit allen ofiziellen Pere Ubu Studioalben von 1975-1982 und ein paar Rarities sowie das „Rocket Redux“ Doppelalbum von 2004….(olli)

Tracklist:
1. Waiting for the Snow
2.Waiting for the New Dark Ages
3.Strychnine
4.Sonic Reducer
5.I keep a File on you
6.Nugefinger
7.Spooky
8.Coopy ( Schrödingers Refrigerator )
9.Hawk full of Soul
10. Read it and Weep
11.Parking Lot at the Rainbows End

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