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Ben Reel – Spirit`s Not Broken

Celtic-Rock, Folk, Americana aus Nordirland

(ro) Man spürt es schon im ersten Ton: Hier erzählt jemand von seinem Leben, von der Welt, wie sie ist, und von allem, was sie aushält. Ben Reel, geboren im Süden des County Armagh in Nordirland, öffnet mit „Spirit’s Not Broken“ Räume, die zwischen Celtic Blues, Americana und erdigem Folk schwingen. Jeder Akkord, jeder Satz ist wie eine kleine Bewegung auf einem langen, verwobenen Pfad – Geschichten, die getragen werden von Erfahrung, Erinnerungen und der Fähigkeit, auch in rauen Zeiten Zuversicht zu bewahren.

Auf seinem im „Drumhill lane studio“ in South Armagh eingespielten Album mit zwölf Tracks geht es zutiefst glaubwürdig, authentisch und wahrhaftig zu. Denn Ben Reel ist kein Erzähler von außen. Seine Songs entstehen aus gelebter Erfahrung, aus Biografie, aus einem Leben, das früh gelernt hat, Musik als Schutzraum und als Ausdruck zu begreifen.
Aufgewachsen während der „Troubles“ wurde Musik für ihn schon als Jugendlicher zu einer Gegenbewegung: gegen Angst, gegen Enge und gegen die Sprachlosigkeit. Seit den späten 1980er-Jahren schreibt er Songs, die genau das hörbar machen, nämlich Widerstandskraft ohne Pathos, Hoffnung ohne Naivität. Das ist kein politischer Kommentar im klassischen Sinne, aber zutiefst gesellschaftlich.

Eröffnet wird das Album mit spürbarer Energie. „Better Be Better“ kommt mit einem kraftvollen Backbeat, markanten Gitarren und einer subtilen Erinnerung an die Musik der 60er Jahre daher. Es ist ein Song über fragile Beziehungen, über das Scheitern – und über die Möglichkeit, trotzdem zu bleiben und weiter zu machen. Das ist eine Haltung, die sich durch das gesamte Album zieht und auch seine Wirkung auf die Hörer/ die Hörerin prägt: Man fühlt sich angesprochen, aber nicht belehrt.

Ben Reels Stimme ist ein Instrument der Beobachtung und Nähe zugleich. Ihr Timbre, irgendwo zwischen Roy Orbison, Willie Nelson und Johnny Cash angesiedelt, erzählt von amerikanischen Songtraditionen, ohne ihre eigene irische Erdung zu verlieren. Jede Zeile wirkt autobiografisch, wie ein Spiegel vergangener Pfade und gegenwärtiger Gefühle. Americana wird hier nicht kopiert,  sie wird aus einem Leben erzählt, das Grenzerfahrungen, menschliche Bindungen und eine Wärme, geboren aus Widerstand und Zusammenhalt, kennt.

In ruhigeren Momenten, etwa bei „Come What June“, breitet sich Reflexion aus. Reel blickt zurück und nach vorn zugleich, sinniert über Vergänglichkeit, Lebenszeit und die Wandlungen einer Musiklandschaft, die sich ständig neu erfindet. Die Songs sind kleine Studien in Resilienz und Menschlichkeit: „The Joker“ kommentiert das Hier und Jetzt mit feiner Ironie,  „Love And Only Love“ – mein persönlicher Favorit – ist ein fast schon intimer Liebesbrief, der an Van Morrison erinnert und doch in Reel ganz eigen klingt.

Der Titelsong  „Spirit’s Not Broken“ bündelt all dies: Dynamik, Gelassenheit, eine Gitarre, die Geschichten erzählt, und eine Stimme, die wie ein Kompass durch den Wirrwarr des Lebens führt. Es ist die Essenz des Albums – Musik als Haltung, nicht als Pose. Standhaft, menschlich, berührend.

Am Ende bleibt kein erhobener Zeigefinger, kein lautes Statement. Es bleibt ein Gefühl von Verbundenheit, von unterwegs sein auf irischen Nebenstraßen, über amerikanische Highways, durch Zweifel, kleine Siege und leise Hoffnungen. Reel singt von der Welt, wie sie ist: widersprüchlich, verletzlich, aber immer auch voller Möglichkeiten zur Verbindung. Dieses Album will nicht nebenbei gehört werden. Es setzt sich dazu, und es bleibt.

..(Rosie..)..

Songliste:
1. Better Be Better
2. Come What June
3. Bring it Back To Life
4. Laid Out in Front of You
5. Candlelight
6. I Will
7. Down by the Stream
8. The Joker
9. Love and Only Love
10. Spirit’s Not Broken
11. Can`t Even Cry
12. Another Dream

Band:
Ben Reel – vocals, backing vocals, guitars, tamborine / Ronnie O’Flynn – bass / Michael Black – drums, percussion, / Gerry Black Jnr – electric guitars / John McCullough – piano, keys / Julieanne Reel – backing vocals / Mick McCarney – guitar on tracks 1 & 9 / Darren Murphy – guitar on track 9 / Tommy Womack – guitar part solo on track 2

Recorded @Drumill lane studio, South Armagh
Produced, Mixed & Mastered by Ben Reel & Paul Black
Photograghy by Siobhan Black
Words & Music by Ben Reel ©2026
Foto: Fotogalerie der offiziellen website Ben Reel

www.benreel.com/
www.brooke-lynnn-promotion.de

Filed under: Album Reviews, Americana, Folk, Singer/Songwriter, , , , , , , , ,

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