(syb) Drei smarte Jungs aus Dortmund im Ruhrpott schließen sich im Februar 2023 zusammen, taufen ihre Band KARDEATHIAN und packen rund eineinhalb Jahre später auf den Bühnen des Undergrounds erstmals den musikalischen Dampfhammer aus. Mit ihrem instrumentalen, doomig angehauchten HeavyStoner, dem besagtem Dampfhammerspiel und von Beginn an atemberaubenden Posing (kann man nicht lernen, muss man können) erobern Uwe an der Gitarre, Mo am Bass und David am Schlagzeug die Ohren und Herzen des Publikums dann auch gleich mal im Sturm und bringen mit ihrem bereits vergangene Woche erschienenen, selbstbetitelten Debut ihr erstes Baby bei Lulu’s Plattenfirma „Worst Bassist Records“ auf die Welt.
Und das Baby ist ein echtes Prachtstück geworden und man möchte es in namentlicher Anlehnung der Sippenmutter der Realityshow „Keeping Up with the Kardashians“ gleichtun, denn diese hat ihre Tochter Kim in einer Folge der Serie für deren Nacktshooting im Playboy mit den Worten „You’re doing amaaaaazing, Sweetie(s)“ mächtig angefeuert. Und das Ergebnis ist wirklich aufregend und sexy, denn die vier Titel auf KARDEATHIAN entwickeln sich in knackigen 35:30 Minuten scheinbar mühelos zwischen Stoner Doom, Post Metal und hypnotischem HeavyPsych immer weiter, ohne sich dabei den altbekannten Mustern zu sehr anzupassen. Dadurch gelingt was anderen Bands der Genres allzuoft verwehrt bleibt: Songs über der Acht-Minuten-Marke so aufzubauen, dass sie die Hörerschaft nicht langweilen.
DIE TRACKS
Der Opener „Garden“ beginnt ohne Umschweife mit Heavy Riffing und einer hypnotischen Gitarrenmelodie, die mantramäßig geloopt direkt im Großhirn andockt. Ab der vierten Minute wird’s dann richtig wild und wenn man man die Drei live onstage kennt, sieht man sie vor dem geistigen Auge wild und schwitzend auf ihre Instrumente eindreschen, bevor sie die Melodie mit allerlei Fuzz und Effekten wieder nach und nach in den Song einfließen lassen, bis dieser ausklingt…
Der Titel „Wal Der Thyr Ahn“ erzeugt erstmal ein Stirnrunzeln. Der Song durch seine sich bedächtig aufbauende, aber von Beginn an treibende Rhythmusarbeit, knallende Schlagzeugbeats und mächtige Riffs eine fieberhafte Spannung, die sich durch Wiederholung und das subtile Spiel mit der Lautstärke immer und immer weiter verdichtet. Bis der Hörer am Ende vor totaler Erschöpfung umfällt, sich aber gleichwohl seltsam zufrieden zurückgelassen fühlt.
„Six“ heisst der dritte und mit nur 03:12 Minuten kürzeste Song, der auch als Single und einem im Dortmunder Proberaum gedrehten Video vorab veröffentlicht wurde. Die Rhytmus-Maschinen Mo und David setzen Uwes Gitarrenspiel hier aufregend langsam in Szene und reizen ihn zu allerlei Schabernack, bis alle Drei schließlich nach fettem Trommelwirbel gemeinsam eskalieren und, ähm, sagen wir, zum Höhepunkt kommen.
„Sleep“ der letzte und mit 12:15 Minuten wiederum längste Song des Albums ist mein persönlicher Hit, auch weil ich ihn das erste Mal bei KARDEATHIANS Konzert-Debut im FZW Dortmund Dezember 2024 gehört habe und von da an bei vielzähligen weiteren Auftritten bis zum Endergebnis auf dieser Platte miterleben konnte, wie sich sowohl Song als auch Musiker weiter entwickelt haben. Denn wie seine Vorgänger schafft auch „Sleep“ durch das hypnotische Spiel, die wunderschöne wiederkehrende Melodie und kleine Taktverschiebungen einen konstanten Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Das Stück erzeugt eine instrumentale Schwere, die nicht bloß als Härte rüberkommt, sondern sich wie ein Zustand etabliert und merklich angenehm durch den Gehörgang frisst, um dann laut Bandinfo „den geneigten Hörern bestenfalls (nicht buchstäblich) das Gehirn anzuzünden, sodass es frei von störenden Gedanken dem auralen Fluss folgen kann“.
Am Ende ist dem nichts mehr hinzuzufügen: KARDEATHIAN meißeln ihr Debut als Statement in sämtliche Gehör- und Hirnwindungen und finden intuitiv das richtige Maß, egal wo auf diesem Album. Long live the Kardashians, uppps, KARDEATHIAN!
VÖ: bereits am 27.08.2026
Label: Worst Bassist Records
Distribution: Brokensilence
Format: Vinyl, CD, Download
Tracks:
1. Garden
2. Wal Der Thyr Ahn
3. Six
4. Sleep
Social Media und Webseiten:
https://www.instagram.com/kardeathian.doom?igsi=MThndWk3YnRuY2M5M
https://www.facebook.com/share/19Fm2aYjzq/
Filed under: Album Reviews, Heavy Rock, KARDEATHIAN - Kardethian, Worst Bassist Records



