(syb) Belgien und seine Bewohnerinnen und Bewohner verbindet man ja irgendwie immer mit einem Faible für Leckereien. Das Land der knusprigen Frietjes, verführerischen Waffeln, Schokoladen und Mosselen hat neben einer einzigartigen Bierkultur von über 1.500 Sorten mit passenden Trinkgefässen auch eine leckere Auswahl an Bands verschiedenster Genres. Und jetzt serviert das kleine Land mit SUECIDE HIGH einen weiteren Leckerbissen von Rockband, denn ihr Debütalbum „Chaos Has Its Charm“ ist eine echte Geschmacksexplosion und brennt geradezu vor Lust und roher Energie.
Frontmann und Songschreiber Renaud Mayeur ist in der belgischen Szene kein Unbekannter, er schreibt seit über 20 Jahren Songs und tourte bereits mit Triggerfinger, La Muerte und Hulk. Das Komponieren von Filmmusik eröffnete ihm darüber hinaus weitere Horizonte der klassischen, elektronischen und traditionellen Musik und brachte ihn beim eigenen Songwriting zu neuen Betrachtungs- und Herangehensweisen. Wie auch die gänzlich unerwartete Diagnose und knallharte Herausforderung, gegen einen inoperablen Hirntumor kämpfen und der schmerzlichen Unterbrechung der großen Leidenschaft und Karriere entgegentreten zu müssen. Der Tumor, der glücklicherweise entgegen aller Erwartungen geschrumpft ist, hat Mayeur verändert, aber gestärkt und zielstrebig zur Gründung dieser neuen Supergroup geführt. Ob der Bandname SUECIDE HIGH angesichts dieser Erfahrung, mitten im Leben konfrontiert durch die eigene Sterblichkeit ins absolute Chaos gestürzt zu sein, danach aus medizinischer-, psychologischer- oder forensischer Perspektive gewählt wurde, lässt sich nur erahnen. Mit den ebenfalls banderfahrenen alten Freunden Stéphane Panozzo an der Gitarre , Basser Fabrice Giancinto und Drummer Charly Cornez fackelt Mayeur jedenfalls nicht lange und haut direkt zwölf ehrliche und entschlossen kraftvolle Songs auf’s erste Album, die vor HeavyRock, Garage, Punk und 90er-Alternative nur so strotzen. Sie sind laut, schmutzig und finster, aber erstaunlich abwechslungsreich, denn neben den brutalen Riffs gibt es immer wieder melodische Momente, mitreißende Refrains und kleine Überraschungen.
Der Opener „Suecide High“ drückt die Identität der Band schon am Beginn hervorragend aus und serviert der Hörerschaft ohne Umwege einen knackig, groovigen Appetizer, bestehend aus dem Skandieren des Bandnamens, fettem Riffgewitter und einprägsamen Bass. Ein Geschmack, der auch im zweiten und vorab veröffentlichten Track „Feel the Flames“ noch angenehm auf der Zunge liegt.
„I’m a Miracle“ nimmt das Tempo etwas raus, ohne aber die dreckige Grundstimmung aufzugeben. Cool und ähnlich dem dEUS beschwörerischen Sprechgesang erzählt Mayeur, dass er am Leben ist, schreit heraus, dass er verdammt nochmal ein Wunder ist. Mit „Thousand Years“ liefern die Vier dann eine fette Hauptspeise und treten das Gaspedal wieder richtig durch. Sie lassen die Gitarren ordentlich schnalzen und treiben den Track nur in eine Richtung, nach vorne. Der titelgebende Song „Chaos Has Its Charm“ besticht mit cooler Bassline und setzt erst den Fuß in Bewegung, bringt dann den Kopf zum nicken und schließlich den ganzen Körper zum tanzen. Sinngemäß ist jetzt Schluss mit futtern, schön den Körper zum Kalorienabbau auf die Tanzfläche schieben. „Darkness Falls“ erinnert erneut an den verzerrten Sprechgesang von dEUS und klingt dadurch vertraut. Es macht dann auch riesig Spaß, sich der tiefen Stimme und den eingebastelten, neckischen Gitarrenspielereien hinzugeben.
Der Song „Let The People Ride On“, der auch im Vorfeld mit einem Wumms von Video veröffentlicht wurde, ist stilistisch großartig aufgebaut und ein echter Hit, mit immer an genau der richtigen Stelle wechselnden Geschwindigkeiten. Wer sich hier nicht vom Groove anstecken und den Refrain mitschmettern will und vor allem nicht will, dass der Song jemals endet, dem kann man dann nur noch schulterzuckend attestieren, dass er wohl schlicht keinen Rhythmus im Blut hat.
Bei „Devastating Man“, „Man of Principle“ und „Somewhere Else“ legen die Belgier dann plötzlich den Dampfhammer aus den Händen, drosseln das Tempo auf eine mittlere Gangart und überraschen mit melodisch bis experimentellen Liedertum der anderen Art. Oh Boy! Nach dem ebenfalls in gemäßigtem Tempo dahergroovenden „Nowhere Home“ lenkt die tiefe, melancholische Baritonstimme à la Leonard Cohen beim finalen „The Hard Way“ unmittelbar die gesamte Aufmerksamkeit auf sich und zieht tief in ihren Bann. Die düstere akkustische Ballade ist ein melancholischer Gänsehaut-Garant und damit ein würdiger Abschluss für dieses richtig gute Debutalbum. „Chaos Has Its Charm“ ist ein echter Leckerbissen: dreckig, steckt voller Energie und scharfsinniger Geschichten und hat Charakter. SUECIDE HIGH muss man also unbedingt auf dem Speise-Zettel haben!
VÖ: 09.10.2026
Label: M&O Music
Tracks:
1. Suecide High
2. Feel the Flames
3. I’m a Miracle
4. Thousand Years
5. Chaos Has Its Charm
6. Darkness Falls
7. Let the People Ride on
8. Devastating Man
9. Man of Principle
10. Somewhere Else
11. Nowhere Home
12. The Hard Way
Social Media und Webseiten:
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https://www.facebook.com/share/1JHSxQFNjg/
suecidehigh@bandcamp.com
Filed under: Alternative, Garage Rock, Heavy Rock, Punk, M&O Music, SUECIDE HIGH - "Chaos Has Its Charm"



