rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Paul Kuhn – Swing 85

Paul Kuhn zum 85Paul Kuhn: in der Wolle gefärbter Blues

(Limited Edition Birthday Box)

Dieses deutsche Urgestein – von lebender Legende ganz zu schweigen – wurde am 12. März dieses Jahres 85 Jahre alt.

Alt? Eher nicht: „Jung“ trifft es besser.

So cool und unverzagt, wie „Paulchen“, wie er im Volksmund genannt wird, seine Takte auf dem Klavier raushaut, so lässig handhabt er auch seine Wehwehchen.

Er leidet an hoher Lichtempfindlichkeit und macht aus der Not eine hippe Tugend.

Trägt seither einen ultracoolen, in rosa gehaltenen Augenschutz. Diese Brille filtert das Umgebungslicht, hält ihn allerdings auch davon ab, seine Partituren noch selber zu Papier zu bringen.

Aber: das braucht er auch gar nicht.

Sein Musikgefühl ist sakrosankt – perfekt bis hinter die hinterste Gehirnrinde.

Er lässt seither Handicap Handicap sein und spielt seine gefühlten Harmonien auf einer speziellen Computersoftware ein, die das Ergebnis später in Noten umwandelt. Der Gewährsmann seines Vertrauens macht dann letztlich eine tragfähige Partitur draus.

Zurück zum Eigentlichen, nämlich Paul Kuhns musikalisch bewegtem Leben.

Dieser Mann brachte Deutschland zum Swingen.

Er ging durch die harte Schule in den amerikanischen Clubs, die aufgrund des Zweiten Weltkriegs nach 1945 ab Frankfurt und weiter südlich wie Pilze aus dem Boden schossen.

Mit der Folge, dass er den Bebop letztendlich genauso beherrschte, wie sein späteres Markenzeichen, nämlich den gerade von ihm so federleicht daher kommenden Swing.

Das ist vordergründig scheinbar „nur“ Jazz.

Fußt aber unmittelbar auf dem City- bzw. Urbanblues der 1930er bis 1940er Jahre in den Staaten.

Und genau das ließ Paul Kuhn nie mehr los. (Trotz oder gerade wegen seiner zwischenzeitlichen Schunkelhits „Mann am Klavier“ oder „Es gibt kein Bier auf Hawaii“.)

Er kehrte immer wieder zum Swing bzw. Blues zurück.

Und wenn schon augentechnisch gehandicapt – seine Finger hat es gichtmäßig gottseidank nicht erwischt.

Zum Hören und Nachgucken auf seiner Jubiläumsbox.

Klingen wie Cole Porter oder Thelonius Monk?

Vertrackte Synkopen oder paraphrasierende Blue Notes?

Paul Kuhn hat es drauf.

Eigenkompositionen wie “Almost The Blues“ oder „Griff“, Covers wie „As Time Goes By“ (Hupfeld), „“Round Midnight“ (Monk), „It Don`t Mean A Thing“ (Ellington), „Yesterday“ (Lennon/McCartney) , „Limehouse Blues“ (Braham /Furber) oder “St.Louis Blues” (Handy) kann man gar nicht besser arrangieren.

Sein legendärer Produzent der aktuellen “L.A. Session“, Al Schmitt, trifft den Nagel auf den Kopf: „Cool, man!“

Zeitlose Medizin ohne schädliche Nebenwirkungen.

Im Gegenteil: Kuhns Wolke bluesgetränkter Melancholie trotzt den Burnouts dieser Welt.

Und: Paul Kuhn ist der Mann, der uns neben der Bar im einsamen Hotel eben auch zuhause am Schlafittchen packt. Als wolle er sagen: „Liebe das Leben!“

So oder so.

Glückwunsch zum Fünfundachtzigsten!

Paul Kuhn „Swing 85“ (Limited Edition Birthday Box)

CD 1: “The L.A. Session” mit John Clayton (b), Jeff Hamilton (dr)

CD 2: “Best Of Paul Kuhn” mit Paul G. Ulrich (b), Willy Ketzer (dr), Gary Todd (b), Till Brönner (tr), Ack van Rooyen (tr), Toots Thielemans (harm) und andere

DVD Part 1: “Paul Kuhn und das Filmorchester Babelsberg live”

DVD Part 2: „Paul Kuhn – Eine deutsche Geschichte“ (Dokumentation von Tim Gorbauch)

inandout-records/in-akustik

IOR CD 77070-2

(Heinz W. Arndt)

Einsortiert unter:Album Reviews, Blues, DVD / Film - Reviews, , , , , , , , , ,

März 2013
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

SOL präsentiert: The Atomic Bitchwax / Greenleaf / Steak Tour November/Dezember 2017

St.Hell Festival am 27.+28.12. 2017 im Gruenspan/Hamburg

Tonzonen Labelnight in der KuFa Krefeld am 13.04.18

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: