
[hjs] Ich weiß, die Überschrift ist vielleicht etwas hochgegriffen, kennt man sie doch, leicht abgewandelt, als Live Mitschnitt von Led Zeppelin. Andererseits beschreibt sie sehr gut, was sich an den zwei Abenden in Magdeburg und Berlin musikalisch abspielte. Tolle Konzertstätten (mach|werk Magdeburg und Brick House Berlin) trafen auf motivierte, außergewöhnliche Musiker. Dazu ein Publikum, welches den ganzen Spielraum zwischen Begeisterung, Anerkennung und Kenntnis aufzeigte. Zu allem kam obendrauf eine perfekte Organisation. Doch gehen wir mal chronologisch vor.
Am 1.Mai 2026 bewegte sich mein Bulli in Richtung Magdeburg. Ziel war das mach|werk in Magdeburg. Eine meiner, ja man kann schon sagen Lieblingsbands spielte zwei Konzerte um das aktuelle Album „The Eternal Moment“ zu promoten. In Magdeburg angekommen fanden wir einen sehr schönen Stellplatz an der Elbe, der pro Nacht mit 12€ zu Buche schlug. Man stand aber ausgesprochen gut, sogar ein Frühstück am Wasser war am nächsten Morgen möglich. Aber zurück zur Musik. Ich kam etwa eine Stunde vor Beginn an und sah mich erstmal um. Es gab eine ungewöhnliche Aufteilung, aber aus dem bestehenden Grundriss wurde das Bestmögliche rausgeholt. Der Soundcheck war abgeschlossen und versprach eine amtliche Vollbedienung. Hier wurde auch seitens der Technik eine super Arbeit geleistet, die am nächsten Tag einwandfreie Wiederholung fand. Das Publikum erschien zahlreich und das mach|werk füllte sich gut. Viele kannten die Band nicht, allenfalls vom Hörensagen und kamen trotzdem. Das ist gelebte Musikkultur! Man hörte auch Aussagen, wie z.B. „Was der Thomas bucht, ist einfach gut. Da verlasse ich mich drauf.“ Toll, es zählte die Empfehlung, so ganz ohne soziale Netzwerke.
Pünklich um 20:00 ging es dann los. Das erste Stück „Fire (I Wanna Go)“ zündete gleich. Danach gab es eine ausgewogene Auswahl dessen, was der Backkatalog hergab. Vom ersten Album „Seasons“ bis zum aktuellen Album „The Eternal Moment“ waren die wichtigsten Stücke vertreten. Das Set wurde in zwei Teilen gespielt, was eine kluge Entscheidung war. Die aufkommenden Tagestemperaturen und die noch nicht vom Vermieter reparierte Klimaanlage machten diesen Schritt notwendig. Mir fiel auf, dass das Publikum auch sehr fachkundig war. In den von mir geführten Gesprächen habe ich diesen Eindruck vermittelt bekommen. Neu war auch, dass sich die Band etwas mehr Freiraum gab. Dazu muss man wissen, dass die Stücke schon durchorchestriert sind, für jeden Ton gibt es eine Note. Das ist natürlich auch der Komplexität der Stücke geschuldet, die aber trotzdem teilweise leicht wie eine Feder klingen, obwohl durchaus die eine oder andere Kante, oft aus dem Nichts, auftaucht. Trotzdem gibt es Raum zur Improvisation. Eigentlich ist ja nach dem großartigen „The Jewel City“ Schluss. Band und Publikum hatten noch Lust und somit gab es noch „Pride Of Creation“ als Nachschlag. Nach dem Konzert wurde noch längere Zeit am Merch gefachsimpelt, die erstandenen Tonträger signiert oder einfach nur ein Bierchen miteinander getrunken.
Der 2. Mai 2026 begann mit einem tollen Frühstück unter freiem Himmel an der Elbe. Wir tauschten noch die gegenseitigen Eindrücke des vorherigen Abends aus und fuhren dann sehr entspannt in Richtung Berlin. Direkt in der Nähe des Brick House konnten wir das Fahrzeug parken. Noch genug Zeit, die Ausrüstung zu checken und die Band beim Sound Check zu begleiten. Auch diesmal wurde die kleine Unwegsamkeit der Raumakustik gemeistert.
Die Bühne ist angerichtet. Brick House meldet ausverkauft. Für alle Beteiligten eine komfortable Situation. An diesem Abend merkte man, dass eine gewisse Energie den Raum verzauberte. Der Funken zwischen Band und Publikum sprang sofort über und hielt das Feuer den ganzen Abend in Gange. Die Setlist entsprach der des vorigen Abends, aber es wurde nie auch nur im Ansatz langweilig. Natürlich gab es in Berlin auch wieder gelebte Fan-Nähe.
Ich fand das ganze Unterfangen sehr spannend. Promoter Torsten Starke hatte die Band für zwei Konzerte gebucht, ohne sie vorher gesehen zu haben. Hier fand eine Art Scouting statt. Menschen, die die Band live gesehen hatten, erzählten davon und so nahmen die Dinge ihren Lauf. An beiden Abenden gab es nur Gewinner. Die Band erschloss sich neue Fans, manch Zuschauer nahm ein Album einer Band mit nach Hause, die er vorher nicht kannte. So war es nicht verwunderlich, dass eine baldige Rückkehr thematisiert wurde. Beide Clubs sind wahre Perlen in der Live Kultur. Betrieben mit viel Herzblut und Sachverstand machen sie die Abende zu einem veritablen Konzerterlebnis. Vielen Dank an Flying Circus für die Akkreditierung. [hans-juergen]

Die Band:
Rüdiger Blömer – Keyboards und Geige. Sound Zauberer mit Universitätsausbildung.
Dietmar Berteld – (der Neue am) Bass. Das Gehirn, kann sich alles merken. Slappt und Groovt. Spielt auch Akkordeon.
Ande Roderigo – Taktmaschine und Fellakrobat. Ausgestattet mit einer unglaublich guten Singstimme
Michael Rick – Saitenhexer und Tech-Nerd. Hat sich einen unverkennbaren Stil erarbeitet.
Michael Dorp – The Voice. Ausgestattet mit einer Bandbreite, die man sehr selten in dieser Spielart findet. Meister der Texte.
Weblinks:
Flying Circus
mach|werk
Brick House
Torsten Starke
Setlist:
Fire (I Wanna Go)
Green
A Sweet Thing Called Desire
More Than One
Dystopia
Living A Lie
Follow The Empress
Derry
The Time Machine
A Talk With The Dead
What Remains
The Hope We Had (In 1968)
Movie Moments
Never Again
New York
Seasons
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The Jewel City
Pride Of Creation
Konzert Termine:
Sonntag, 17.Mai 2026 – The Ancestry Prog Fest München
Samstag, 29.August 2026 – 7er Club Mannheim
Freitag, 06.November 2026 – Das Rind Rüsselsheim
Samstag, 07.November 2026 – Club Zentral Stuttgart
Freitag, 20.November 2026 – Outbaix 2.0 Übach-Palenberg
Donnerstag, 04.Februar 2027 – Meisenfrei Bremen
Freitag, 05.Februar 2027 – LOGO Hamburg
Samstag, 06.Februar 2027 – Blues Garage Isernhagen
Freitag, 18,Juni 2027 – Burgfestival Volkmarsen
— more to come —
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