(jm) Mit „Onto The Afterlife“ kündigt sich das nächste Kapitel einer Band an, die sich in den letzten Jahren still, aber konsequent einen Namen in der psychedelischen Doom- und Space-Rock-Szene erspielt hat. Das Adjektiv „still“ passt natürlich nicht, denn ROBOT GOD erschaffen ein Klanguniversum, das sich aus schweren, schleppenden Riffs, kosmischen Synth-Flächen und tranceartigen Songstrukturen speist – eine Mischung, die weniger auf klassische Songformate setzt, sondern vielmehr auf Atmosphäre, Flow und hypnotische Wirkung. Und das funktioniert nicht wirklich bei Zimmerlautstärke. Roboter sind ja jetzt sowieso in aller Munde, also wer sind die eigentlich?
ROBOT GOD sind eine Psych-Space-Stoner-Rock-Band aus Sydney, Australien, die Anfang 2019 gegründet wurde. Ihre Musik ist geprägt von einer beeindruckenden Klangvielfalt, die sowohl strikte Genre-Liebhaber als auch Musikkenner aus anderen Schubladen ansprechen wird. Besonders Fans von legendären Klassikern wie Jimi Hendrix, Black Sabbath oder Pink Floyd, aber auch Anhänger aktueller Szenegrößen wie Earthless, The Atomic Bitchwax oder Elder sollten bei ROBOT GOD voll auf ihre Kosten kommen. Die Band schafft es tatsächlich, die Einflüsse dieser unterschiedlichen Acts zu vereinen und daraus einen eigenständigen, zeitgemäßen Sound zu formen. Das originelle Trio von Down Under besteht aus Matt Allen (Mother Mars/Los Hombres/Way of the Wolf) am Bass, Tim Pritchard (Mother Mars) am Schlagzeug und Raff Lacurto (Thum-lock/Arrowhead/The Dirty Earth) an der Gitarre. Alle drei bringen viel Erfahrung mit und bilden gemeinsam sozusagen eine „kosmische Einheit“ – ihre Live-Sets sollen zugleich eine beeindruckende Mischung aus mächtiger Klangwand und spirituellem Erlebnis sein. Wer spacige Blues-Jams und von Sabbath inspirierte Riffs liebt, wird sich dem Bann von ROBOT GODkaum entziehen können.
Im Songwriting setzen ROBOT GOD auf viele unerwartete Wendungen und erschaffen eine opulente, mit viel Fuzz durchzogene Klanglandschaft. Live haben ROBOT GOD die Bühne bereits mit zahlreichen namhaften lokalen und internationalen Acts geteilt, darunter Greenleaf (Schweden), Yob (USA), Sasquatch (USA), Deville (Schweden), Brant Bjork (USA), Witchskull, Emu, Rollerball, Arrowhead sowie Jack Harlon and the Dead Crows.
Auch die neue Scheibe macht nach den ersten Minuten wird klar: Dieses Album ist kein Nebenbei-Produkt. Die Australier setzen erneut auf ausgedehnte Arrangements, die sich langsam entfalten und ihre Wirkung eher über Dichte als über Dynamikwechsel erzielen. Die Gitarren sind massiv, aber nie stumpf; sie schweben oft in einem Delay-getränkten Raum, während der Bass das Fundament legt und das Schlagzeug stoisch vorantreibt. Interessant sind auch die spacigen, fast schon meditativen Passagen. Synthesizer und Effekte werden so eingesetzt, dass beinahe ein cineastischer Eindruck entsteht – als würde man sich durch ein langsam expandierendes Universum bewegen – natürlich auf eine durchaus brachiale Weise, wie ein in der Atmosphäre lautstark verglühender Kometenschwarm.
Im Vergleich zu den früheren Werken wirkt das Songwriting reifer, die Übergänge sind fließender, Spannungsbögen klarer definiert. ROBOT GOD vermeiden es, sich in endlosen Jams zu verlieren, und geben den Stücken eine erkennbare Dramaturgie – ohne dabei ihre hypnotische Grundästhetik zu opfern. „Onto The Afterlife“ ist kein Album zum nebenbei hören, sondern für geduldiges Eintauchen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer dichten, fast transzendentalen Klangreise belohnt. ROBOT GOD festigen damit ihren Status als ernstzunehmende Größe im psychedelischen Doom/Space-Rock-Kosmos und zeigen eine Entwicklung hin zu mehr Tiefe und klanglicher Präzision. Reinhören kann man bei Bandcamp und es gibt auch ein paar schöne limitierte Vinyl-Editionen in wilden Farben bei kozmik. (Jens Müller)
Tracks:
1. Soldier of Love
2. Onto the Afterlife
3. Cerebral Annihilation
4. I am the Night
5. Long Goodbye
Reinhören und Folgen:
robotgodband.bandcamp.com
instagram.com/robotgod_band
facebook.com/RobotGodBand
youtube.com/@robotgod2608
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