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Old Man`s Will – Old Man`s Will

Old Man's Will - Old Man's Will - Artwork(co) Mit ihrem selbstbetitelten Album legen Old Man’s Will ihr Debüt vor, das kaum klassischer sein könnte. Richtig viel Feeling in Sachen Hard Rock – und dieses Baby dann mit viel Blues im Brei gefüttert, dann wird es richtig rund. Gefährlich ist hier leider der Hype: Im Moment geht einfach sehr viel vor in der Szene für klassische, blueslastige Hard Rock-Sounds. Vielleicht sogar noch mehr als damals, als sie noch modern und nicht klassisch waren? Und so sind Old Man’s Will dann auch recht modern-klassisch aufgestellt: Heftiger als damals, aber genauso melodiös an den Lead-Instrumenten, die markante, aber sympathische Stimme von Sänger Benny Åberg und groovige Drums mit Einlagen von Schellenkränzen und Klimmbimm.
Heavy ist hier vor Allem der Bassmann Tommy Nilsson: Schön röhrig und fuzzig spielt er sich dann und wann gut in der Vordergrund und entwickelt viel Feeling für den Song. Dabei wirkt der Dicksaiter nie aufgesetzt oder übertrieben experimentell, was den klassisch-modernen Stil wunderbar unterstreicht. Und wer kennt hier Gin Lady? Die Frage ist berechtigt, hört man doch auch bei Old Man’s Will Klas Holmgren an der Klampfe, der hier besonders klassische Arbeiten abliefert und sich wunderbar mit dem schon gerade aufgegriffenen Bass zusammentut. Der Mix ist dabei so fett, dass „klassisch“ nicht leicht daher gesagt werden kann.

Fängt die Platte an, sich zu drehen, erschallen erst mal ziemlich gewohnte Töne. Die ersten beiden Songs klingen wie von den Szenegrößen gespielt: „Ellington“ und „The Cauldron“ gehen besser runter als kaltes Wasser in der Wüste. Allerdings hört man zwar, dass Old Man’s Will hier ihr eigenes Ding durchziehen, aber die letzten Jahre haben einfach viele Bands in die Szene katapultiert und noch wirkt „Old Man’s Will“ etwas vorgekaut. Der dritte Track, „Sea“, ist virtuos, gefühlvoll und bluesig-röhrig und damit können die Schweden schließlich ihre Eigenständigkeit immer mehr durchsetzen. In Midtempo-Songs zeigt die Band mehr Raffinesse und Speilfreude – was sich auch bei den Balladen auf der Platte noch bestätigt.
„Why deprive me“ ist grooviger als die vorangegangenen Lieder, erinnert aber zu Beginn stark an Graveyard. Am Mikrofon zeigt der gute Mann hier große Performance und das starke Songwriting verhindert aber doch noch, dass der Song geklont klingt.
Die Balladen auf der Platte sind dann ein wahrer Schatz: Sie wirken nicht wie eingestreut oder klingen nach „jetzt brauchen wir was ruhigeres“. Die Schweden liefern mit „Smidesvals“ und am Ende „ALidhem“ ausgestaltete Werke, die sich durchsetzen können. „Smidesvals“ besticht durch die markante Hammond-Orgel, die sehr vordergründig abgemischt wurde. Die Temposteigerung am Ende reißt den Song nochmal hoch und es gibt bestimmt einige Schweden, die dann gerne mitsingen – Nicht-Schweden werden es vielleicht trotzdem versuchen.
Bisschen mehr Roll im Rock? Geht auch: „Judgement Day“ liefert langsame, kraftvolle Parts, die in den klassischen Grooves aufgehen und so eine Atmosphäre von Road-Movie aufkommen lassen.
Wer glaubt, die großen Zeiten der Midtempo-Rocksongs, die sich mit Männlein/Weiblein beschäftigen seien vorbei, sollte sich ganz dringend mal „Evil Lady“ zu Gemüte führen. So sahnig, so extravagant und so fantastisch wird hier gearbeitet. Die ehrliche, charaktervolle Stimme mit ihrem nicht allzu leichten Overdrive-Effekt harmoniert perfekt mit dem fetten Bass und der tränentreibenden Gitarre. Ganz großes Ding und bester Song der Platte!
Das Ende der Platte besteht mit „An Ennobling Evening“ und „ALidhem“ aus einem richtig starken Midtempo-Stück und einer Ballade und damit können Old Man’s Will zum guten Schluss noch einmal zeigen, was sie so richtig gut können: Klassisch, gut modernisiert, gefühlvoll und durchsetzungsstarke Songs mit Charakter, Einfallsreichtum und Spielfreude! Das Gitarrensolo in „An Ennobling Evening“ ist zwar kurz, aber ein echter Hinhörer und eine wirkliche Erweiterung, um am Ende wirklich nochmal alle Register zu ziehen. Und während es bei anderen Bands gefährlich wäre mit einer Ballade zu Enden, klingt das hier einfach nur nach „Mehr“ und macht einen traurig, dass die Platte durchgespielt ist, was die etwas unballadig harten Zwischenparts nur untermalen!

Für Old Man’s Will sind Vergleiche mit anderen Bands wahrscheinlich ein Problem. Zu schnell werden sie wohl zwischen oder nach Graveyard und anderen Szenegrößen genannt werden, was wirklich schade ist. Mit ihrem selbstbetitelten Album schaffen sie eine wunderbare Sphäre guter Musik, die nicht ausgelutscht klingt und auch nicht vom Kopierwahn geprägt ist.

Leider leidet auch hier eine Heavy Blues Rock Band an einer typischen Genrekrankheit: Der Spieldauer. Die Platte ist gerade mal knapp 34 Minuten lang. Wieder schade, da die Stücke Lust auf mehr machen. Und auch wenn die CD gut aufgebaut ist (und dankbarer Weise hier nichts Halbgares serviert wird), grübelt man dann doch über die Begriffe LP und EP nach…

Besondere Empfehlung bei dieses Platte geht für mich an Liebhaber von schönen Bassarbeiten – das geht gut runter und verzichtet auf „Achso, wie bei …“-Effekte, was letztlich auch einer der Dinge ist, in denen sich Old Man’s Will von anderen Bands dieses gehypten Genres absetzen können (s.o.). ….(Colin)

Old Man`s Will 

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Oktober 2013
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