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Arcana 13 – Danza Macabra

(js) Ihr kennt das – beim Stöbern in Plattenläden ist es ab und an nicht der Interpret/die Band selbst, die einen veranlasst sich mal mit dem Album zu beschäftigen, sondern bisweilen einfach das Frontcover. Ähnlich erging es mir bei meiner erste Zusammenkunft mit Arcana 13 (Arcana 13 ist im Übrigen die Tarot-Karte, die für den Tod steht). Als absoluter Freund okkulter Musik sowie auch des italienischen Horror-Thrash-Kinos der 60er, 70er und insbesondere 80er Jahre, zog mich zu aller erst jenes Cover in seinen Bann. Ohne zu diesem Zeitpunkt bereits zu wissen, wie sehr meine Leidenschaft in zweifacher Hinsicht bedient werden sollte.

Dieses Cover wurde nämlich gezeichnet von keinem Geringeren als dem legendären Enzo Sciotti. Dieser Signore Sciotti zeigte in jenen Jahrzehnten auch verantwortlich für unzählige Filmposter. Unter anderem für viele Flicks des italienischen Thrashkönigs Lucio Fulci (u.a. „Das Haus an der Friedhofsmauer“ sowie „Ein Zombie hing am Glockenseil“) oder des Giallo-Spezialisten Dario Argento („Phenomena“). Lange Rede, kurzer musikalischer Sinn bis dato. Aber man mag mir verzeihen, dass ich diesen cineastischen Schwenker in meine Musikrezension geradezu mit einbauen musste.

Als sei dieses Momentum noch nicht erfreulich genug, zeigte sich alsbald, dass Arcana 13 mich auch musikalisch in ihren Bann zu ziehen vermochten. Dieses Debutalbum der vier Italiener ist ein gigantischer Koloss aus okkulten Parts, doomigen Breitseiten und Riffgewittern, die einst auch Iommis Saiten hätten entsprungen sein können. Eine wunderbare Mixtur aus musikalischem Hochgenuss und einem Horror-Ambiente, was sich auch dadurch zeigt, dass einige Songs von Original-Filmpassagen aus Argento- oder Bava-Flicks eingeleitet oder auch mal durchsetzt sind.

Musikalisch darf man die großartigen Harmonien der schwedischen Ghost heraus hören, hier ein wenig Pentagram, dort Sleep und häufig natürlich auch Black Sabbath. Aber niemals plagiatorisch, sondern stets eigenständig und stimmig. Fuzzig-doomige Gitarrenlinien, knurrige Bässe und ein wunderbar lebendiges Schlagzeug werden immer wieder mal eingebettet in Orgelharmonien und psychedelische Geräuscheffekte, die jedem italienischen Oldschool-Horrorfilm entsprungen sein könnten. Die Schicksalhaftigkeit und das Entsetzen sind nahezu in jedem gespieltem Ton, in jeder gesungenen Silbe deutlich vernehmbar. Passend dazu stehen für die acht Songs des Albums jeweils auch acht Horrorfilme dieser frühen Ära Pate.

Schon der Opener „Dread Rituals“, als Intro bietet er Samples aus Mario Bavas „La Maschera del Demonio“, verquickt Sabbath-eske Saitenarbeit mit Papa Emeritus ähnlichen Harmonien und gibt fast schon ein falsches Bild von dem ab, was auf dem Album noch folgen wird. „Arcane XIII“ ist wie fast jeder Song abwechslungsreif und bietet ein catchy Stoner-Riffing sowie perfekte Gesangsharmonien, die immer wieder mal in doomige Gewässer abtauchen sollen. Weiter geht’s mit dem super-hooky „Land of Revenge“. Auch hier kommt Langeweile nicht auf, weil dieser Song durchsetzt ist von vielen Wechseln der Tempora und man partiell sogar meint, bluesige Wurzeln erkennen zu können. Dazu dieser famose Gesang, der hier wie ein Bastard aus jenem bereits erwähnten Papa I-III und dem Orchid-Shouter Theo Mindell daher kommt.

Musikalisch betritt man mit „Oblivion Mushroom“ fast schon recht spacerockigen Boden, der sich ebenfalls nicht zu schade ist, immer wieder mal durch feinstes Doomriffing wieder zertreten zu werden. Das im Anschluss folgende Instrumentalstück „Suspiria“ ist im Grunde eine weitere Hommage ans italienische 80er Horrorkino. Ist es doch eine Coverversion des Titeltracks des Soundtracks zum gleichnamigen Argento-Flick. Irgendwie schafft man es dabei, das Original der Band „Goblin“ in Ehren zu halten, es gleichwohl aber zu entgiften, um es mit den eigenen toxischen Ingredienzen ihres gespenstischen, musikalischen Angriffs zu versetzen. Wunderbar unheimlich

Die folgenden „Blackmaster“ und „The Holy Cult Of Suicide“ sind ein Muss für all diejenigen, die sich am 70ies Hard- und frühen Doom-Rock a là Pentagram nicht satt hören können. Insbesondere Letzterer wird von einem eindringlichen Gesang und einer Vielzahl harter Riffs durchzogen. Ein wenig erinnert diese Melange gar an den einen oder anderen Danzig-Song. Abschließend warten Arcana 13 noch mit dem vielleicht gruseligsten Track auf. „Hell Behind You“ wirkt auf mich wie ein hart arbeitender, sich dahin schleppender, unheimlicher Trauermarsch, getrieben von einem (todes-)sehnsüchtig klingenden Gesang. Perfekt in Szene gesetzt und begleitet von LedZep/Sabbath Riffs, die eine fast schon vernichtende Atmosphäre erzeugen. Wohlwollend düster irgendwie.

Auch wenn man mit dieser Band bis dato namentlich vielleicht noch nicht viel anfangen kann und dieses ja auch ein Banddebüt ist, handelt es sich doch allesamt um gestandene Musiker. Sänger und Gitarrist Andrea Burdisso spielt nebenher noch bei VOID OF SLEEP, während der zweite Gitarrist Simone Bertossi bereits bei den Dänen von MNEMIC in Erscheinung trat. Bassist Filippo Petrino spielt zudem bei den italienischen Fuzzern STONED MACHINE.

Man mag mir nun vorwerfen, dass mein Hang zum übernatürlichen, italienischen Kino der 60er, 70er und auch 80er Jahre mich nicht vorurteilsfrei diesem Album gewidmet habe. Aber dem entgegne ich, sich einfach selbst einmal ein Ohr zu machen. Oder zwei. Denn dieser cineastische Bezug rundet ein für mich perfektes Bild zwar ab, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die musikalische Arbeit allein, mich ebenfalls vom Hocker gestoßen hätte. Da bereits Anfang 2016 erschienen, ist für mich „Danza Macabra“ in den mehr oder minder erlauchten, aber numerisch engen, Kreis meiner absoluten Lieblingsalben des Vorjahres aufgestiegen. Es paart eben auch musikalisch viele meiner Vorlieben. Geiles Riffing mit einer gehörigen Sabbath-Breitseite, melodisch-okkulte Gesangsparts, ein bisweilen echtes Doomgewitter und auch einige wenige psychedelische Parts. Und viel besser lassen sich meines Erachtens unheimliche cineastische Atmosphären mit Elementen grandioser Rockmusik kaum verquicken. Großartig!

Dieses Album besitzt in meinen Ohren nicht nur Kraft, sondern vor Allem unglaublich viel Seele. Und seien es die vom Beelzebub selbst entwendeten. Es ist klassischer Heavy Doom, gespielt von vier erfahrenen Musikern, denen man zweifelsohne abnimmt, dass sie dieses Album aus Überzeugung und insbesondere mit Leidenschaft eingespielt haben. Wie ernst sie diese Thematik aufbereitet haben, zeigt sich dann doch, und somit schließt sich hier der rezensorische Kreis, dass man mit dem Illustratoren und Zeichner Enzo Sciotti als Covergestalter ein rundum perfektes Gesamtkunstwerk geschaffen hat. Dem Albumbesprecher sei gestattet, hier noch freudestrahlend zu erwähnen, dass er eine frühe „Limited Edition“ dieses Albums ergattert hat, die in einer Samtbox ausgeliefert wurde. Und zudem ein Poster des Albumcovers enthält, die vom „Godfather of Horrorcovers“, jenem Maestro Sciotti, original unterzeichnet ist.
Tracklist:
1. Dread Ritual
2. Arcane XIII
3. Land Of Revenge
4. Oblivion Mushroom
5. Suspiria (Goblin Cover)
6. Blackmaster
7. The Holy Cult Of Suicide
8. Hell Behind You
https://www.facebook.com/arcanatredici/?fref=ts
http://www.arcana13.it/
https://arcana13.bandcamp.com/merch/limited-edition-velvet-music-box https://www.youtube.com/watch?v=YSmWHCDuEuw https://www.youtube.com/watch?v=gtJCmh2lYVQ

 

 

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