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Plattenladenspaziergang I – Haithabu Vinyl (Schleswig/DE)

Epilog
(tn) Vor dem Plattenregal stehend suche ich eine schon etwas ältere Reggae-Scheibe. Sie war schon beim Kauf nicht gut erhalten, sehr wellig und auf meinem Plattendreher eigentlich nicht mehr abspielbar. Es ist „Harder Than The Rest“ (1978) von „Culture“, ein Klassiker aus den Siebzigerjahren, der eigentlich in keinem Reggae-Regal fehlen sollte. Die Scheibe war kurz nach ihrem Erscheinen auf obskuren Wegen als Direktimport aus Jamaika in einem VW-Bus in der norddeutschen Provinz gelandet – bei einem meiner beiden Plattenläden, die ich während der Schulzeit in Schleswig einmal die Woche aufsuchte. Das war wohl 1979.

Überraschenderweise steht die Scheibe nicht mehr im Regal und vielleicht, ich erinnere es nicht mehr, hatte ich mich damals ja doch getraut, „Harder Than The Rest“ umzutauschen. Dafür mussten 1979 die Vinyl noch an der Innenhülle mit einem Klebesiegel versehen werden, das eigentlich alle Innenhüllen von den Tonträgern aus Vinyl ziert, die man von Eltern oder Verwandten geschenkt bekam – also alle die, die keine Ahnung hatten, wie der Musikgeschmack des Beschenkten sein könnte. Leider ist hier keine Spur mehr zu finden. Und eigentlich war ein Umtausch nicht möglich?
Spaziergang
Sechzig Mark Taschengeld steckten als vierzehn- und fünfzehnjähriger den Horizont für die monatlichen Plattenkäufe. Vier Scheiben zu maximal fünfzehn Mark. Weitere Inspiration und Anregung für den Plattenkauf waren damals der Horizont des Plattenladenbesitzers des Vertrauens und die neueste Ausgabe der „Sounds“ (siehe dazu im Archive der „Sounds“: http://www.sounds-archiv.at). In Schleswig der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre waren das Radio Voigt und ein etwas schrottiger Plattenladen mit dem Schwerpunkt Punk und Reggae im Lollfuß, in der Nähe der jetzigen Hausnummer 21. Dort findet man seit noch nicht so langer Zeit „Haithabu Vinyl“, das mit einer gehörigen Portion Optimismus von Michael Teuber eröffnet worden ist.

Abb. 1: Haithabu-Vinyl in Schleswig, Lollfuß 21

Was soll man sagen: nach knapp vierzig Jahren in der Stadt, in der man sein erstes Vinyl gekauft hat, wieder den Plattenladen zu finden und zu betreten, hat natürlich etwas Nostalgisches, aber auch etwas Spannendes. Gibt es so weit in der Provinz interessante Plattenbestände, in denen sich das Suchen lohnt? Lokales Vinyl? Was sind die musikalischen Schwerpunkte vor Ort? Läuft der Laden und gibt es genügend Vinyl-Freaks, die den Laden am Leben erhalten?

Abb. 2: Vinyl mit „Wikingturm“, dem unhübschen Schleswiger Wahrzeichen, Punk aus der Region mit „Nordschrott“, „Vamos Blatella“ und den „Filibusters“; Various, Minimus Rock‘n‘Roll Volume 1 (2006)

Schnell wird man fündig: „Nordschrott“ auf einem Sampler mit dem Schleswiger Wikingturm auf dem Cover. Man kommt ins Gespräch. Das ist nicht in jedem Plattenladen so, aber mit ein paar interessanten Fragen kann man Michael für ein Gespräch über Vinyl, Musik und seinen Laden begeistern. Immer wieder kommen Kunden in den Laden, viele Stammkunden – sie steuern gezielt einzelne Bereiche im Laden an. An ein paar Stellen ist das Vinyl noch nicht einsortiert, nicht ausgezeichnet. Michael: „Es wird immer mehr und alleine ist es schwierig, alles zu machen.“ Also gibt es „Dinge“, die noch nicht einsortiert sind: „Könnte sein“, bestätigt der Besitzer! Hier haben die Parteien vor und hinter der Ladentheke genügend Zeit. Und hier nimmt der Vinyl-Verkauf kontinuierlich zu – endlich auch einmal eine gute Wirtschaftsnachricht aus dem Norden. Krautrock und Heavy Rock liegen bei den Kunden weit vorne – auch eine erfreuliche Nachricht.

Abb. 3: Die Empfehlung des Hauses: „Rezet“, Trash-Metal aus Schleswig, mit Unterschriften aller Bandmitglieder (2016);

Auch mit anderen Vinylisten im Laden kommt man ins Gespräch, etwa über die Vorteile von „Mono“-Pressungen der Sechzigerjahre oder über obskure Krautrock-Alben. Die anderthalb Stunden gestalten sich als sehr unterhaltsam.

Und ob man jetzt öfter vorbei schauen wird, fragt ein interessierter Kunde, offensichtlich Schleswiger, der mal eben mitgehört hat? Nun ja, die Anfahrt ist etwas weit, aber wenn man im Norden ist, wird ein Besuch wohl künftig zum Pflichtprogramm gehören…..(thomasneumann)

Abb. 4: Schnäppchen in 1A Zustand: The Ventures, Runnin‘ Strong (DE, 1968)

Plattenladen: Haitabu Vinyl
Besitzer: Michael Teuber
Adresse: Lollfuß 21, 24837 Schleswig (DE)
Schwerpunkt: Vinyl, auch CDs, lokale Bands. Genres: Metal, Punk, Pop, Achtzigerjahre Wave, Rock, Jazz, ein wenig Klassik, kaum Elektronik.
Preise: Sehr moderat, Schnäppchen sind möglich.
Web FB: Haithabu-Vinyl
Web Ebay: mitschi18872010

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