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David Crosby – Sky Trails

(hwa) Hier liefert Crosby (75) sein Meisterwerk ab. Sozusagen als Höhepunkt seiner Trilogie mit „Croz“ (nach 20jähriger Solopause) in 2014, „Lighthouse“ in 2016 und dem aktuellem „Sky Trails“. Crosby ist durch diverse Drogenhöllen gegangen und war gesundheitlich schon abgeschrieben. Seine Lebertransplantation und seine Samenspenden, wobei die für Melissa Etheridge durch Melissas Buch öffentlich wurde, haben Crosby offensichtlich mit Demut erfüllt. Mittlerweile ist er so cool und entspannt, dass Drogen (zumindest die harten) obsolet sind…

Crosby zählt rock- und pophistorisch zu den größten Songwritern aller Zeiten.

Er war und ist der Großmeister für nachhaltige Melodien. Sein Satz-und Harmoniegesang haben ihn bei Crosby, Stills, Nash & Young – The Byrds nicht zu vergessen – unsterblich gemacht. Er wurde deshalb zu Recht zweimal in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen.

Bei „Sky Trails“ liefert Crosby erneut ab, was nur den wenigsten gelingt, nämlich einen zu Tränen zu rühren. Es ist ein Album an der Schnittstelle von Crosbys Selbstverständnis und der Danksagung an seine musikalischen Weggefährten. Dazu zählen neben den oben Genannten auch seine Ex-Geliebte Joni Mitchell und – wie sich nun herausstellt – auch Steely Dan.

Der Opener „She’s Got To Be Somewhere“ hätte mich schwören lassen, hier wäre Steely Dan als Begleitband anwesend gewesen. Indes ist es „nur“ ein Backgift an eine Band, die mich in den 70ern mit ihrem Oeuvre scheinbar ebenso wie Crosby gefangen nahm: „Ich habe Steely Dan von der ersten Note an geliebt“, gibt Crosby zu Protokoll. Genau bei dieser Schnittstelle zwischen Rock und Jazz erkenne ich bei Crosby & Band Anklänge an Steely Dan’s „Peg“ oder „FM“ im Opener wieder.

Beim von ihm und Becca Stevens zusammen geschriebenen Titelsong (Track 02) wird’s noch romantischer. Hier hören wir wieder den gewohnten „Folkman“ Crosby mit Hang zu unsterblichen Melodien. Denn das, was Crosby mit Becca Stevens akustisch zum Besten gibt, ist gefühlsmäßig der direkte Rückgriff auf Joni Mitchell. Speziell in der Art, wie sie zu komponieren und zu singen pflegt. Stevens Timbre gleicht der von Mitchell wie ein Zwilling dem anderen. Spektakulär!

Apropos Joni Mitchell: ihr Song „Amelia“ (Track 07) – ursprünglich auf „Hejira“ erschienen – kommt hier auch vor und ist das einzige Sky Trails-Cover.

Ich möchte eigentlich Weiteres nicht vorwegnehmen, weil sich „Sky Trails“ für eine Entdeckungsreise in den Crosby-Kosmos voller Harmonien (einer Wundertüte nicht unähnlich) wieder einmal bestens eignet. Aber dennoch: Ein paar Sätze zu „Home Free“ (Track 10) gehören hier noch unbedingt hinein.

Crosby schrieb den Song für einen Kinofilm, der auf einer wahren Geschichte von Susette Kelo aus Connecticut basiert. Nachdem Kelo ihr geliebtes kleines Haus umgebaut hatte, wurde sie von der Regierung mit einem Enteignungsverfahren überzogen, weil Pfizer (ein weltweit operierendes Pharmaunternehmen) auf Kelos Gründstück ein Werk hinstellen wollte, das aber letztlich nicht gebaut wurde. Kelo klagte gegen Enteignung und Räumung beim Obersten Gerichtshof – und verlor!

Crosbys Freund Jeff Benedict schrieb ein Buch darüber. Und als das Buch verfilmt wurde, bat er Crosby, einen Song zu „Little Pink House“ beizutragen. Das ist Crosby grandios gelungen.

Wie auch die Idee, Steve Tavagliones geradezu süchtig machendes Sopransaxofon in vielen Tracks zum Klingen zu bringen. Es ist ohne Zweifel das Salz in der Suppe.

Diese süße ätherische Sanftheit ist zusammen mit Crosbys und Stevens Vocals im Titeltrack das Highlight des Albums. Neben “She’s Got To Be Somewhere”, „Sell Me A Diamond“, „Somebody Home“ und „Home Free“. Bei “Home Free” gibt es kein Saxofon, nur Klavier, Akustikgitarre und Crosbys anklagenden Gesang.

Dem Grunde nach ist das gesamte Album, das vom Multiinstrumentalisten und Crosbys Sohn James Raymond produziert wurde, ein einziger akustischer Ohrenschmaus!

(Heinz W. Arndt)

Musicians:

David Crosby (Vocals & Guitar)

James Raymond (Keyboards)

Mai Agan (Bass)

Steve DiStanislao (Drums)

Steve Tavaglione (Saxophone)

Associate Musician:

Becca Stevens (Co-Author & Vocals on Track 02)

Tracks:

01. She’s Got To Be Somewhere (04:46)

02. Sky Trails (04:51)

03. Sell Me A Diamond (05:29)

04. Before Tomorrow Falls On Love (03:52)

05. Here It’s Almost Sunset (03:54)

06. Capitol (06:57)

07. Amelia (05:39)

08. Somebody Home (04:39)

09. Curved Air (04:45)

10. Home Free (05:41)

David Crosby “Sky Trails”

BMG Rights Management

VÖ: 29. September 2017

http://www.davidcrosby.com

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