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Pree Tone – Kiddy

(as) Diese Ukrainer haben mehrere Umbesetzungen überstanden – die Originalmitglieder fanden 2014 zusammen – und seitdem einen längeren stilistischen Weg zurückgelegt, zumindest wenn man sich „Kiddy“ im Vergleich zum „Pree Tone“-Debüt „Brights“ zu Gemüte führt. Die rasche Entwicklung rührt vermutlich daher, dass die Musiker ungeachtet des Krieges in ihrer Heimat emsig Konzerte geben und schon mehrere EPs herausgebracht haben (besonders empfehlenswert: „L‘Illustré“ mit zwei Longtracks).

Wie dem auch sei, die sechs allesamt etwas längeren Stücke auf ihrem aktuellen Album holen verloren geglaubte Tugenden zurück ins Bewusstsein einer zumindest kleinen Hörerschar, denn viele potenziell Interessierte dürften gar nicht erst auf die Band stoßen. Leider, muss man sagen, denn „Kiddy“ ist ein unbedingt hörenswerter und liebenswürdiger Anachronismus mit hypnotischem Gesamtcharakter. Das Klangbild prägen speziell noisige Gitarrenwände, wie sie die frühen Alternative-Pioniere aus den Vereinigten Staaten ab etwa Ende der 1980er aufspannten, seien es „Hüsker Dü“ oder natürlich „Sonic Youth“; ein gewisses Post-Punk-Flair ist folglich auch nicht von der Hand zu weisen.

Da der Gesang bei der Nachproduktion der Tracks leicht in den Hintergrund gemischt wurde, verhärtet sich der ohnehin schnell aufkommende Eindruck zusätzlich, man begleite die Musiker auf einem wilden Ritt teils kathartischer, teils konträr dazu berechnender Art. Wie „Pree Tone“ nämlich zwischen schierer Lautstärke und andererseits geradezu zerbrechlich anmutenden Segmenten hin und her flippern, scheint exakt so vorgesehen zu sein.

Der inhaltliche Rahmen, den das Quartett dabei vorgibt – die Texte erzählen Storys aus der Perspektive von Kindern –, kann man beim Hören gänzlich außer acht lassen, weil die Songs auch so funktionieren. Das soll wiederum nicht heißen, der Gesang sei unerheblich, auch wenn die packenden Dynamik-Extreme letzten Endes den Hauptreiz des Ganzen ausmachen. Käme die Combo aus den USA oder Großbritannien, wäre sie wahrscheinlich gleich deutlich „hipper“.

Label: BNiL

http://noname666.bandcamp.com

Treasures Fall 06:32

Maze of 60 Ticks 07:04

Safe and Sound 08:36

Token 07:40

Diadam 07:35

Bricks 04:22

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Alternative, Rock,

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