rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Palila – Are We Happy Now?

(as) Nicht einmal eine Viertelstunde brauchen „Palila“, um sich mit „Are We Happy Now?“ in die Herzen mehr oder weniger aller Fans von leichtfüßigem Indie Rock mit zeitlosem Anspruch zu spielen. Dazu genügen den klassisch als Trio aufgestellten Jungspunden nichts weiter als vier Songs.

Auf dieser EP klingen ganz frühe „R.E.M.“ oder die vergessenen Underground-Helden „Mind Sirens“ an, bloß ohne jegliche Larmoyanz; stattdessen erweist sich der Dreier schon nach kurzer Zeit als Ausbund realistischer Lebensfreude, die melancholische Untertöne nicht ausschließt – denn im Alltag geht es eben nicht immer nur bergauf.

Die zwischen drei und vier Minuten dauernden Songs nehmen sich gegenseitig wenig bis nichts; „Palila“ feiern eine spürbar innige Liebe zu altem Indie Rock und haben in Person von Gitarrist Matthias Schwettmann einen Sänger, der sich rasch zu einem charismatischen Frontmann entwickeln könnte. Seine nur scheinbar naive, helle Stimme macht einen Großteil des hohen Identifikationspotenzials aus, das die Gruppe vom Start weg zu besitzen scheint.

„Control“ sticht auf der übrigens sympathisch in bester „do it yourself“-Manier vervielfältigten CD-R, die in einfach in einem griffig rauen, von Hand mit Download-Code beschrifteten Karton steckt, insofern hervor, als „Palila“ ihren Stil hier mithilfe eines Synthesizers fast bis in die Space-Rock-Höhen von Hawkwind überführen. So heavy wie die Briten werden sie dabei natürlich nie.

Kurzum: Die Refrains könnten in Zukunft noch einen Tick deutlicher voneinander unterscheidbar und leichter zugänglich sein, genauso wie die Produktion eines Nachfolgers respektive vollständigen Albums gern druckvoller ausfallen darf. Ihr mögt nette Jungs von nebenan sein, doch wer so charmante Melodien verbricht und ausnahmslos bombenfeste Songarrangements abliefert, sollte sich in bestmöglichem Soundambiente Gehör verschaffen.

Das abschließende „Sundays“ – unser subjektiver Anspieltipp – hämmert schließlich eindringlicher, als man es spürt.

Andreas Schiffmann

Rock ‘n Roll Fantasy Records/20.9.

http://www.palila.bandcamp.com

14:13

Evacuate

A Yell

Control

Sundays

Matthias Schwettmann (v/g)

Christoph Kirchner (b/v)

Manuel Tröndle (d/v)

Filed under: Album Reviews, Indie,

%d Bloggern gefällt das: