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The Kinks – Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One

(hwa) The Kinks veröffentlichen “Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One” – 50th Anniversary-Neuauflage – am 11. Dezember in verschiedenen Formaten via BMG.

Es handelt sich um das achte Studioalbum der Kinks. Das im Jahr 1970 aufgenommene und veröffentlichte Konzeptalbum war seiner Zeit weit voraus: Eine kritische, satirisch angehauchte Betrachtung der Musikindustrie mit ihren Musikverlagen, Gewerkschaften, Presse, Buchhaltern, Managern und dem Leben auf Tour. Ein Kinks Alltime-Klassiker!

Um das 50th Release-Jubiläum standesgemäß zu feiern, erscheint „Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One“ nun als erweitertes und digital remastertes Deluxe-Boxset, als Einzel-LP, als Deluxe-Doppel-CD, als Einzel-CD sowie in digitaler Form. Im Einzelnen:

  • Limited Edition, Deluxe 10” Slipcased Book-Pack (enthält ein 60-seitiges Buch, 3 CDs, zwei 7”-Singles sowie vier Farbdrucke)
  • 1LP Gatefold Cover
  • 2CD Hardcoverbook
  • 1CD Softpack
  • Digital
  • HD Digital
  • D2C Limited Edition Exclusives (gratis zu Boxset-Bestellungen) mit 7”-Single sowie Emaille-Anstecker

Das Album erschien 1970 während einer für die Band wechselvollen Übergangsphase. Verursacht durch einen Streit mit der US-Musikergewerkschaft kam es zwischen 1965 und 1969 zu einem Auftrittsverbot der Kinks, der den Erfolg in den Staaten zwischenzeitlich auf Eis legte.

Aber es gab noch weitere Baustellen. Der Text von „Lola“ führte zu Unmut und galt als anstößig. Besungen wird ein Date eines heterosexuellen Mannes mit einem Transvestiten („walked like a woman and talked like a man“). Zusätzlich sorgte eine unterstellte Coke-Schleichwerbung für Ärger („where you drink champagne and it tastes just like Coca-Cola“). BBC und notgedrungen auch das Pye-Label setzten durch, dass für die Single-Auskopplung „Coca-Cola“ durch „Cherry-Cola“ ersetzt wurde. Nichtsdestotrotz unterlief „Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One“ diese unschöne Gemengelage nachhaltig.

Das Album wurde nicht nur von Fans und Kritikern gefeiert, sondern entwickelte sich auch zum kommerziellen Erfolg weltweit. Es stieg in die Top 40 der US-LP-Charts ein und verhalf den Kinks zum Neustart in den Staaten. Aus dem Longplayer gingen zwei Hit-Singles hervor: „Lola“ stieg auf Platz 9 in den amerikanischen Single-Charts sowie auf den 2. Platz in Großbritannien und Deutschland ein – der größte Erfolg der Kinks seit „Sunny Afternoon“ aus dem Jahr 1966. Die zweite Hit-Auskopplung „Apeman“ kletterte bis auf Platz 5 in UK und Deutschland.

Wenn ich mir das Album erneut anhöre, stelle ich keinen signifikanten Qualitätsverlust von damals zu heute fest. Mit anderen Worten: zeitlos! Die Kinks sind und bleiben unzerstörbare Klassiker im besten Sinne. Und wenn ich mir Ray Davies‘ „Americana“-Album aus 2017 auflege, kann ich nur den Hut ziehen.

Ich kann von daher allen Nachgeborenen nur raten, sich mindestens das „Lola“-Album draufzuschaffen – gerne in Verbindung mit einer Greatest Hits Compilation der Kinks. Dann kommen von „You Really Got Me“ bis – sagen wir – „Don`t Forget To Dance“ locker 40 Tracks für die Ewigkeit zusammen („Dandy“ aus 1967 wurde sogar eine Nummer eins in Deutschland).

The Kinks haben mich nie enttäuscht. Dank allerbestem Handwerk. Von Ray Davies‘ ironisch distanzierter Herangehensweise und seiner UK-Sozialisierung ganz zu schweigen. Sophisticated at its best.

(Heinz W. Arndt)

„Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One“

BMG CAT 434CDC

VÖ: 11. Dezember 2020

In diversen Formaten erhältlich (siehe oben).

Ich habe hier das mir zugeschickte Hardcoverbook mit 2 CDs rezensiert. Insgesamt sind darauf 33 Tracks enthalten (einschließlich der ausgesuchten Alternative Versions & Mixes). Auf 24 Seiten wird das Album mit einem Text von Andy Neill produktionstechnisch nachvollzogen.

Aber mindestens genau so gut hätte ich auch das Deluxe Dreier-Boxset (49 Tracks) besprechen wollen. Darin exklusiv enthalten: Neue Medleys aus einem intimen Gespräch mit Dave Davies in Rays Küche (höchst interessant!) sowie neun neue Ray Davies-Remixe und Outtakes aus den Original-Tapes der Session, bisher unveröffentlichte Session- und Live-Tapes, Instrumental- und Akustikversionen, bisher unveröffentlichte Demos und BBC-Material.

Dennoch sage ich: Das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll. Könnte aber noch voller sein, wenn man meine Herzblut-Promotion mit dem Deluxe Box Set honorieren würde.

Im Netz gibt es zwei bemerkenswerte Videos zu sehen und zu hören. Den Auftakt zur Kampagne für das Boxset zum 50. Jubiläum macht der brandneue Ray Davies-Remix des Kinks-Tracks „Any Time“ (mit dem Titel „The Follower” feat. “Any Time” 2020 by The Kinks)

https://thekinks.lnk.to/AnyTime2020PR

Ursprünglich von Ray Davies als mögliche B-Seite für „Apeman“ komponiert, enthält „Any Time“ bisher unveröffentlichte Versionen und Auszüge aus verschiedenen Kinks-Tracks des „Lola“-Albums sowie Spoken-Word-Elemente. Zudem erinnern die aktuell gedrehten Szenen von menschenleeren Straßen und Cafes in diesem schwarz-weiss Video an lebendige und unbeschwerte Zeiten vor der Corona Pandemie.

Mit dem Comic Book Video von Biff Comics gibt es jetzt “Lola“ (2020 Remaster) auch als Comicstrip zu genießen. Faszinierend. Wie auch der Umstand, dass im Comic-Video ausdrücklich „Coca Cola“ anstatt das später eingefügte „Cherry Cola“ zitiert wird.

Anyway: die Tracklist der Original-Veröffentlichung des Albums aus 1970 lautet:

01) The Contenders

02) Strangers

03) Denmark Street

04) Get Back In Line

05) Lola

06) Top Of The Pops

07) The Moneygoround

08) This Time Tomorrow

09) A Long Way From Home

10) Rats

11) Apeman

12) Powerman

13) Got To Be Free

The Band:

Ray Davies – Gesang, Gitarre, Keyboard

Dave Davies – Gesang, Gitarre

Mick Avory – Schlagzeug

John Dalton – Bass

John Gosling – Keyboard

Zuvor waren sie zu viert, Mitte 1970 wurde das Line-up auf fünf Bandmembers aufgestockt.

(Heinz W. Arndt)

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