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Nicola Bardola – John Lennon

(hwa) Bardola (seine Ringo Starr Biografie ist hier nachzulesen) legt aus Anlass von Lennons achtzigstem Geburtstag am 9. Oktober 2020 und dessen Ermordung am 8. Dezember 1980 seine Lennon-Biografie in überarbeiteter Buchform vor.

Ich kenne Bardolas ursprüngliche Buchfassung aus 2010 leider nicht. Dennoch: Dass Bardola John Lennon insbesondere ab dem Vorwort in dessen Seele kriecht, hat bei mir ähnliche A-ha-Erlebnisse evoziert.

Wer war John Lennon? Und was macht seine Strahlkraft bis heute aus?

Darüber unterhielt sich Bardola unter anderem mit Ex-Ehefrau Cynthia Lennon und Lennons engem Freund Klaus Voormann. Ausführlich beleuchtet der Autor auch Lennons stark gewachsene Präsenz im Internet.

Lennon war Mitglied der Beatles, auch Fab Four genannt. Die haben mich und die Welt von Anfang an nachhaltig beeindruckt. (1963 kaufte ich mir „Twist & Shout“ auf Odeon vom gesparten Taschengeld und war danach Fan). Lennon war immer einer, der innerhalb und außerhalb der Band Fraktur redete. Seine Sozialisation (der Vater war Seemann und Trinker und zog sich egoistisch von der Familie zurück) – aber insbesondere der tragische Unfalltod von Lennons Mutter Julia kam für ihn zum ungünstigsten Zeitpunkt der Pubertät und machte Lennon streckenweise zum bitterbösen Zyniker.

Lennons ironischen Sprachwitz „In seiner eigenen Schreibe“ habe ich in deutscher Sprache geradezu verschlungen.

In seinem Buch macht Bardola deutlich, dass Lennon nach dem Split der Beatles mit der Gründung der Plastic Ono Band noch politischer wurde. Selbst vierzig Jahre nach Lennons Tod ziehen dessen Texte und Songs die Menschen nach wie vor in ihren Bann. „Give Peace A Chance“, „Power To The People“ oder „Imagine“ – um nur drei zu nennen – gingen in das kollektive Bewusstsein der Menschheit ein und haben bis in die heutigen Zeitläufte nichts an Relevanz eingebüßt.

Wie auch seine spektakulären Friedensaktionen. Zum Beispiel die legendären Bed-ins vor versammelter Weltpresse. Oder das „War Is Over (If You Want It)“-Spektakel. Erwähnt werden muss unbedingt auch, dass sich John & Yoko für ihren „Two Virgins“-Longplayer für das Cover vollständig nackt ablichten ließen.

Lennon war der charismatische Kopf sowohl der Beatles als auch der Plastic Ono Band (dort zusammen mit Yoko Ono), er war Politaktivist und galt als resolut und hartnäckig. Ein Leben zwischen Aggressivität und Friedenssehnsucht, zwischen Stärke und Verletzlichkeit. Er trug eine Menge Compassion in sich.

Am 8 Dezember 1980 kamen ich und meine Frau von einem Ausflug zu IKEA in Köln-Wesseling zurück. Kurz vor 19 Uhr. Und wie immer die “heute“-Nachrichten eingeschaltet. Der Moderator, dessen Namen ich leider verdrängt habe, den ich aber sehr schätzte, hatte eine rechteckige Afro-Frisur und ragte aus allen Moderatoren/Innen heraus. Er verkündete als Topmeldung, dass John Lennon vor dem Dakota Building erschossen worden sei.

Absolute Funkstille. Man begreift es nicht und ist in Schockstarre. Das muss sich erstmal setzen. Das ging nicht nur mir so. Millionen andere trauerten weltweit.

Und Bardola zitiert John Lennon im Hinblick darauf, wie er sich seinen eigenen Tod vorstelle, wie folgt: Er (Lennon) werde wahrscheinlich von irgendeinem Verrückten ausgeknipst werden („I’ll be probably be popped off by some loony“). Ich kann mir im Nachhinein gut vorstellen, wie Lennon bei jener Antwort im Zweifel gegrinst haben mag.

Aber das ist ja die Crux. Denn es hat ihn ja tatsächlich so erwischt. Es war der Mord eines gewissen Mark David Chapman, dem man im Prozess u.a. klinisch relevante Schizophrenie assistierte. Zitat Chapman: „Ich hörte Stimmen, die mir ‚do it, do it, do it‘ zuraunten.“ Im Übrigen habe Lennon Teile von Chapmans Identität geklaut. Bis heute sitzt Chapman in Sicherheitsverwahrung.

Ein Geheimnis ist bislang noch nicht gelüftet: Wo ist die Urne mit Lennons Asche abgeblieben? Wir müssen es nicht wissen. In dieser Hinsicht bin ich voll auf der Seite von Yoko Ono. Und die schweigt.

John Lennon wird in meinem Herzen immer den Platz haben, den er voller Respekt verdient.

(Heinz W. Arndt)

Nicola Bardola „John Lennon“

Erweiterte und überarbeitete Neuauflage, Herbst 2020

mit freundlicher Genehmigung des Römerhof Verlags

Zweitausendeins GmbH & Co. KG, Leipzig

ISBN 978-3-96318-080-4

320 Seiten

14,90 Euro

Was bleibt darüber hinaus noch zu sagen?

Vielleicht, dass das legendäre 2001- Merkheft mich über Jahrzehnte in die Stadt und in die 2001- Läden getrieben hat. Egal, ob Köln oder Düsseldorf: das „MERKHEFT“ war meine Bibel. Die Stadtläden wurden aufgegeben.

Mittlerweile residiert Zweitausendeins nicht mehr in Franfurt sondern als GmbH & Co. KG in Leipzig. Persönlich haftende Gesellschafterin: Kinowelt Einzelhandels GmbH.

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