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Emotionen pur, live und in Farbe: Keep your Karma mit My Sleeping Karma – Colos-Saal Aschaffenburg am 30.12. des Jahres 2024

(Haupttext jules, der kursive Text volker) Es herrschte Emotionenalarm noch und nöcher vorgestern abend im Aschaffenburger Colos-Saal denn My Sleeping Karma riefen auf zur Wiederkehr einer Band, die, wie fast keine andere auf unserem Planeten der Psych- und Stonerszene, so mit ihren zahlreichen Fans lebt, feiert, empathiert, sie herzt und liebt. Eine riesengroße gegenseitige Liebe, tiefe Achtung mit- und füreinander: man was haben wir, die im Saal versammelten, sie fast 28 Monate nach ihrem letzten Auftritt vermisst, vermissen müssen durch Steffens Krankheit und leider seinem Tod im Juni 2023. Und danach die Trauerzeit und -verarbeitung innerhalb der Band…..

Karma schläft nicht – Karma kicks ass!
Dieser Gedanke schien am 30. Dezember 2024 im Colos-Saal in Aschaffenburg allgegenwärtig zu sein. My Sleeping Karma (MSK) kehrte an diesem Abend auf die Bühne zurück, zum zweiten Mal seit dem schmerzlichen Verlust ihres Schlagzeugers Steffen Weigand am 13. Juni 2023. Zwei Abende zuvor hatten sie im Feierwerk München den 30sten Geburtstag von Colour Haze und ein bisschen auch ihre eigene Wiedergeburt feiern dürfen.
Heute gaben sich Lucid Void aus Darmstadt in bayerisch Nizza die Ehre, und eröffneten für das fulminante Comeback von MSK. Der ausverkaufte Colos-Saal – eine MSK Heimspielstätte – vibrierte förmlich vor Erwartung, als Jakob (Gitarre), Béla (Bass), Samba (Keyboard) und Max (Schlagzeug) mit ihrem psychedelischen Krautrock einen hypnotischen roten Klangteppich woben und ihn für MSK ausrollten.

Photo: Jules

Photo Jules

Neues und etwas älteres ihren beiden Alben (Saat, Lucid Void) säten sie in die Kulisse, der proppevolle Saal Colosierte mit den Darmstädter Jungs und ehrte sie mit viel ehrlichem Applaus!

Das was dann folgte, war mehr als eine musikalische Darbietung. Es war eine kollektive Erfahrung von Verlust, Heilung und Neuanfang. MSK bewies eindrucksvoll ihre Resilienz und die Fähigkeit, aus Schmerz Schönheit zu erschaffen. Jeder im Saal schien zu spüren, dass die positiven Schwingungen dieses Abends weit über das Konzert hinaus wirken würden.
Während bewegende Szenen aus Steffens Zeit mit der Band per Video gezeigt wurden, stand das Publikum schweigend da, viele kämpften noch mit den Tränen. Als das Video endete, brach der Saal in einen minutenlangen Applaus aus – ein Moment, der die tiefe Verbundenheit zwischen Band und Fans spürbar machte.

Photo: Nadine Keinath

Nach den herzlichen Begrüßungsworten von Volker – „Liebe Freunde!“ – betrat die Band die Bühne: Matte (Bass), Seppi (Gitarre), Norman (Soundboard) und André (Schlagzeug). Der Moment war wie ein Knoten, der sich löste – die aufgestaute Spannung wich einer Flut aus Emotionen. Tränen rollten über Gesichter, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Man konnte die Erleichterung spüren, die Freude, die Hoffnung – und eine Liebe, die den Raum durchdrang.
Ein besonderer Augenblick war das vertraute Ritual der Band: In einem Kreis zusammenstehend, stimmten sich die vier Musiker still und konzentriert auf den Abend ein. Es war, als würden sie eine Brücke schlagen zwischen Vergangenem und Gegenwart, zwischen Verlust und dem Mut, weiterzugehen. Das Publikum, emotional aufgeladen und voller Respekt, feierte die Band mit tosendem Applaus.

Die besondere Rolle von André war dabei unübersehbar. Viele Jahre hatte er als Licht- und Videotechniker aus dem Hintergrund für magische Momente gesorgt. Nun stand er vorne auf der Bühne – und schenkte My Sleeping Karma den Rhythmus. Seine Präsenz wirkte selbstverständlich, und seine Performance am Schlagzeug war einfühlsam und doch kraftvoll. Jeder Schlag schien sowohl ein Tribut an Steffen als auch ein Schritt nach vorne zu sein. Besonders berührend war das Windlicht, das neben Andrés Schlagzeug stand – ein leuchtendes Symbol für Steffens andauernde Präsenz.
Das Publikum nahm Andrés Einstand nicht nur wohlwollend, sondern voller Begeisterung auf. Es war, als wäre er immer ein Teil dieses Kreises gewesen. Die Verbindung zwischen Band und Fans war an diesem Abend so intensiv, dass sie weit über die Musik hinausreichte – sie war pure menschliche Verbundenheit, ein Ausdruck von Dankbarkeit und Hoffnung.

Photo: Jules

Photo: Jules

Photo: Karin Klocke

Photo: Jules

In jedem Ton, jeder Pause, jedem Blick zwischen den Musikern wurde deutlich: Karma schläft nicht! Es lebt in der Musik, in den Erinnerungen und in der ungebrochenen Kraft dieser außergewöhnlichen Band.

Und in den knapp 90 Minuten Spielzeit gemerkt: was haben uns diese Klänge, diese psychedelischen Reisen in alle Schattierungen des Genres gefehlt, sie schmerzlich vermisst, sie wieder herbeigesehnt und die sie mit uns teilten: Ahimsa, Brahma, Ephedra, Glow 11, Hymn 72, Maya Shakti, Prema, Pritvi….

Wunderbar anzuschauen wie die jungen Söhne von Matte und Norman neben der Bühne mit ihren Vätern mitfieberten, mitspielten, sie feierten: herrlich! Etliche Familienteile und Freunde der Musiker feierten am Aufgang der Bühne mit der Band, auch der langjährige schwedische Freund und Photograph Anders ließ den Auslöser nicht im „sleeping“ Modus!

Als die letzten Klänge des Abends im Colos-Saal verhallten, blieb ein tief bewegtes Publikum zurück, das aus allen Teilen Deutschlands und sogar u.a. aus den Niederlanden, Italien, Schweden und der Schweiz angereist war. Viele hatten mehrere hundert Kilometer auf sich genommen, um an diesem besonderen Abend dabei zu sein. Doch anstatt sich direkt auf den Heimweg zu machen, verweilten die Fans noch im Saal – nicht nur, um den Moment auszukosten, sondern um mit der Band zu sprechen, Erinnerungen zu teilen und ihre Dankbarkeit auszudrücken. Es war keine gewöhnliche Aftershow-Stimmung, sondern eine Atmosphäre voller Wärme, Respekt und ehrlicher Verbindung.
My Sleeping Karma haben an diesem Abend weit mehr als nur ein Konzert gespielt – das war eine eindringliche Botschaft über die beständige Kraft des Karmas, die heilende Wirkung der Musik und die tiefe, unzerstörbare Verbindung zwischen Menschen, die durch Kunst und Leidenschaft vereint sind. Der Abend wurde zu einem lebendigen Beweis dafür, dass selbst in den schwierigsten Zeiten eine besondere Kraft entstehen kann, die Menschen zusammenbringt und Hoffnung schenkt. Einen besseren Jahresabschluss hätte man sich nicht wünschen können! In großer Dankbarkeit für diesen außergewöhnlichen Abend: Jules und Volker

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