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Karma Haze Tour in Köln: 50 Jahre Psychedelic-Magie, ohne Day Off

(jul) Der Tourbus spuckt sie aus, Tag für Tag, Stadt für Stadt. Keine Day Offs, nur die Straße, die Bühne und der nächste Gig. Die „Karma Haze Tour 2026“ ist kein Zuckerschlecken, sondern ein Marathon, ein Zeugnis unermüdlicher Leidenschaft für den Heavy Underground. Und doch, oder gerade deshalb, war der gestrige 23. April in der Kölner Kantine ein Abend, der sich in die Annalen einschreiben wird. My Sleeping Karma und Colour Haze feierten gemeinsam „50 Years of Heavy Underground Tour Life“ – und die fast ausverkaufte Halle feierte mit einer Intensität, die nur entstehen kann, wenn Bands und Publikum eine tiefe, gemeinsame Geschichte teilen.Schon vor dem Einlass spürte man die besondere Atmosphäre. Draußen, im frühlingshaften Köln, saß Stefan Koglek von Colour Haze seelenruhig mit seiner Sunburst Guild Starfire – jener Gitarre, die er schon seit Ewigkeiten spielt und die untrennbar mit dem warmen, psychedelischen Sound der Band verbunden ist – und zog neue Saiten auf. Ein Bild der Ruhe und Handarbeit, das in perfektem Kontrast zu der Sound-Wand stand, die uns später erwarten sollte. Wenige Minuten später begrüßte ich Matte Vandeven von My Sleeping Karma mit einer herzlichen Umarmung, nur um ein verzerrtes Gesicht und die Worte „Drück nicht so fest, ich hab Rücken!“ zu ernten. Der siebte Tourtag (nach Karlsruhe, Wien, Krakau, Warschau, Leipzig und Nijmegen) forderte seinen Tribut, doch was Matte und Seppi später auf der Bühne an Geschmeidigkeit und Energie zeigten, ließ von Rückenschmerzen keine Spur erkennen. René Hofmann, der Tour-Soundengineer von Fat & Holy Records, dokumentiert diesen Tour-Wahnsinn übrigens täglich auf Social Media – ein faszinierender Einblick hinter die Kulissen dieses rollenden Zirkus.

Der Sound in der Kantine war, wie zu erwarten, schlichtweg bombastisch. Dafür sorgte René Hofmann, der die gesamte Tour als Toningenieur begleitet. Er schuf einen Klangteppich, der nicht nur wuchtig und präzise war, sondern auch diese warme, alles einhüllende Qualität besaß, die den Psychedelic Rock beider Bands so einzigartig macht. Jedes Instrument war glasklar zu hören, und doch verschmolz alles zu einem organischen Ganzen, das den Raum erfüllte und das Publikum in seinen Bann zog.

Den Anfang machten Colour Haze, die Pioniere des deutschen Stoner Rock, und bewiesen einmal mehr ihre Meisterschaft in der dynamischen Steigerung. Ihre Setlist war ein Paradebeispiel dafür, wie man Altes und Neues verbindet: Der Opener Aquamaria, ein uralter Klassiker, der die Bandgeschichte atmet, umrahmte drei brandneue Stücke. Diese neuen Songs fügten sich nahtlos in das bewährte Repertoire ein und zeigten, dass Colour Haze auch nach 30 Jahren noch voller kreativer Energie stecken. Das Finale mit Love war dann der krönende Abschluss eines Sets, das die Kantine förmlich abheben ließ und die Fans in einen Zustand kollektiver Glückseligkeit versetzte.

Danach entführten My Sleeping Karma die Menge in ihre meditativen Klangwelten. Trotz der Tour-Strapazen war die Bewegung von Matte und Seppi auf der Bühne enorm, die Energie floss ungehindert. Es war diese typische MSK-Therapie, die einen wegträgt und gleichzeitig erdet. Matte bedankte sich sichtlich gerührt beim Publikum für die langjährige Treue, für die Energie, die zwischen Bühne und Fans hin- und herwabert und diesen besonderen Abend trug. Diese Routine, die nicht in Langeweile mündet, sondern eine Sicherheit schafft, in der die Magie erst richtig aufblühen kann, ist das Besondere an diesen Jubiläums-Gigs. Zehn Karma-Klassiker plus Zugabe erhoben die Fans förmlich ins Nirwana. Und dennoch bleibt diese gespannte Vorfreude, ob auf dieser Tour nicht doch noch etwas Neues von MSK „geleaked“ wird – die Gerüchte wabern jedenfalls hartnäckig, dass da schon etwas in petto ist.

Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle an Matte für die Einladung auf die Gästeliste – in Zeiten wie diesen ist ein solcher Support für uns als RockBlog alles andere als selbstverständlich. Es war ein Abend, der die tiefe Verbundenheit einer Szene zelebrierte, die über Jahrzehnte gewachsen ist und zeigt, dass wahre Leidenschaft keine Altersgrenzen kennt. Und weil wir von dieser Energie einfach nicht genug kriegen können, blicken wir schon jetzt voller Vorfreude auf den kommenden Sonntag im Forum Bielefeld. Wir sehen uns dort!….(jules)

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