(vo) Am 17. April, morgens um 05:00 Uhr, machte ich mich auf mit der Eisenbahn um von Wuppertal über Düsseldorf und München nach Wien zu gelangen, denn vor einiger Zeit lud mich Veranstalter Clemens zur dritten Ausgabe seines von ihm kreierten Echoes Of Erebos Festival in der Arena Wien ein. Das Lineup überzeugte mich und so sagte ich sehr gerne zu. Der geplante Übergang in München vom ICE zum Railjet nach Wien schrumpfte dank Baustellen und anderen Kleinigkeiten von 15 auf knapp 3 Minuten für ca. 300 Meter Wegstrecke von Gleis 23 nach Gleis 11. Beine und Lunge gaben das ganz knapp her mit einem Slalomlauf durch Menschenmassen und Puste völlig weg bei Erreichen der letzten Zugtür! Gut so sonst hätte ich die erste Band des Abends, auf die ich mich sehr freute – da schon zweimal in Begeisterung live erlebt, komplett verpasst.
Mit dem Taxi (die Fahrt dauerte und dauerte wegen Berufsverkehr) zum Hotel gegenüber der Arena, kurz durchschnaufen und dann machte ich mich auf und betrat so um 17:20 Uhr zum ersten Mal diese nicht nur Konzert- sondern auch Kommunikations- und Kulturstätte auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs St.Marx: ein Ort mit immer mehr gewachsener Patina und viel Geschichte, siehe hier: Arena Wien. Etliche Bekannte, die ich im Laufe der letzten Jahre zumeist bei österreichischen Festivals kennen und schätzen lernte traf ich hier an: zuvorderst Veranstalter Clemens, den ich mit seiner damaligen Band Minus Green beim Dome-Of-Rock 2018 kennenlernte. Er lud zum ersten Mal zu zwei Tagen Echoes Of Erebos ein, die beiden ersten Ausgaben waren noch eintägig.
Clemens begrüßt, Wristband von ihm erhalten und ab in die Halle wo „Johnny And The Rotten“ gerade einen knapp 15-minütigen, sehr fetzigen KrautRockJam begannen und der hatte es so in sich das sich nach ein paar Minuten schon sämtliche Muskelstränge in meinem Nacken im Malträtiermodus befanden, ein großer Auftakt, für mich leider viel zu kurz da das Quartett um 17 Uhr ihren Ritus begann.
Die halbstündigen Umbaupausen zwischen den Bands waren sinnvoll, vor allem für mich denn so konnte ich immer wieder Gespräche mit einigen Bekannten und Unbekannten führen und ein bisschen Schmäh der Einheimischen mitkriegen. Zuerst lief mir Lizzy aus Linz/Donau über den Weg: sie kreiert wunderbare Konzert- und Festivalplakate, u.a. für das Krach am Bach und früher Lake On Fire. Wir kennen uns seit Lake On Fire 2017 und unsere Wege kreuzen sich bedauerlicherweise nicht sehr oft: da gibt es natürlich einiges zu erzählen und so verpasste ich leider optisch die nächste Band im Tableau, The Jupiter Effect. Ihren Sound konnte ich zwar draußen vernehmen aber ich möchte in diesem Fall keinen Ferndiagnosenbericht über sie schreiben….
Zur nächsten Band waren wir dann aber am Start: „Savanah“ aus Graz, die ich schon einige Male live erleben durfte und mit deren Gitarrist Jakob schreibe ich mir ab und zu. Dazu noch Felix am Schlagzeug und Benni – Bass und Gesang und schon hast du eine für mich aus der Szene herausragende Heavy/Stoner Rock Band. Die verteilte an diesem frühen Abend mit einigen ganz frischen Stücken aus dem demnächst erscheinenden neuen Album deftige Nackenschläge: das Album wird ein Fest, sicherlich!
In der nächsten Pause erstmal zum Jablonski Stand, der mit einigen feinen Schmankerln für den Gaumengenuß aufwartete: u.a. Germknödel, ein durchschlagendes Chili con Carne, wunderbarer Krautsalat und dann traf ich auch noch Anni, eine gute Freundin aus Wien und schon verpasste ich optisch an diesem Tag die zweite Band, Lausch, von denen ich auch nur was hörte, aber wie ich schon weiter oben schrieb: keine Ferndiagnose, sorry!
Der Headliner an diesem ersten Tag war die nicht nur Tiroler Institution in Sachen großartige, einzigartige, mit fast allen musikalischen Salben geölte Partymaschine „Mother´s Cake“. Und das Quartett, das ich im Februar zweimal erleben durfte, hier mein Bericht aus Köln, verwandelte die Arena in eine Sause aus Spaß, Spaß und Spaß, was für ein Freudenfest, herrlich! In der Setlist, die eh spontan entschieden wird, befand sich zu Beginn der Kracher „Clockwork“ und schon tobte die Halle zumal etwas später „I`m Your President“ folgte. Und bei diesem ausgedehnten Genuss in Sachen innovative Rockmusik flippte die Halle im Viereck völlig aus und was danach noch alles von den Jungs geboten wurde war einfach Weltklasse, Punkt! Und natürlich durfte die Wall Of Death nicht fehlen. Glücklich sank ich nach diesem Highlight um kurz vor Mitternacht in einen berauschenden Schlaf um Energie für den Samstag zu speichern.

Dieser begann um 16 Uhr mit der Wiener Band „Lazer“, die ihr Heavy Psych Gemisch, hochoktanig und deshalb natürlich gut befeuert, ins gespannt lauschende Publikum fetzte. Das Quartett, im heutigen Fall ohne ihre Sängerin Tanja, aber beileibe nicht ohne Stimme, denn die war heute männlich, war mir völlig unbekannt und deshalb freute ich mich über die gespielten Klänge die für mich so in Richtung Elder drifteten, und Elder find ich sehr gut! Sehr gut fand dass auch das Publikum und deshalb gab es auch verdienten Applaus nach ihren Songs. 
Auf „Oh Hiroshima“ war ich sehr gespannt und ich wurde in den kommenden 40 Minuten dafür entschädigt, dass ich sie damals in unserem Rock Freaks Vereinslokal Vortex nicht erleben konnte. Normal spielt die Band ihren energetischen Post Rock als Duo, an diesem Abend traten sie aber zu viert auf. Und mit was für einem feinen Sound, boah! Kopfkino in Cinemascope an und wir gingen auf wunderbare Reisen, großartig!

In der Umbaupause traf ich erfreut wieder einige Bekannte wie Thomas, den Besitzer von Stonefree Records aus Wien, Florian Razocha, dem das Lake On Fire Festival zusammen mit Chris Gütl fabelhafte, mir Gänsehautverursachende Aftermovies verdankt und kam auch in einige Gespräche mit Freak Valley Besuchern aus Innsbruck und Wien und Salzburg. Und nicht zu vergessen Daniel, den Gitarrist der leider verblichenen Wiener Band Minus Green, zu der auch der Soundboarder Lukas, jetzt bei Speck, und Veranstalter Clemens gehörten, der als nächster Act mit seinem neuen Band „For Eons“ auftrat.
Diese besteht eben aus Clemens – Bass, Gesang, Synth, Fabian an den Drums und Martin an der Gitarre. Demnächst erscheint ihre erste Platte wie mir Clemens verriet und was ich/wir hörte(n) war für mich in der Art wie Minus Green klangen, nur im neuen Fall mit Gesang und auch ein bissel King Buffalo, ohne natürlich zu kopieren, klang für mich durch. Großartiger Stoff für Herz und Seele und ich bin gespannt wie sich das auf Vinyl anhört, das demnächst auf dem Teller liegen sollte.
Eine Portion Pommes und ein Radler später lernte ich zum ersten Mal das französische Trio „Grandma´s Ashes“ kennen: Edith am Schlagzeug, Eva – Bass und Gesang und Myriam – Gitarre + Backgroundgesang präsentierten ihren, von meiner Warte aus, Stoner-Prog auf eine Weise, die bewies das auch Frankreich in diesem Genre kräftig mitmischen kann. Die Bühne düster und dunkel eingetaucht, mit Ketten behangene Boxen und Verstärker, dazu ihre Musik, das war eine beeindruckende Atmosphäre und dazu noch die perfekte Synchronisation innerhalb der Band: das gibt von mir alle Daumen hoch, eine klasse Auftritt!
Colour Haze: wie oft hab ich sie schon live erlebt, diese Monolithen der deutschen und internationalen Stonerszene, und sie sind in meinen Augen und Ohren immer gut, immer, ohne Ausnahme. Das ist eine perfekt eingespielte, sehr energetische Stoner- und Psychedelic Institution die mittlerweile so aus dem Vollen schöpfen kann bei dem Repertoire das sie seit 1994 angesammelt haben, darunter zahlreiche Klassiker der Szene. Sie fingen am mit „Earth“, das die Halle rustikal und emotional in beste Laune brachte: um mich herum rastete das für mich interessanterweise junge Feiervolk ruckzuck auf höchste Betriebstemperatur aus. Und ich schaue immer sehr gerne und voller Respekt zu was Manni Dreschwald, äh Merwald da mit seinem Schlagzeug veranstaltet, das ist unbeschreiblich…..Dazu Stefan an der Gitarre, Jan an den Knöpfen, Schaltern und Tasten und Mario am Bass. ein Traum von einer Band!

Für den krönenden Abschluß des Echoes Of Erebos sorgten dann und was soll ich noch an Lobeshymnen über eine der meist geliebten Bands unserer Szene, My Sleeping Karma, ausschütten: meine Freunde Andre, Matte, Norman und Seppi starteten ihre Reise durch ihre und unsere Seelen und Herzen mit „Prithvi“ und mit dem Enthusiasmus, den sie immer und immer wieder zeigen, verteilen, ausstrahlen. Es folgten neun weitere Gänsehautpeelings, Freudentränenverursacher, Ganzkörpermassagen, Wohlfühlorgien mit einer Inbrunst, die nur ganz wenige Bands so gut können.

Ich bedanke mich bei Clemens für sein bestens organisiertes Fest, bei allen helfenden Händen und Füßen, bei Speis und Trank und bei vielen alten und neuen Mitstreitern der Szene: ohne euch und uns wären wir arm, sehr arm, DANKE!….(volker)
Alle Photos von mir und mit meiner „kleenen“ Canon Powershot G 7x Mark II
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