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Khan und Skin Thief im Güterbahnhof Lippstadt: Ein Tourauftakt mit Heimvorteil Lippstadt, 23. September 2026

(jul) Mal wieder on Tour mit dem Blog-Chef, diesmal mit Reiseziel Lippstadt – wo wir mitten in der westfälischen Provinz an diesem Abend Kolumbien, Griechenland und Australien begegnen sollten. Wir waren extra früh angereist, parkten unmittelbar vor der Gaststätte zum Güterbahnhof, und unser erstes Ziel war die kleine Rösterei „Lippebohne“, ein Stück die Straße rauf. Dort ließen wir uns voller großer Erwartungen mit außergewöhnlichem kolumbianischen Stoff infiltrieren. Volker kaufte dort sogar noch ein Viertelkilo für zu Hause – unverschnitten. Anschließend stimmten wir uns um die Ecke bei „Mitos“ mit lecker Gyros auf Theo ein, den Gastgeber des Abends, der selbst griechische Wurzeln hat.

Um 19 Uhr waren wir im Güterbahnhof und konnten noch in Ruhe mit Theo plaudern. Er führt die Kneipe bereits in zweiter Generation, ist dort aufgewachsen und steckt sein ganzes Herzblut in diesen Ort. Seine Familie arbeitet mit, und genau diese familiäre Struktur spürt man. Der Güterbahnhof ist nicht einfach nur eine Gaststätte, sondern seit mindestens 41 Jahren eine einzigartige Szenekneipe und Konzertlocation in der Region. Ein Ort, an dem Bands nicht bloß auftreten, sondern ankommen dürfen. Und dass Theo es ernst meint mit dem Wohlergehen seiner Gäste, bemerkten wir sofort daran, dass er uns erst einmal vor dem Ordnungsamt bewahrte. Volkers feuerrotes Rockmobil parkte nämlich auf einem Anwohnerparkplatz – und da verstehen die Nachbarn keinen Spaß. Also in Ruhe noch umgeparkt und mindestens 30 Euro gespart. Geld, das lieber in den Hut wandern durfte, denn so funktioniert es im Güterbahnhof: kein Eintritt, stattdessen freiwillige Spenden für die Veranstaltung.

Theo und seine Familie bieten den Musikerinnen und Musikern Unterkunft und empfangen sie mit einer Wärme, die im Tourbetrieb keineswegs selbstverständlich ist. Für Bands wird der Güterbahnhof dadurch zeitweise zu einem Zuhause auf Reisen. Khan haben diese Gastfreundschaft auch für ihren Tourauftakt gern genutzt und sich an diesem Abend noch einmal herzlich bei Theo und seiner Familie bedankt.

SKIN THIEF: Mehr als ein Vorprogramm

Den Abend eröffneten SKIN THIEF, ein instrumentales Trio aus Melbourne und Tourpartner von Khan. Beide Bands verbindet nicht nur die Herkunft aus derselben australischen Stadt, sondern auch ihre Verbindung zu Full Contact Safari Records. SKIN THIEF waren auf ihrer ersten Europareise unterwegs und begleiteten KHAN auf der „That Fair and Warlike Form European Tour“.

Musikalisch bewegen sich SKIN THIEF im progressiven Post-Metal: basslastige Riffs, kantige Rhythmen, düstere Atmosphären und Steigerungen, die sich nicht mit schnellen Lösungen zufriedengeben. Ihr aktuelles Album „Frozen“ in the Act of Breaking erschien 2025. Schon der Titel klingt wie eine Momentaufnahme zwischen Zerbrechen und Widerstand – und passt zu einer Band, deren Musik permanent unter Spannung steht. Hier ein bisschen Djent, dort wird es grindig, dann wieder zähe Sludge-Elemente, die sich mir nichts, dir nichts aus dem Urschlamm lösen und plötzlich weit in die Atmosphäre öffnen.
SKIN THIEF entpuppten sich für uns damit nicht als bloße Vorband, sondern als echter Tour-Support. Natürlich war ihr Auftritt kürzer als der von KHAN, doch sie bereiteten dem Hauptact nicht einfach nur den Boden – sie pflügten ihn um und verlegten im Güterbahnhof gleich ein paar neue Gleise.

KHAN zum dritten Mal in Lippstadt

Für KHAN war Lippstadt ein besonderer Startpunkt. Die Band eröffnete hier ihre Europatour zum Album „That Fair and Warlike Form // Return to Dust“, das im Oktober 2025 erschienen ist. Nach einem dokumentierten Auftritt 2023 und dem Konzert im Mai 2025 war es bereits der dritte belegte Besuch der Australier im Güterbahnhof.

KHAN stammen aus Melbourne und verbinden psychedelische Klangflächen mit schweren Stoner-Riffs, progressiven Rhythmen und großen Crescendi. Ihre Musik wirkt, als würde ein schwerer Güterzug durch eine Landschaft aus Nebel und flüssigem Gestein fahren: langsam genug, um jede Schicht wahrzunehmen, aber mit einer Kraft, die sich nicht aufhalten lässt.

Das aktuelle Album besteht aus zwei jeweils rund 23-minütigen Stücken und erzählt von einer Figur, die vom Todesgott Erlik aus der turko-mongolischen Mythologie besessen ist. KHAN denken in langen Spannungsbögen und großen Bewegungen, nicht in kurzen, bequem portionierten Einheiten. Umso stimmiger, dass diese Europareise an einem Ort begann, der sich ebenfalls jeder einfachen Definition entzieht: Der Güterbahnhof ist Kneipe, Konzertbühne, Treffpunkt und Wohnzimmer der regionalen Musikszene zugleich.

KHAN spielten ungefähr eine Stunde und fünfzehn Minuten. Ihr Auftritt hatte die Wucht und Geduld, die man von dieser Band erwartet: schwere Riffs, psychedelische Weite und eine Dramaturgie, die nicht alles sofort preisgibt. Nach dem kraftvollen Set blieb kein Gefühl von Routine zurück, sondern der Eindruck, dass hier eine besondere Verbindung zwischen Band und Ort weitergeschrieben wurde.

Ein voller Wochentag

Ab 20 Uhr füllte sich der Güterbahnhof trotz des Wochentags gut. Viele bekannte Gesichter aus der musikbegeisterten Szene waren da, und schnell entstand diese angenehme, herzliche Atmosphäre, die kleine Konzertorte so wertvoll macht. Keine künstliche Eventkulisse, kein überflüssiges Drumherum – nur ein besonderer Raum, zwei starke Bands und Menschen, die gerne für Livemusik ihren Nachtschlaf opfern und am nächsten Tag im Job einfach mal müde sein wollen.

Der Tourauftakt in Lippstadt hat sich deshalb genau für diese Zielgruppe rundum gelohnt. SKIN THIEF machten deutlich, dass sie als Tourpartner auf Augenhöhe unterwegs sind. KHAN lieferten den langen, schweren und intensiven Hauptteil des Abends. Und Theo bewies gemeinsam mit seiner Familie einmal mehr, dass Gastfreundschaft im Konzertbetrieb nicht bloß ein freundliches Wort sein muss, sondern gelebte Praxis sein kann.

Von der Weltstadt Lippstadt aus geht es für KHAN und SKIN THIEF noch bis zum 19. Oktober weiter auf Bühnen in Amsterdam, London, Paris, Mailand und Berlin. Unser Tipp: Tickets schnell ergattern, es lohnt sich! (Text Jules, Photos Volker)

Gaststätte

Khan 

Skin Thief

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