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VIBRAVOID – A Reason For Now

Illustration von zwei tanzenden Frauen mit langen, bunten Haaren im Weltraum, umgeben von Sternen und Planeten, mit dem Titel "vibravoid a reason for now".

(jm) Eine Zeitreise nach vorn: Es gibt Bands, die sich an ihre Vergangenheit erinnern – und es gibt VIBRAVOID. Die Düsseldorfer Psychedelic-Rock-Institution macht auf ihrem neuen Album „A Reason For Now“ beides gleichzeitig: Sie greift tief in die Klangästhetik der Jahre 1966 bis 1968 hinein und verwandelt deren Ingredienzen in einen Sound, der erstaunlich zeitgemäß wirkt. 

Nach dem schon vielbeachteten Vorgänger „Remove The Ties“ wäre es natürlich naheliegend gewesen, noch eine Schippe draufzulegen und das eigene Erfolgsrezept möglichst spektakulär zu übertreiben. VIBRAVOID wählen stattdessen den spannenderen Weg: „A Reason For Now“ versucht nicht, den Vorgänger zu übertrumpfen, sondern öffnet einfach eine weitere Tür in das eigene musikalische Universum. Das Ergebnis ist ein Album, das weniger nach Rückblick als nach einer Zeitreise ohne Rückfahrkarte klingt.

Schon der Opener „Till The End Of Time“ macht klar, wohin die Reise geht. Eine eingängige, beinahe poppige Grundidee trifft auf Sitar-Klänge und psychedelische Klangfarben. Genau diese Verbindung von Melodie und einer leichten, aber immer kontrollierten Übersteuerung des Sounds gehört zu den großen Stärken von VIBRAVOID: Die Musik ist zugänglich – fast poppig, verliert aber nicht ihre hypnotische Wirkung – quasi eine verpflichtende Eigenschaft für psychedelische Musik.

Mit „Cinnamon Star“ folgt einer der markantesten Momente des Albums. Der Song verbindet die Düsseldorfer Tradition mit einer deutlich kosmischeren Perspektive. Zwischen treibendem Rhythmus, Fuzz und psychedelischen Effekten entsteht der Eindruck, als würde der Ratinger Hof plötzlich in Richtung Weltraum abheben.

Besonders ambitioniert wirkt „The Sky Tonight“. Das sechs Minuten lange Stück ist als monumentales psychedelisches Werk angelegt und entwickelt eine fast progrockartige Dimension. VIBRAVOID lassen sich Zeit, bauen Atmosphäre auf und zeigen, dass Psychedelica nicht zwangsläufig aus endlosen Improvisationen bestehen muss. Hier entsteht Spannung aus Dynamik, Klangraum, stetiger Verdichtung und Abwechslung.

„All The Scars Inside“ schlägt anschließend eine andere Richtung ein. Psychedelic Pop trifft auf elektronische Elemente und einen treibenden Rhythmus. Der Song geht unmittelbar ins Ohr, ohne seine psychedelische Grundierung zu verlieren. Gerade diese Balance macht ihn zu einem der Stücke, die auch außerhalb der klassischen Psych-Rock-Hörerschaft funktionieren können. Fast schon radiotauglich. Wobei sich die Frage stellt, ob es das wirklich braucht.

Mit „Yellow Horizon“ wird es grooviger und zugleich hypnotischer. Der Song spielt mit wiederkehrenden Strukturen und einem Rhythmus, der sich langsam, aber unerbittlich festsetzt. „Fuel The Flame“ führt diese Energie weiter und verwandelt sie in eine furiose Pychedelic-Rock-Nummer, während „Voice In A Cage“ den beschriebenen Rausch noch einmal in eine andere Klangfarbe überführt.

Was „A Reason For Now“ besonders macht, ist für mich die Konsequenz, mit der VIBRAVOID ihr eigenes musikalisches Erbe kontinuierlich weiterentwickeln. Die Band wurde (schon!) 1988 gegründet und gehörte zu den frühen europäischen Bands, die Psychedelic Rock, Krautrock, Fuzz, analoge Technik und visuelle Kunst wieder miteinander verbanden. So steht es inzwischen sogar bei Wikipedia und ich erinnere mich noch gut daran, wie mir ein alter Freund aus der klassischen Medienproduktion während einer langen Filmbelichtung für Druckplatten „Love Is Freedom“ ans Herz bzw. Ohr legte. Das muss so um die 2000er gewesen sein…

Dabei wirkt die Band auch heute nicht wie ein nostalgischer Retro-Act. Im Gegenteil: VIBRAVOID benutzen die Klangsprache der späten Sechziger als Rohmaterial. Sitar, Fuzz, treibende Drums, elektronische Texturen, ausgedehnte Effekte und psychedelische Popmelodien werden nicht museal konserviert, sondern in ein modernes Klangbild überführt.

Auch die Gestaltung des Albums passt zu diesem Ansatz. Die verschiedenen Vinyl-Editionen, Poster, Inserts und die CD-Ausgabe mit zusätzlichem Filmmaterial machen „A Reason For Now“ ausdrücklich zu einem audiovisuellen Gesamtkonzept. Besonders interessant ist die Enhanced-CD, die den Film „Im Zeichen des Zwillings“ beziehungsweise „In the Sign of the Twin“ enthält. Damit setzt VIBRAVOID ihre langjährige Verbindung von Musik, Film und Lichtkunst fort.

Und genau hier liegt eine der größten Qualitäten der Düsseldorfer: VIBRAVOID denken Musik nicht ausschließlich als Tonspur. Ihre Konzerte sind traditionell als audiovisuelle Gesamterlebnisse konzipiert, und auch auf Tonträgern gehört die visuelle Ebene zum Konzept. Die Band steht damit in einer Tradition, die von der Düsseldorfer Psychedelic-Szene der späten Sechziger bis zu heutigen audiovisuellen Experimenten reicht. (Wikipedia)

Fazit: „A Reason For Now“ ist deshalb kein Album, das lediglich beweisen möchte, dass VIBRAVOID ihren Sound nach mehr als drei Jahrzehnten noch beherrschen. Die Band nimmt die DNA der klassischen Psychedelia, mischt sie mit ihrem eigenen Düsseldorfer Kosmos und produziert daraus Musik, die gleichzeitig vertraut und irgendwie fremdartig wirkt. Für Fans von Psychedelic Rock, Krautrock, Acid Rock und analoger Klangästhetik dürfte „A Reason For Now“ damit zu den interessanteren Neuerscheinungen des Jahres gehören. Wer VIBRAVOID bisher als kompromisslose Live- und Fuzz-Maschine kennt, bekommt hier dieses Mal eine erstaunlich melodische Seite präsentiert. Und wer glaubt, die Geschichte des Psychedelic Rock sei längst erzählt, kann sich von diesem Album eines Besseren belehren lassen. 

Das ist ein hypnotischer, farbenprächtiger und konsequent eigenständiger Trip. „A Reason For Now“ klingt nicht wie ein Blick zurück, sondern wie eine Zukunftsvision aus einer Vergangenheit, die nie aufgehört hat zu existieren. Das Album ist am 18. September 2026 bei Tonzonen Records erschienen. Dort gibt es noch eine wunderbare „Love Glow“ Vinyl Edition. Seht selbst. (Jens M.)

Konzerttermin

17. Oktober 2026 – Drug Me Fest XI, Cargo Gallery, Prag (Tschechien)
VIBRAVOID sind als Headliner des psychedelischen Festivals angekündigt. Beginn ist laut Veranstalter um 16:00 Uhr; neben VIBRAVOID stehen unter anderem Kill the Dandies!, Stepní Běžec, Mad Velvet und Odd Little Thrills auf dem Programm. (luxus.cz)

Kontaktlinks:

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