rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Neil Young – Ein Hippie Traum – Long May You Run

Neil Young Buch Hippie TraumNeben Leonard Cohen gehört Neil Young zu den legendärsten Musikern, die Kanada jemals hervorgebracht hat. In den Vereinigten Staaten, in denen er lebenslanges Aufenthaltsrecht genießt, zählt er neben Bob Dylan zur Jahrhundertikone des Folk und Rock. Seine rund 50 Alben bestechen mit Hilfe seiner „Hausband“ Crazy Horse einerseits durch furiose Dynamik, innerhalb derer sich die Band durch lange Soli in die Raserei spielt, andererseits brach er auch komplett aus diesem Fahrwasser aus, indem er Alben ablieferte, die vor Kitsch nur so trieften.

David Geffen wollte ihn bei „Old Ways“ und weiteren Alben wegen vermeintlicher Sabotage sogar verklagen.

Gewissermaßen wurde „Anecken“ zu Youngs Markenzeichen. Das ließ zudem marktstrategisch aufhorchen und stilisierte ihn zu einem unbeugsamen Kämpfer für das Recht auf Unangepasstheit.

Der als hochsensibel geltende Young legte kürzlich den ersten Band seiner Memoiren „Ein Hippie-Traum“ vor. Das hat mit 67 Jahren durchaus seine Berechtigung. Über die Art und Weise der Umsetzung lässt sich indes trefflich streiten. Denn Young schreibt gewissermaßen ohne „Punkt und Komma“, indem er assoziiert, seinen Gedanken freien Lauf lässt und alles hintereinander wegschreibt, was da so kommt. Selbstredend lässt er seine Leser/Innen darüber nicht im Unklaren: „Es hat mich noch nie interessiert, einer bestimmten Form gerecht zu werden!“

Dass er sein riesengroßes Herz auf der Zunge trägt wird evident. Voller Zuneigung erinnert er an Familie und Freunde. An lebensbedrohliche Krankheiten und die Kraft sie zu überwinden. An Weggefährten, Alben, Autos, Häuser, Landschaften. Zeitlich ungeordnet, was sonst!

Hier gibt Young nicht den nordamerikanischen Superstar, sondern seine mehr oder weniger Kind gebliebene Seele preis. Die äußert sich auch in seiner Sucht nach der perfekten Modelleisenbahn oder seiner riesigen Oldtimersammlung. Diese pure Nostalgie versprühenden riesigen „Schlitten“ werden mit Liebe zum Detail restauriert, mit Stolz gelenkt und dann in seinen geräumigen Garagen (Museen nicht unähnlich) geparkt.

Youngs wichtigste Langzeit-Projekte scheinen (von Farm Aid mal abgesehen) indes folgende zu sein:

1.) Bridge School zur gesellschaftlichen Eingliederung von Patienten mit zerebraler Kinderlähmung (sein Sohn Ben erkrankte daran). Das Projekt wurde von Ehefrau Pegi initiiert, er fördert es durch Benefizkonzerte.

2.) PureTone (in der Folge aus rechtlichen Gründen in Pono umbenannt). Angestrebt wird, die im Grunde lausige CD-Qualität dem eines Studio-Masterbandes anzugleichen. Laut Young hören wir aktuell auf „normalen“ CDs nur rund fünf Prozent dessen, was die Klangtiefe bei der Aufnahme ursprünglich tatsächlich ausmachte.

Für die Zwischenzeit empfiehlt Young das gute alte Vinyl oder Blu-Ray-DVDs.

3.) LincVolt mit dem Ziel, Autos vom Erdöl abzukoppeln. Zellulose-Ethanol und Strom sollen als Treibstoff der Zukunft nachhaltig die Umwelt entlasten.

Sein in Eigeninitiative und mit viel Geld umgebauter privater Linc Volt läuft und läuft und läuft …

Bleiben Sie sich treu, Mr. Young!

Neil Young Buch Long May You RunLong May You Run“ stellt zu obiger Bio die perfekte Ergänzung dar.

Ach, was sag ich: es ist ein Schlaraffenland für alle Young-Apologeten.

Archivarisch das Beste, was sich die Young-Gemeinde nur wünschen kann. Ins Deutsche übersetzte Wort- und Bildbiografie, komplett in Farbe und chronologisch geordnet. Youngs beachtliche Lebensleistung erstrahlt ohne Lücken. Die privaten Fotos sind das Tüpfelchen auf dem „i“. Hätten Sie beispielsweise gewusst, wie er als Kind aussah? Oder wie seine ersten musikalischen Gehversuche mit den Squires aussahen? Die Originalsingle ist abgebildet. Ebenfalls die beiden Bücher, mit denen sein Vater in Kanada als Sportreporter-Legende reüssierte. Ich kannte sie bis dahin nicht. Das Vapor-Label nicht zu vergessen. Seit Jahren schlummert in meinem Archiv eine CD von EVEREST, eben auf dem Vapor-Label. Einer der Gründer: Neil Young.

Dieses robuste Hardcover-Buch (1.365 g) hat Tiefe und Substanz. Einfach nur wunderbar.

Als Referenz empfohlen!

Neil Young: „Ein Hippie-Traum“. Kiepenheuer & Witsch, 477 Seiten, 22,99 Euro.

Daniel Durchholz & Gary Graff: „Long May You Run“. Rockbuch/Edel, 224 Seiten, 24,95 Euro

(Heinz W. Arndt)

Einsortiert unter:Drucksachen, , , , , , ,

Februar 2013
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728  

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

Spend The Night With Alice Cooper am 20.11.17 Sparkassen-Arena Aurich

Fuzzfest Wien am 24. + 25.11.17

Heavy On Sunday – Leeuwarden, 26.11.17

Ten Years After im Metropool/Hengelo 08.12.17

Freak Valley X-Mas Fest im Vortex/Siegen am 09.12.17

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: