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Crosby, Stills, Nash & Young – Fifty By Four / Half A Century Of CSN&Y

CSN&Y Fifty By Four(hwa) Diese DVD ist ein Time Tunnel mit hohem Nostalgiepotenzial.
Überhaupt: War das nicht alles erst gestern?
Nein, war es nicht.
Ist was geblieben?
´Ne Menge!
Denn der göttliche dreistimmige Harmoniegesang von David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash hat Maßstäbe gesetzt.
Hin und wieder kam der leicht nasale Neil Young hinzu, der mit ekstatischen Stromstößen seiner „Black Gibson Les Paul Goldtop“-Gitarre das i-Tüpfchelchen setzte.

Diese DVD rekapituliert den phänomenalen Aufstieg, die spektakulären „Never-Evers“ und die Coming Backs einer locker assoziierten Band, die angetreten war, das Erbe der Beatles fortzuführen.
Und in Teilen ist ihnen das ja auch gelungen.
Dies ist ihre Geschichte.

Alles beginnt auf dem Sunset Boulevard in L.A.
Dort etablierte sich Mitte der 1960er Jahre eine Singer/Songwriter Szene, ohne die Monterey oder Woodstock undenkbar wären.
Einer der Väter waren The Byrds. Sie elektrifizieren zusammen mit Bob Dylan den Folk und landen nicht von ungefähr mit Dylans „Mr. Tambourine Man“ ihren ersten Welthit.
Es folgen u.a. Pete Seegers „Turn, Turn, Turn“ und der von David Crosby als Co-Autor geschriebene Drogensong „Eight Miles High“.

Crosby war Halluzinogenen durchaus zugetan und unter Koks scheinbar besonders kreativ. Dann kann es passieren, dass man die Wahrheit nicht mehr diplomatisch verbrämen möchte.
Wie beispielsweise 1967 in Monterey, wo Crosby zusammen mit Buffalo Springfield als Ersatz für Neil Young die Bühne betritt und die JFK-Warren- Kommission (die einen Einzeltäter präferierte) angreift. John F. Kennedy sei einem Mordkomplott zum Opfer gefallen ruft Crosby ins Bühnenmikro.
„Und das in deinem und meinem Land, man!“

Dass er sich in Monterey die Freiheit erlaubte, bei Buffalo Springfield einzuspringen und zudem auf der Bühne politisch agierte, war mit den Byrds nicht abgesprochen. Crosby wurde gefeuert.

Gut ein Jahr später wird er sich zusammen mit Stephen Stills und Graham Nash in einer neuen Formation wiederfinden.

Aber warum war Neil Young als Buffalo Springfield-Mitglied eigentlich nicht in Monterey dabei?
Das Ganze gründete auf der exklusiven Einladung von Buffalo Springfield in die Johnny Carson Show. Young wollte sich dem Vernehmen nach nicht unter Wert verkaufen und lehnte eine Mitwirkung ab.
Er schmollte, stieg aus und verpasste mit Buffalo Springfield auch Monterey. Später stieg er wieder ein, um Buffalo Springfields zweites Album einzuspielen.

Einer von Youngs Blutsbrüdern ist Stephen Stills.
Beide waren die Alpha-Tiere, die Buffalo Springfield fuelmäßig am Laufen hielten. Young galt als Perfektionist, wurde aber durch Stills noch um Längen getoppt. Das sollte sich später in der gemeinsamen Zeit mit Crosby Stills Nash & Young sowohl befruchtend wie auch zerstörerisch auswirken.

Graham Nash war ein britisches Pop-Idol, der mit den Hollies die sogenannte „British Invasion“ mitbegründete und öfters in den Staaten auf Tour war. Dort lernte er den american hippie way of life kennen, und wurde von der Singer/Songwriter Szene und den Künstlerkolonien des Laurel Canyon infiziert. Er wollte kein Hitlieferant für eine Teenie-Pop-Band mehr sein und stieg bei den Hollies aus. Im Haus von Mama Cass Elliot lernt Nash David Crosby und Stephen Stills kennen. Sie kreieren beim gemeinsamen Improvisieren einen betörenden dreistimmigen Harmoniegesang, deren Intensität selbst den der Beatles überragte.

Das Album CSN erschien kurz vor dem Woodstock Festival und machte die Band zu Superstars.

Die Formation verstand sich als unabhängiges Singer/Songwriter Kollektiv, in dem jeder seine Ideen und Stärken einbringen sollte, ohne die jeweilgen Solokarrieren zu behindern. Als die Band als Woodstock-Act gebucht wird, sucht man händeringend nach einem ergänzenden Elektrogitarristen, denn Multiinstrumentalist Stephen Stills kann sich live nicht vierteilen. Man fragt bei Steve Winwood und Eric Clapton an, aber beide stehen nicht zur Verfügung. Da kommt der Gruppe Stephen Stills’ alter Kumpel Neil Young gerade recht.

CSN&Y WoodstockIm Woodstockfilm sieht man nur Crosby, Stills und Nash. Neil Young wollte nicht gefilmt werden und taucht deshalb (im Gegensatz zum Soundtrack) nicht auf.

Das danach produzierte „Deja Vu“-Album wird zum ersten harten Prüfstein für CNS&Y. Stills möchte die Kontrolle, spielt viele Takes solo ein, die Aufnahmen ziehen sich hin.
Dank Produzent Bill Halverson wird der Großteil jedoch perfekt aufbereitet, indem er wie von Zauberhand ein homogenes Album zusammenschustert. Der Respekt aller Beteiligten ist auf der DVD mit Händen zu greifen. Das Album wird zum Millionseller. Es katapultiert zudem Crosbys Muse Joni Mitchell dank ihrer „Woodstock“-Hymne in Superstarhöhen.

Neil Young ist immer auf dem Sprung – aber auch der Erste, wenn es ums „Eingemachte“ geht.
Siehe seine spontan komponierte und in wenigen Tagen produzierte CSNY-Single zum Kent State Massaker in Ohio, bei dem im Mai 1970 vier Studenten auf dem Campusgelände von der Nationalgarde erschossen wurden.
Nur, weil Hunderte friedlich gegen den geplanten Kambodscha-Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte, die sich ja eh schon im Vietnamkrieg unheilvoll verstrickt hatten, demonstrieren wollten.
CSN&Y Ohio„Ohio“ wird zum Fanal und einem der beeindruckendsten Statements von CSN&Y so far.

Doch die internen Grabenkämpfe um Einfluss und das „letzte Wort“ waren mit Ausnahme von „Ohio“ auf Dauer kontraproduktiv. Was die Solo-Aktivitäten in hohem Maße beförderte.

Fast zeitgleich kommen Crosby mit „If I Could Only Remember My Name“, Stills mit “Stephen Stills” und Graham Nash mit “Songs For Beginners” heraus.
Neil Young hatte schon vorher in 1968 sein Solodebüt. 1969 lässt er mit „Everybody Knows This Is Nowhere“ und 1970 mit „After The Goldrush“ (beide mit Crazy Horse) entzückte Kritiker zurück.

Der langfristig Produktivste ist mit Abstand Neil Young, solo oder häufig auch mit Crazy Horse. Insgesamt schlagen bei ihm rund 50 Alben zu Buche. Gefolgt von David Crosby (mit CPR, solo oder im Duo mit Graham Nash) und Stephen Stills, der ebenfalls solo glänzte, mit Manassas überzeugte und kürzlich zusammen mit Kenny Wayne Shepherd, Chris Layton und Kevin McCormick als „The Rides“ glänzende Kritiken einfuhr.

In der internen Rangliste des lockeren Verbunds (Sampler nicht mitgerechnet) liegen „Crosby, Stills, Nash“ mit sieben Veröffentlichungen vorn. „Crosby & Nash“ blicken auf fünf Alben zurück.

Und Crosby, Stills, Nash & Young? Ebenfalls „nur“ fünf.

Es hätten mehr werden können, aber: nicht nur vier dickköpfige Egos waren hinderlich. Crosbys körperliche und mentale Ausfälle infolge seiner zunehmenden Drogensucht kamen erschwerend hinzu. Seine Knastaufenthalte taten ihr übriges.

Doch Crosby berappelt sich, wird clean und entdeckt alternative „Hippie“-Tugenden. Er spendet für soziale Zwecke und sogar seinen Samen, den das lesbische Ehepaar Melissa Etheridge und Julie Cypher zur künstlichen Befruchtung zweimal optimal zu nutzen verstand.
Im Gegenzug offerierte Crosbys Karma dem zum uneitlen Philosophen Gewandelten noch eine gesunde Spenderleber, die David Crosby wohl endgültig genesen ließ.

Seither ist vieles anders.

Alle haben dazugelernt, Hahnenkämpfe sind obsolet.
Wenn man so will, transportiert diesese DVD viel Philosophisches.
Motto: „Unser Egoismus von früher war scheiße. Lasst uns deshalb die noch verbleibende Zeit nicht unnötig verschwenden und optimal nutzen.“

Wie die von Young initiierte CSN&Y-„Deja Vu“ Antikriegs-Konzerttournee („Living With War“, „Let’s Impeach The President“) anlässlich der amerikanischen Irak–Invasion nach nine/eleven.

Young schrieb unlängst seine Autobiografie
Graham Nash hat seine biografische Sicht der Dinge für Mitte dieses Jahres angekündigt.

Um einen kleinen Wermutstropfen komme ich leider nicht herum.
Und der betrifft die für diese DVD verantwortliche Produktionsfirma.
Dessen Kontrollmanagement lässt zu wünschen übrig.
Der DVD-Titel lautet nicht ohne Grund „Crosby, Stills Nash & Young: Fifty By Four“ („Fünfzig Jahre von vier Personen“).
Blöd nur, dass wir zu Beginn der DVD nach zweieinhalb Minuten folgendes inseriert bekommen:
“FIFTY BY FORTY“.
Ohne Scherz!
Peinlich, oder?
Trotzdem lohnt sich der Kauf.
Intensive Zeitreise!

(Heinz W. Arndt)

Crosby, Stills, Nash & Young „Fifty By Four“
TT: 165 Min
Pride PGDVD168 / in-akustik

C, S, N, & Y Discografie

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