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24. Grolsch Blues Festival, Schöppingen, 23. + 24.05. 2015 Tag 1 Sa

GrolschBluesFestival_2015_Anzeige(ev) Seit einigen Jahren zieht es uns zu Pfingsten nach Schöppingen zum Grolsch Blues Festival, das unter dem Motto Cross-Over steht. Wie in den Vorjahren ist das Line-up abwechslungsreich. Manche Bands spielen erstmalig in Deutschland und werden auch nur auf der Bühne in Schöppingen zu sehen sein.
In den Vorjahren hat der Organisator des Festivals, Richard Hölscher, immer ein sehr glückliches Händchen bei der Auswahl der Bands bewiesen und ich hoffe, dass es auch diesmal so sein wird.

Anreise/Warm-up

Dieses Jahr reisen wir bereits am Nachmittag des Vortags an und suchen für uns und einige Freunde, die peu à peu eintreffen werden, ein schönes Plätzchen. So viel sei verraten, der Abend geht bis in den frühen Morgen und wird mit sympathischen Studenten aus dem Frankfurter Raum verbracht, die wir mit unserer Musik angelockt haben.
Als wir die Türen unseres Wohnmobils nach kurzer Nacht öffnen, ist der Campingplatz bereits gut gefüllt und überall wird aufgebaut und gut gelaunt geplaudert.

Tag 1, Pfingstsamstag

Um 13:00 Uhr öffnen sich die Türen und kurz danach begrüßen wir Bekannte und Freunde und breiten unsere Stühle aus. Der Platz, den wir ergattern, hat eine gute Sicht auf die Bühne. Für uns kann das Festival beginnen.

Das Gelände füllt sich schnell, denn es hat sich rumgesprochen, dass die Opener in den Vorjahren erstklassig waren. Ich nehme es mal vorweg, dieses Jahr ist das nicht anders.

Little X Monkeys, eine fünfköpfige Band aus Belgien, haben es in der letzten Minute in das Line-up des Festivals geschafft. Um 14:00 Uhr startet die Band um Marjorie Piret passend mit „Come together“. So swampy habe ich den Song allerdings noch nicht gehört. Das geht sofort ins Blut und das Publikum klatscht und singt direkt mit. Wenn die so weitermachen, wird das ein Auftakt nach Maß. Die energiegeladene, etwas exotisch wirkende Marjorie Piret singt und tanzt bestens aufgelegt über die Bühne. Dabei spielt sie abwechselnd Xylofon, Tamburin und eine Art Tröte, die sich laut Wikipedia Kazoo nennt.

An dieser Stelle verrate ich besser gleich, dass dies mein erster Konzertbericht ist und ich kein Instrument spiele. Ich beurteile die Musik nicht nur danach wie virtuos ein Instrument gespielt wird, sondern auch Bühnenpräsenz und Show müssen stimmen, damit mich ein Konzert packt.

Bei den Little X Monkeys ist das der Fall. Alle Bandmitglieder spielen verschiedene Instrumente und überzeugen auf der Bühne. Viel zu schnell und schon wird das letzte Stück „Let’s burn it down“ angekündigt. Die Band heizt nochmals ordentlich ein. Das Publikum fordert eine Zugabe und bekommt sie auch: „Blue Moon of Kentucky“. Marjorie Piret singt und summt zu Beginn mit viel Emotion und ihre Stimme geht mir durch und durch. Ein Zuschauer wirft vor Begeisterung einen Strohhut hoch und er wird im Laufe des Festivals noch mehrmals in die Lüfte und auf die Bühne fliegen.

Dieser Auftritt hat gezündet und am Merchandise ist entsprechend viel los. Marjorie Piret, Francois Xavier Marciat (Leadgitarre, Banjo, Mandoline, Mundharmonika), Antoine Dupagne (Rhythmusgitarre), Justin Veronesi (Bass) und Jerome Drese (Percussion, Waschbrett) werden umlagert von einem begeisterten Publikum, auch von mir.

Die Homemade Jamz Blues Band steht als nächstes auf dem Programm. Drei Geschwister aus Tupelo, Mississippi, USA. Die Brüder Ryan (Gitarre, Gesang) und Kyle Perry (Bass) sind etwas über 20 Jahre und sie haben selbst gebaute Instrumente aus Auspufftöpfen umgehängt. Schwester Taya ist 16 Jahre alt und nimmt Platz an den Drums. Sie steht schon seit einigen Jahren mit ihren Brüdern auf der Bühne und gilt als Naturtalent.
Die Youngster starten mit „Gotta bad feeling“ direkt durch und Stimme und Ausdruckskraft von Ryan beeindrucken und sorgen bei mir für erste Gänsehaut. Unbekümmert drücken die Drei auf die Tube und sie bieten traditionellen Blues, der ganz frisch rüberkommt und einen guten Schuss Funk und Mississippi Hill Country enthält.
Auch „Ain’t no sunshine“ ist so ein Stück, bei dem man kaum glauben kann wie jung diese Kids sind. Unglaublich, was die für eine Show abliefern, die sich schon dem Ende nähert. Zum Abschluss blasen die Auspuffrohre farbigen Rauch aus. Das macht nicht nur den Kids Spaß. Diese Fahrt dürfte gerne noch länger dauern. Um mich rum ist man sich einig: Klasse.

Da wird die Hölle los sein am Merch-Stand und genau so ist es. Bis ich eine CD ergattert und signiert habe, steht schon die nächste Band auf der Bühne.

Den Start von Babajack, die aus England kommen und zum zweiten Mal in Schöppingen spielen, genieße ich mit lecker Kirschkuchen und Cappuccino im Kreis von Freunden. Auch von diesem Platz aus, ist der Sound erstklassig. Um die Energie einer Band zu spüren, muss man aber schon ein wenig näher an die Bühne. Und als die Frontfrau Becky Tate zu „Black Betty“ eine afrikanische Trommel bearbeitet, mache ich mich wieder auf den Weg dorthin. Trevor Steger mit Weinbox-Gitarre und Mundharmonika sorgt für den Roots Sound, an den Drums sitzt Tosh Murase und den Bass zupft Adam Bertenshaw. In diesem Jahr ist noch die Cellistin Julia Palmer-Price dabei, die mit dem markanten Klang des Cellos zwischendurch Akzente setzt, aber den Bogen nicht überspannt.
Mit dem letzten Song hören wir ein Stück, das normalerweise nicht vor großem Publikum gespielt wird, weil es leise sein muss … und es ist leise. Wunderbar wie die Laute des Cellos sich ausbreiten und in den rootsy Blues von Babajack einfügen. Ein toller Abschluss.
Und auch Babajack werden, wie die Musiker zuvor, im Merchandise Zelt umlagert.

Mit der nächsten Band, den Heartless Bastards, die exklusiv für Schöppingen aus Texas eingeflogen wurden, verlassen wir den Blues in Richtung Indie-Rock-Alternative. In den Staaten ist die Gruppe schon recht erfolgreich und hat dort bereits große Bühnen gerockt, in Europa und Deutschland sind sie zum ersten Mal und zumindest in Blues-Kreisen relativ unbekannt.
Was da beim Soundcheck aus den Boxen kommt, hört sich gut an und der Bereich vor der Bühne füllt sich schnell.
Mit dem ersten Song wird klar, die vierköpfige Band erzeugt einen melodischen wuchtigen Sound und spielt kraft- und druckvoll, dabei klingen die Instrumente glasklar.

Die Musik wird bestimmt vom emotionalen Gesang der Frontfrau Erika Wennerstrom, die eine Gibson Les Paul Gold Top spielt und zwischendurch zur akustischen Gitarre wechselt, die für meinen Geschmack etwas stärker hätte durchklingen dürfen. An ihrer Seite Mark Nathan an der Gitarre und Dave Colvin am Schlagzeug, der zwischendurch Percussion Einlagen gibt. Jesse Ebaugh ist der Mann am Bass und alle verstehen ihr Handwerk.

Es werden einige Lieder aus dem Album Arrow gespielt wie Marathon, Simple Feeling, Only for you.

Ich muss gestehen, es ist nicht ganz meine Musik und es packt mich nicht so ganz, obwohl die Band sehr gut ist. In den ersten Reihen zeigen nach dem Konzert aber einige Daumen nach oben und beim Erstehen und Signieren lassen der CDs ist wieder Geduld gefragt. Dies zeigt, auch diese Band und diese Musikrichtung haben gefallen.

Die ersten Klänge von Eddie Cotton Jr. klingen aus den Boxen und innerhalb weniger Minuten ist die Bühne umlagert und ich bekomme irgendwo in Reihe 10-15 einen Platz. Black funky Blues ist angesagt. Bereits der erste Song „The Blues is alright“ geht mächtig in die Beine.

In den ersten Reihen ist das Publikum schon so aus dem Häuschen, dass ich einen Trumpf ziehe und mich Dank meines „Crew“ Ausweises, den mir Richard Hölscher zu Beginn des Festivals höchst persönlich übergeben hat, direkt vor die Bühne in den Fotografengraben begebe.

Freie Sicht auf eine Band, die ein wahres Feuerwerk abbrennt. Die Band besteht aus Eddie Cotton Jr. (Gitarre, Gesang), Samuel Scott (Bass), Myron O’Neal (Orgel) und Derrick Louis Martin (Drums, Percussions). Alle sind fantastisch, aber über den Drummer gerate ich jetzt ins Schwärmen. Er gibt alles und sorgt nicht nur für einen mitreißenden Groove, er ist auch ein Weltklasse Entertainer. Zahlreiche Sprungeinlagen katapultieren ihn mal gehockt, mal gestreckt in die Lüfte. Seine Rasterlocken fliegen wild und seine Mimik ist unglaublich. „Mr. Airborne“ springt im Laufe des Sets auch einmal über sein Drumkit in die Mitte der Bühne und wirbelt dort herum. Dabei hämmert er mit seinen Sticks an die metallischen Seitenstreben der Bühne, auf die Absperrgitter.

Der Fotografengraben ist rappelvoll, auch viele Musiker verfolgen dieses Spektakel. Ryan Perry filmt, aber er rockt so stark mit, dass es ein verwackeltes Video werden wird. Selbst die Fotografen, sonst auf wackelfreie Bilder bedacht, sitzen nicht mehr still.
Ein weiterer Höhepunkt steht noch bevor. Für ein paar Songs gesellt sich Grady Champion dazu und heizt die Stimmung mit der Mundharmonika zusätzlich an.
Bislang habe ich noch nicht viel über Eddie Cotton Jr. und die anderen Bandmitglieder gesagt, aber sie überzeugen mit toller Performance und vielen Zwischensoli ebenfalls vollends.
Ganz großes Kino was die abgeliefert haben. Eine Sternstunde.
Unter donnerndem Applaus und Gejohle verlässt die Band die Bühne.

Und jetzt der Hammer: Ich staube einen der beiden Drumsticks ab und habe dann noch nicht einmal die Zeit, mich für diese geniale Performance zu bedanken und ihn mir selbst signieren zu lassen, denn die nächste Band erwarte ich mit Spannung und da möchte ich in der ersten Reihe stehen.

Gegen 23:00 Uhr sind wir bei der letzten Band des Samstags angekommen: Little Hurrican aus San Diego, Kalifornien. Das Duo selbst bezeichnet seine Musik als dirty trashy Rock Style. Das Album „Homewrecker“ habe ich schon zu Hause rauf und runter gehört. Leider habe ich die CD nicht mit, denn Celeste „CC“ Spina (Drums, Percussions) und Anthony „Tone“ Catalano (Gesang, Gitarre, Lapsteel-Gitarre) sind kurz vor Abschluss einer erfolgreichen Europa Tour und sie wurden am Vorabend leergekauft.

„CC“ betritt in einem Traum von Kleid die Bühne und nimmt an den Drums Platz. Sie hat einen ganz eigenständigen Stil, Becken und Felle zu schlagen. Dieser Rhythmus fesselt und zieht in den Sound hinein. Dazu die intensive und etwas melancholische Stimme von Frontman Anthony Catalano, der in den Stücken nahtlos zwischen elektrischer und Slide Gitarre wechselt. Die elektrische noch umgehängt, bedient er die Slide, die auf einem größeren Koffer liegt. Mittels eines größeren Pedal-Sets variiert er den Sound, dazu noch zwei Mikros, wovon eines die Stimme verzerrt.
In einigen wenigen Stücken singen „CC“ und „Tone“ im Duett. Im Vergleich zum Album ist mir das Mikro von „CC“ eine Idee zu leise eingestellt. Es gibt reichlich Tempowechsel und „CC“ sorgt an den Drums mit Percussions zusätzlich für Abwechslung und eine Augenweide ist sie dazu. In Punkto Ausstrahlung ist bei „Tone“ noch etwas Luft nach oben. Bei seinen Ansagen hätte ich mir zum Beispiel mal ein Lächeln gewünscht.
Was die Musik angeht: Spitzenklasse.

Obwohl bereits angekündigt wurde, dass die CDs der Band ausverkauft sind, lassen sich viele im Merchandise Zelt blicken und die Band muss Programmhefte, T-Shirts, Crew-Pässe etc. signieren. Eins ist sicher, bei der nächsten Deutschland-Tour der Band bekommt meine CD ein Autogramm.

Das Fazit des ersten Festivaltags lautet: alles hat gepasst. Die Zeit ist unglaublich schnell verflogen. Die Organisatoren und alle Freiwilligen und Helfer haben einen Riesen-Job gemacht und für eine super Stimmung bei den Musikern und den Besuchern gesorgt. DANKE. DANKE. DANKE.

Wir packen unsere Siebensachen zusammen und machen uns auf den Weg zum Campingplatz, wo wir im Frühstückszelt einen längeren Stopp einlegen werden. Dieses Jahr werde ich mal den geräucherten Fisch des Angelclubs probieren, denn ich habe mein Abendessen vergessen.
An dieser Stelle sage ich Tschö. Über den zweiten Festivaltag wird jemand berichten, der weiß wie man Reviews schreibt. Aber vielleicht melde ich mich noch mal, denn nach dem offiziellen Ende des Festivals, gab es noch einen megageilen Jam im Frühstückszelt……(Eva Gaucher berichtete für RBBS vom ersten Tag, vielen Dank!)

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