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Mugstar – Magnetic Seasons

Mugstar(ch) Mugstar aus Liverpool bezeichnen ihre Musik als „heavy psychedelic Krautrock“. Die langen, instrumentalen Post-Rock-Tracks erinnern manchmal gar an Mogwai. Aber auch andere Förderer und Freunde hat die Band. Jüngst nahmen sie die LP „Start From Zero“ mit Damo Suzuki (dem legendären Sänger von Can) auf. Auch mit Mudhoney wurden sie schon auf einem Tonträger verewigt. John Peel war zu Lebzeiten ein großer Fan und die letzte je aufgenommene John Peel-Session war die mit Mugstar.

Das Album beginnt bei „Unearth“ mit Basslinien und tibetisch klingenden Gesängen. Nach drei Minuten stellt sich eine schöne und melodisch gehaltene Gitarren-Sequenz ein. Eine starkes Eröffnungsstatement einer Band, die meine hohen Erwartungen von Anfang an treffen.
Als nächstes steht der Titel „Flemish Weave“ an, der das Muster von „Unearth“ wiederspiegelt.
Der Song beginnt langsam, bis er danach komplex und spannend explodiert. Ein Track, der weit aufbaut und dann wieder sperrt. Die Band verschmilzt in einer maschinenartigen und intensiven Schleife. Mugstar haben sich völlig neu und transzendierend verschoben.
Bei „Time Machine“ schrauben sie den Gang noch höher. Verdammt noch mal, was ist das für ein Track! Es geht vorwärts, wie ein Raumschiff mit Überhitzung, das zum glorreichen Ende wie eine Supernovawolke davon eilt.

Das einzige Problem, das ich mit den ersten drei Songs habe, ist, das sie viel zu kurz sind. Jedes Stück hätte auch mindestens doppelt so lang sein können, so gut und gelungen sind die  Nummern. Aber zum Glück haben alle drei Platz auf einer Vinylseite. Deshalb kann man einfach die Nadel wieder an den Anfang der Rille setzen.
Bei mehr als fünfzehn Minuten kann „Remember the Breathing“ zwar nicht ganz die Intensität und Wahrnehmung der ersten drei Titel halten. Aber im Zusammenhang mit dem ganzen Album kommt es gerade zur richtigen Zeit, um etwas runterzufahren und durchzuatmen.
Als „Remember the Breathing“ verblasst, kommt ein Gefühl des verstärkten Bewusstseins auf, das für „La Vallee“, mit dem langsamen und beschwingten Drone, die Grundlage bildet. Er ist für die aufschäumende Mischung aus Jazz Grooves und Blues-Riffs genau der richtige Song. Mit der Zartheit und Zerbrechlichkeit dieser Nummer erforschen „Mugstar“ neue und mögliche Texturen.
Das Gefühl der Ruhe bleibt mit „Regency Blues“, der vielleicht mehr Gemeinsamkeiten mit früheren Arbeiten der Band hat. Das Stück eröffnet zunächst mit östlichen Beats und Kraut-Psych Gitarren, wächst langsam und öffnet mit spielerischer Flüssigkeit den weiteren Weg.

Der Beginn von „Sky West & Crooked“ ist wunderbar präzise. Nichts ist fehl am Platz und jede Note hat seinen bestimmten Sinn und Zweck. Es verlangt genaues zuhören und belohnt mit Gefühl und Wohlbefinden. Es ist diese Nummer, die mir sagt, das die Band nun auf der nächsten Ebene angekommen ist. Mit Geschick bewegen sie sich zarter und differenzierter.
Der letzte Track „Ascension Island“ beginnt sehr geheimnisvoll und mit Gefühl. Der Nebel weht düster über die Landschaft. Man spürt etwas. Eine unheimliche Präsenz, die sich während der siebzehn Minuten offenbaren. Langsam verstärkt der Sturm und Nebel den Weg zur Dunkelheit. Die intensive Gitarre, in dieser Umgebungsgeräuschkulisse, führt durch Klänge aus dichtem Gestrüpp. Ein wahres Gefühl, von ungewohnten Soundnuancen, auf einer exotischen Reise. Eine Reise, bei der man für Zeit und Raum die Augen schließen kann. Die Gedanken können dabei überall sein. Am Ende wird man sanft in die Realität zurück und zum Abschluss des Albums gebracht.

Ich glaube, das dieses Album ein Ergebnis von mehreren Sessions ist. Aber „Magnetic Seasons“ kann auch ein Album sein, dessen vier Seiten jeweils etwas unterschiedliches markieren. Vielleicht vier unterschiedliche musikalischen Jahreszeiten? Auf jeden Fall ist es eine Evolution, der den Bandsound auf eine neue Ebene der Komplexität und Konsistenz hebt….. (charly)

Das Album erschien am 4. März 2016 via Rock Action als CD und Doppel-Vinyl.

Line-up:
Pete Smyth – Guitar/vocals/keyboards
Neil Murphy – Guitar/noises/knowledge
Jason Stoll – Bass/sax/upper cuts
Steve Ashton – Drums
Sam Wiehl / Robert Parker – Visuals/projections

Mugstar-Band

Tracklist:
01 – Unearth (6:14)
02 – Flemish Weave (6:04)
03 – Time Machine (5:32)
04 – Remember the Breathing [15:31)
05 – La Vallee (4:17)
06 – Magnetic Seasons (8:59)
07 – Recency Blues (8:59)
08 – Sky West & Crooked (5:30)
09 – Ascension Island (17:25)

Mugstar – Bandcamp

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