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Apewards – Tales Of Cloud Forest / Rezi + Interview

apewards01mara-bachApewards – Animalischer Heavy Rock aus Marburg

(js) Marburg, Mittelhessen. Universitätsstadt. Keine mir bekannten Populärmusiker, die dort aufwuchsen. Hmm … kaum eine Stadt hat es jemals so schwierig gestaltet, einen musikalischen Bogen zur Band oder ihrer Musik zu spannen. Aber vielleicht bietet sich den vier Jungs von Apewards aus eben jenem Marburg nun gerade deswegen die Möglichkeit, dies zu ändern. Die phonetische Grundlage dafür wurde im Jahre 2013 geschaffen. Die erste „EP“ namens „Carpenter of Tripolis“ erblickte das Licht der Welt und ihr folgte zwei Jahre später eine weitere 4-Track EP, die auf den Namen „Humanzee“ hörte.

Und schon „Carpenter of Tripolis“ zeigte deutlich, wohin der musikalisch Weg führen sollte. Rock’n’Roll mit einer gehörigen 70er Hard und Classic Rock Schlagseite und ersten, noch leiseren, Blues-Einflüssen. Es wird zudem schnell deutlich, dass die Jungs gewillt sind, ihren Songs ganz eigene, abwechslungsreiche Strukturen zu verpassen. Vor Allem im Song „Turtlerider, der es im Übrigen als einziger des Debuts auch auf den ersten Longplayer schaffte. Es beginnt Veranda-bluesig, um uns im weiteren Verlauf ordentlich den Hintern zu riffrocken. Die Verschachtelungen samt der Tempiwechsel insbesondere dieses Songs ist großartig und lässt den Regler, frei nach „Spinal Tap“, durchaus bis zur 11 zappeln. Die zweite EP, zwei Jahre später erschienen, bietet uns auch einen Song namens „Melvin the Mucky Monkey“, der es ebenfalls auf das 2016 erschienene Debut „Tales Of Cloud Forest“ schaffte.

Dieses Album vereint unglaublich viele musikalische Elemente und wird dabei nie anstrengend. Immer wieder wird man innerhalb eines Songs überrascht und wo man wieder einmal ein hartes Riff erwartet, wird plötzlich eine bluesiges Intermezzo eingestreut. Classic Rock Elemente („Cloud Forest Romance“) gesellt sich zum Heavy Blues („Rise To Power“) wie auch der klassische Blues – samt Harmonikabegleitung – („Turtlerider“) sich nicht davor scheut, uns den Hintern versohlende Stonerparts („Melvin the Mucky Monkey“) entgegen zu stellen. Dieses Album rockt. Es macht ordentlich Laune und gefällt mir in seiner Diversität. Für ein Debutalbum bietet es bereits ein unglaublich ausgereiftes Songwriting, einen großartigen Jamcharakter (immerhin ist es ja auch komplett live im Studio eingespielt) tolles Riffing und ebenso wunderbar melodische Passagen. Reinhören lohnt.

Freundlicherweise standen mir die vier Jungs, das sind Sänger Nico Gehle (im Interview NG genannt), Gitarrist Vincent Krause (VK), Bassist Lukas Plümpe (LP) und Schlagzeuger Frank Eckerle (FE), noch zur Verfügung:

Woher stammt ihr vier und wie kam der Kontakt zu Stande?

VK: Nico und Lukas kommen aus dem Sauerland, Frank aus Weinheim und ich aus der Ecke Braunschweig/Wolfsburg. Nico und ich haben uns direkt im ersten Semester kennengelernt, da wir das gleiche studieren und schon im Vorhinein in einer „Erstie“-Facebookgruppe Kontakt zu anderen Musikern suchten. Da hat sich dann sehr schnell die Wellenlänge offenbart, auf der wir auch immer noch schwimmen – und nach einigen gemeinsamen Jams war schnell klar, dass wir bandtechnisch unbedingt was starten müssen. Mit Lukas, den Nico aus der Heimat kannte, war der Bass direkt besetzt und Frank hat uns bei dem von uns (per schwarzem Brett) initiierten ‚Drummer-Casting’ völlig vom Hocker gehauen. Und da wir auf Anhieb nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich hervorragend zusammenpassten, wird auch heute noch in der Urbesetzung gedroschen.


Darf man diesbezüglich von einer Unifreundschaft in einer Stadt wie Marburg ausgehen?

VK: Das kommt wohl darauf an, was man unter „Unifreundschaft“ versteht. Klar, wir haben uns zwar alle irgendwie kennengelernt, weil wir an derselben Uni studieren, aber nicht zwangsläufig wegen unserer Studienfächer (sind ja auch unterschiedliche: Lehramt, Psychologie, Jura). Die Freundschaften haben sich ganz unabhängig vom Unialltag entwickelt, aber dafür innerhalb und außerhalb der Band auf ganz individuelle Weise – was es auch viel wertvoller macht als eine reine Unifreundschaft.


Wie lassen sich die sicherlich vorhandene „Geilheit“ auf die Musik und die notwendigen Studiengänge vereinbaren?

FE: Irgendwann muss man sich einfach eingestehen, dass Proben, Songwriting und Gigs sowie das dazugehörige Bier nicht mit der Regelstudienzeit vereinbar sind. Damit muss man irgendwann seinen Frieden finden.

LP: Haha, ja das mit der Regelstudienzeit rückt dann tatsächlich schon stark in den Hintergrund. Ich glaube allerdings, dass niemand von uns vieren es jemals bereuen würde/wird. Im Moment steuern wir ja alle stark auf den Abschluss des Studiums zu. Wir haben dann zumindest einmal „etwas in der Tasche“ und können trotzdem den Blick nach vorn richten, was das Musik machen angeht. Viele Musiker setzen da schon sehr alles auf eine Karte. Ich denke da sind wir tatsächlich mal einmal sehr vernünftig und besonnen.

Ist schon klar, wie eure künftigen Prioritäten aussehen werden? 

FE: Gerade jetzt, nach vier Jahren Apewards, habe ich das Gefühl, dass wir so richtig zusammengekommen sind und zu einem eigenen Sound gefunden haben. Das Experimentieren und wachsen fängt für mich jetzt erst so richtig an. Andererseits beginnen wir alle im Sommer mit neuen Lebensabschnitten und wer weiß, wie sich die Dinge für uns entwickeln. Aber ich bin da guter Dinge.

NG: Die Band ist unser Marburger Anker.

VK: Ja, auch wenn wir nächstes Jahr nicht genau vorhersehen können, was passiert oder wohin es uns eventuell verschlägt, ist glaube ich bei jedem von uns eine etwas beruhigende Sicherheit, dass wir alles Mögliche tun werden, um mit der Band weiterzumachen.

Wie schwierig ist es grundsätzlich für eine junge Band, sich namhaft zu machen?

LP: Extrem schwer! Ich denke unser Vorteil war vor allem, dass wir alle schon in der ein oder anderen Band gespielt haben und deshalb jeder so seine Connections hatte um relativ zeitig nach Bandgründung und den ersten Songs auch Gigs spielen zu können. Grade bei ganz jungen und unerfahrenen Bands, wo gar keine Connections vorhanden sind, dauert es teilweise Monate oder Jahre, bis mal ein Fuß auf eine Bühne gestellt wird, wo dann nicht nur die Familie und nächsten Freunde vor Ort sind.

Und inwieweit helfen Plattformen wie bandcamp oder auch Facebook dabei?

FE: Sehr! Ohne Facebook würden wir höchstwahrscheinlich nicht dieses Interview führen. Vor allem Bandcamp ist eine klasse Plattform und ich glaube auch ein viel sinnvolleres Geschäftsmodell, als z.B. Spotify. Über Bandcamp haben wir schon CDs nach Kroatien und Finnland verkauft, als in Marburg noch kaum jemand unseren Namen kannte. Das war schon verrückt.

Nach zwei EPs und dem Longplayer in 2016 seid ihr weitaus mehr als eine Gelegenheitsband. Wie schwierig ist es trotzdem, sich in diesem musikalischen Dickicht immer wieder zu motivieren?

LP: Ich glaube die größte Motivation ziehen wir tatsächlich aus den vielen Gigs vor durchaus sehr abwechslungsreichem Publikum und dem Feedback, welches wir anschließend bekommen. Wenn wir dann wieder im Proberaum sind und uns ans Songwriting setzen, passiert vieles wie von selbst. Das wiederum motiviert einen dann wieder, sich die nächsten Gigs ans Land zu ziehen. Und schlussendlich lenkt die Musik natürlich auch hervorragend vom restlichen Alltag ab (Uni/lernen/Arbeit).


Wie wichtig und vor Allem auch messbar und somit fördernd sind die Publikumsreaktionen – seien es Besucherreaktionen oder aber auch CD-/Merch-Verkäufe?

NG: Das Feedback während des Konzertes ist ein enorm wichtig. Gerade als Sänger sieht man die Menschen in den ersten Reihen sehr gut. Wenn man dann mitbekommt, dass das Publikum Spaß hat, sich bewegt und den Kopf nicht stillhalten kann, wirkt das wieder auf einen selber zurück – das schaukelt sich praktisch im besten Fall immer weiter hoch, denn auch das Publikum spürt es, wenn wir auf der Bühne alles geben und immer noch einen drauflegen wollen. Besonders wertvoll sind auch die Reaktionen nach den Konzerten. Wir kommen immer gerne nach den Gigs in Kontakt mit den Zuhörern und unterhalten uns über unsere Musik. Das Lob, das wir an dieser Stelle bekommen, ist natürlich der Kraftstoff in unserem Motor – das treibt uns immer wieder an.

Kommen wir zur eigentlichen Musik. Wer zeigt bei euch fürs Songwriting verantwortlich?

NG: Die Songs entstehen in den meisten Fällen gemeinsam im Proberaum. Häufig bringt dabei jemand Ideen von zu Hause mit und wir jammen dann solange über die Riffs, bis wir viele verschiedene Parts haben. Danach wird aussortiert und weiter gebastelt, bis wir mit dem Resultat zufrieden sind. Die meisten Songtexte für die fertigen Songs schreibe ich, aber auch Frank hat schon den ein oder anderen lyrischen Erguss gehabt.

FE: Außerdem haben wir einen riesigen Dropboxordner voller ungenutzter Ideen. Manche Riffs die auf dem Album gelandet sind, haben dort auch einige Monate auf eine zündende Idee, sie zu verwenden, gewartet.

Wieso als Debut sofort ein Konzeptalbum? Und welche animalische Geschichte erzählt ihr?

NG: Das hat sich nach und nach beim Schreiben der Texte entwickelt. Ich benutze das „Affen-Urwald-animalisch-Thema“ gerne, da es nicht nur zu unserem Bandnamen passt, sondern weil man damit tolle metaphorische Bilder und ausgedachte Welten basteln kann. Das Hineinversetzen in eine andere Person (oder Affen) hilft dabei, über den eigenen Horizont zu denken und sich nicht in seiner Kreativität beschränken zu lassen. So ist nach und nach die Lebensgeschichte eines Affenkönigs entstanden, der ganz unten angekommen ist.

Sind die Songs, vor allem der beiden EPs, in einem „Atemzug“ entstanden oder wirklich auch zeitlich versetzt wie sie veröffentlicht wurden?

FE: Das ist alles schon sehr chronologisch passiert. Man kann an den beiden EPs ziemlich gut sehen, wie wir mit unserem Sound experimentiert haben und wie der Weg verlief, den wir über die Zeit gegangen sind: Der schnelle Usain-Bolt-Blues von „Carpenter of Tripolis“ auf der ersten EP könnte auch von einer völlig anderen Band stammen, als der Kopfnicker „Abiding Brain Freeze“ auf der zweiten EP. Auch vom Songwriting her. Das Album ist dann eine chemische Reaktion aus beidem geworden.

Eure Songstrukturen sind bisweilen im positiven Sinne verschachtelt. Wie schwierig ist es dabei, zwischen großer Spielfreude und dem Mut kantig zu sein einerseits sowie dem Wunsch als sehr junge Band populär zu werden andererseits, eine gute Balance zu finden? 

FE: Ich würde gar nicht sagen, dass unsere Kantigkeit irgendwie mutig ist. Die kommt völlig von allein mit rein, da wir alle vier teilweise sehr unterschiedliche Ideen mit einbringen. Gerade haben wir z.B. drei Songs aufgenommen, auf die ich sehr stolz bin, weil sie mutig genug waren, auch mal etwas poppigere Elemente mit einzubauen. Ich finde es ist viel schwieriger, sich ein paar Genrekonventionen zu beugen und trotzdem nicht abgedroschen zu klingen, als sich hinter Delay-Pedalen und Taktartenwechseln zu verstecken. Wobei ich davon immer noch großer Fan bin…

NG: Ich denke, das ist kein ein- oder andererseits. Echte Musikliebhaber und Rockfreaks wollen nicht hören, was es schon tausend Mal gab und was jeden Tag im Radio zu hören ist. Ich denke besonders die Leute, die unsere Musik mögen, tun dies auf Grund von neuen Sounds und unerwarteten Hörerlebnissen – und das ist uns wichtig.


Und inwieweit hilft euch dabei die schon geraume Zeit auflebende Retro-Rock-Welle in Deutschland?

NG: Natürlich bekommt man mit, dass viele neue und extrem talentierte Bands in diesem Genre in Deutschland unterwegs sind. Wir sehen das als Ansporn und haben dadurch schon viele nette neue Leute und Bands bei Konzerten kennenlernen dürfen.

VK: Und es ist natürlich auch schön zu sehen, dass für diese Art von selbstgemachter Musik mit ‚alten Wurzeln’ ein begeistertes Publikum existiert, das es zu erreichen und begeistern gilt.


Welche Bands haben euch für euren eigenen Musikstil tatsächlich beeinflusst?

NG: Da bringt eigentlich jeder seine ganz eigenen Sachen mit rein. Bei meinem Kram ist z.B. Jimi Hendrix, Cream, auch neuere Sachen, wie Hendrik Freischlader oder Radio Moscow, also eher bluesrockiger Kram weit vorne dabei, aber natürlich auch viel Musik aus dem Hardrock, Metal oder auch Soul.

LP: So richtig beeinflusst hat mich vor allem meine Vergangenheit mit Funkmusik, z.B. alles von Bootsie Collins, Jamiroquai usw.

VK: Ich bringe eher so den modernen Hardrock mit rein, man denkt da an Black Stone Cherry, Alter Bridge, Bonamassa.

FE: Von mir kommt viel aus dem frühem dreckigen Funk und Northern Soul. Aber auch nerdiger Kram, wie die Battles, die einen ein bisschen aus seinen Genrekonventionen rausholen.

Und inwieweit orientiert man sich auch jetzt noch am aktuellen musikalischen Tagesgeschehen (bezogen natürlich auf Bands eure(s)r Genres)?

LP: Tatsächlich denkt man sich grade bei den zuletzt erschienen Alben von Bands unseres Genres oft „Krass, so einfachen Kram spielen die – und es ist so fett!“. Und dann schaut man, inwieweit man das auch im eigenen Songwriting berücksichtigen kann. Manchmal klappt es sehr gut – manchmal muss man tatsächlich sagen: „Nenee, das sind wir nicht, das klingt albern oder wirklich zu flach.“

Wenn ihr euch einen Club weltweit aussuchen dürftet, dort zu spielen. Wohin ginge es?

VK: Wir haben da eigentlich keine exakte Vorstellung. Hauptsache der Laden ist voll.

NG: Marquee-Club. Aber der ist leider schon zu.

FE: Ein bisschen Ranz muss schon sein. Und am besten quillt der Laden auf die Bühne über.

Und national? Welche Konzerthalle oder welches Festival rockt ordentlich?

FE: Das Freak Valley Festival soll ganz gut sein.

NG: Es ist kein Geheimnis, dass wir alle große Freak-Valley Fans sind. Einmal selbst auf der Bühne zu stehen, wäre wirklich eine tolle Erfahrung.

Zum Abschluss wie immer (m)ein kleines Spielchen. Nennt mir eure fünf Killeralben und Bands ( und natürlich lässt sich diese Frage nicht wirklich beantworten)

FE: The Mars Volta – Frances the Mute
NG: Jimi Hendrix – Are you Experienced?
VK: Led Zeppelin – Led Zeppelin
LK: D’Angelo and The Vanguard – Black Messiah
Band: Black Sabbath – Paranoid


Gibt es abschließende Infos zu kommenden Veröffentlichungen oder schon terminierten Gigs?

NG: Wir haben noch in diesem Jahr eine Split-LP mit der Marburger Band „Elevantree“ aufgenommen. Es wird also im kommenden Jahr neue Songs von uns zu hören geben.


Vielen Dank fürs Interview und alles Gute für die Zukunft
.

https://apewards.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/apewards
https://www.youtube.com/user/Apewards

beide Photos stammen von Mara Bach

apewards02-mara-bach

 

 

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