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Willow Child – Trip Down Memory Lane

Retro-Rock, female fronted.
(js) Bei dem einen oder anderen geneigten Leser dürfte bei diesen Eckpfeilern vielleicht schon der erste Reflex eintreten. „Blues Pills“, „WolveSpirit“, „Wucan“, „Royal Thunder“ oder meinetwegen auch „MaidaVale“ als reine Frauenband. Braucht es da noch einen weiteren Act ähnlicher Couleur? Für mich stellt sich die Frage überhaupt nicht. Es gibt gute Bands, weniger gute Bands und Bands, die mir so gar nicht gefallen mögen. Und dies mache ich persönlich nicht davon abhängig, ob und wie viele ähnlich ausgerichtete Bands zuvor schon diesen musikalischen Berg zu erklimmen versucht haben. Und frei dieser Zwänge, will ich mich mal zu einer knappen Eingangsbeurteilung hinreißen lassen: gut, dass es „Willow Child“ gibt. Aber der Reihe nach.

Einst im Jahre 2014 als Coverband namens „Trip Down Memory Lane“ gegründet und mit Songs von „Deep Purple“, „Led Zeppelin“ und unter anderem auch den „Doors“ in Clubs im Süden Deutschlands unterwegs, entschied man sich Anfang 2016, eigene Songs zu schreiben. Da sich dieser wesentliche, musikalische Schritt auch in einem „unbefleckten“ Bandnamen bemerkbar machen sollte, wurde dieser dann ad hoc geändert. „Trip Down Memory Lane“ (zu deutsch: in Erinnerungen schwelgen) passte natürlich wunderbar zu einer Coverband, wurde aber letztlich durch „Willow Child“ ersetzt. Wobei man dem früheren Bandnamen noch die Ehre erwies, auf der Debut-EP als Titel zu fungieren.

Erst vor wenigen Wochen hatten „Willow Child“, bestehend aus Eva Kohl (gui, voc), Jonas Hartmann (org, gui), Javier Zulauf (bs, gui) und David Kohl (dr) im Rahmen eines gewonnenen regionalen Newcomerfestivals die einzigartige Möglichkeit, auch mal eine größere Bühne zu erklimmen und durften auf dem „Rock im Park“ spielen. Als Sieger des Contests erhielt man nämlich nebst einer kleinen Finanzspritze auch einen Slot auf dem Park-Fest. Hier spielte man auf der einzigen Indoorbühne und profitierte zudem noch davon, dass der kurz vor ihrem Auftritt beginnende Regen dafür Sorge trug, dass jene Halle zum Bersten gefüllt war. Vor knapp 2500 Menschen zu spielen, war für die Vier eine ebenso tolle Erfahrung, wie für das anwesende Publikum ein tolles Liveerlebnis. Kommen wir nun aber erst einmal zur eigentlichen EP-Rezension.

Dass sich über die gesamten sechs Lieder erstreckende harmonische Erscheinungsbild von Hammondorgel und Gitarre lässt sich schon früh im ersten Song „Red Wood“ erkennen. Sängerin Eva überzeugt mich zudem mit ihrer leicht rauen, aber hingebungsvollen Stimme und lässt das musikalische Konglomerat, welches seine Wurzeln zweifelsohne in den frühen 70ern hat, nur allzu hell erstrahlen. Ich will einen vokalen Bezug zu Janis Joplin gar nicht aufkommen lassen, weil man Eva damit sicherlich nicht gerecht würde. Denn ihre Stimme ist eigenständig und elektrisierend genug, um sich solchen Vergleichen nicht ausgesetzt sehen zu müssen. Und trifft den musikalischen Nerv punktgenau wie es auch die Gitarrenriffs und -Soli sowie auch die treibende, stets druckvolle Bass- und Schlagzeugfraktion tun.

Die in allen sechs Songs sich mit einer unbändigen Spielfreude prima vereinende Unbekümmertheit lässt mich über die gesamte Spieldauer nicht los. Ob es nun das heavy-bluesige „Red Wood“ ist, das absolut treibende „Hale Rose“ samt eines unglaublich funkigen Riffings oder „Easy Road To Luck“, welches einen musikalischen Bezug zu den Doors sicherlich nicht leugnen kann. Aber wohl auch nicht will. Zudem bietet der Song einen dieser Refrains, die einen partout nicht mehr loslassen wollen. Um mal mit einem der bekanntesten Songtitel aus der Feder des sehr geschätzten Herrn Robby Krieger zu sprechen, schafft es das Erlanger Quartett, mein musikalisches Feuer tatsächlich zu entfachen.

Auch mit „Holy Town“ scheinen die Vier nicht geneigt, Gefangene zu machen. Es vermengen sich eindrucksvoll treibende Gitarrenparts ganz fantastisch mit dem in diesem Lied fast noch etwas druckvolleren Organ Evas, bevor dann inmitten des Liedes ein Break erfolgt und bis zum Ende in einen rein instrumentalen Teil führt. Hier zeigt sich dann einmal mehr auch die Klasse der gesamten Rhythmusfraktion. Der die Gitarrenarbeit stets druckvolle ergänzende Basssound wie auch das harmonische Drumming sorgen bei mir für eine unglaubliche Wohlfühlatmosphäre, die mit „warmer Sound“ wohl ganz trefflich beschrieben ist. „Lady On The Sea“ packt noch einmal den Heavy Blues aus, bevor es zum Ende dann ein wenig balladesk wird. In der Lord’schen Orgelsequenz zu Beginn hinken Vergleiche mit denen aus dem großartigen „Child in Time“ sicherlich nicht wirklich. Dem einen mag hier der Bezug zu den „Vorbildern“ vielleicht zu eng geknüpft sein; mir nicht. Was sich schon darin zeigt, dass mich die Melodie derart fesselt und ich diese musikalische Nähe über den Song selbst schnell verliere. Dies darf man gern als Kompliment verstehen, was es zu guter Letzt ja auch sein soll. „Your Shadows“ führt uns im Laufe der sechs Minuten auch wieder zu einem tollen Instrumentalduell zwischen Gitarre und Orgel, um letztlich in einer ruhigen Melange aus Evas gefühlvollem Gesang und leiseren Tönen der Rhythmusfraktion stimmig zu enden.

„Willow Child“ haben mit dieser selbst produzierten EP ein absolut authentisches Album aufgenommen, welches ohne Wenn und Aber Lust auf mehr macht. Es überzeugt mich mit einer unglaublichen Wärme in den allesamt selbstkomponierten Songs. In diesen Liedern paaren sich Dynamik, Spielfreude und eine musikalische Seele geradezu unbefangen. Wie ich aus gut verrichteten Bandkreisen erfahren habe, steht man in positiven Verhandlungen mit einem Record Label und plant zum Ende des Jahres auch einen ersten Longplayer. Für mich wäre dies nur der nächste, logische Schritt hin zu etwas mehr Aufmerksamkeit, die sie sich sehr wohl verdient haben. Abschließend bediene ich mich mal ganz frech eines der Titel dieser EP und konstatiere für mich, dass ich meinen „Easy Road To Luck“ tatsächlich schnell gefunden habe: ging der Weg hin zum Glück doch einher mit dem Genuss dieses vielversprechenden Debuts….(jensS)

Zu sehen sind „Willow Child“ demnächst in NRW, und zwar am:

04.08. (Fr.) in Düsseldorf, „Straßenfest der Theodorstraße“ in D-Rath und am
05.08. (Sa.) in Dortmund auf dem „Sommer am U“-Fest

Tracklist:

1.Red Wood (04:21)
2. Hale Rose (04:41)
3. Easy Road To Luck (05:25)
4. Holy Town (04:28)
5. Lady On The Sea (03:43)
6. Your Shadows (06:11)

https://willowchild.bandcamp.com/releases

https://www.facebook.com/WillowChildOfficial/

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