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Grombira – Grombira

(yv) Die fränkische Kartoffelkarawanserei from (kr)outer space

1) Püreé
Ups, das ging fix, schon stehen wir mitten im fast menschenleeren Irgendwo, vor dem inneren Auge sieht man viel Sand, zerklüftete Berge unter gleißender Sonne, man hört eine schlängelnd-eingängige Melodie, hier und da eine Zimbel, quasi perfekte Hintergrundmusik für schwül-erotische Hüftgymnastik mit dünnen Schleiern und viel glitzernden Pailletten aus einem 50er-Jahre-Film… Aber nur bis zur Hälfte des Tracks, dann gehen nämlich auf einmal sämtliche Kamele mit den Kartoffelscheichs durch, der Bass dengelt, eine Zeitlang herrscht akuter Haarflug- und Schädelschwing-Alarm. Es wird wieder ruhiger und die ganze Trampeltierherde biegt Stück für Stück in Richtung Lounge-Jazz ab und kommt schließlich nach Vollendung des Kreises wieder dort an, wo sie herkam.
Wie man auf dem Inlay nachlesen kann, stammt die Melodie ursprünglich aus dem Persien des 6.Jahrhunderts und wurde in den 1970ern schon vom großen Jon Lord vorgetragen. Erklärt den Vibe auf den Punkt.
2) Carpe Noctem
Nutze die Nacht. Grillen zirpen unterm Sternenzelt, wieder exotische, fast hypnotische Saitenklänge, eine einsame Flöte. Bis zum Einsatz von mehr geschlagenen Fellen, die die Chose sehr dynamisch machen. Perfekte Hippie-Festival-Aftershow-Lala für das geneigte Tanzbein und die Filet- und Schinkenstücke darüber. 🙂 Unerwarteter Gesang à la Der Name der Rose, der sich sehr nach Latein anhört, aber doch irgendwie nicht ganz. Offensichtlich ein nahezu babylonisches Sprachgewirr, im Vortrag mal gregorianisch angehaucht, mal nur dahingeflüstert. Krautologische Zungenrede quasi. Nahöstliche Mittelalter-Tanzmusik könnte man das insgesamt nennen.
3) Caravan
Jetzt sind wir dann wohl endgültig auf einem Basar oder einer Karawanserei gelandet, und zwar genauer gesagt im Teehaus. Stimmengeplapper im Hintergrund, Rhythmus und Melodie sowie der Bassteppich ganz wie aus einer lauschigen, schattigen Ecke, wo einem zuckersüßes Minzgebräu und Gebäck serviert wird, wo man seine Ruhe hat und auf niedrigen Bänken oder Kissen halb liegend dem bunten Treiben ringsum zusieht. Irgendwo steht bestimmt auch eine Shisha auf dem Tisch. Chill-Out zur Halbzeit.
4) Goats in Space
Helles Glöckchengeklimper, es drängen sich einem Fotos der berühmten marokkanischen Ziegen auf Arganbäumen vor pechschwarzem Nachthimmel voller silberfunkelnder Sterne auf. Dann aber wandelt sich der Song zu einer sanften gefühlvollen Rock-Ballade, geradezu ideal für ein Stelldichein zu zweit (wenn auch etwas zu kurz), der Bass galoppiert auf einmal wieder und warme, samtige floydeske Parts reihen sich entlang der orientalesken Richtschnur des gesamten Albums auf.
5) Priest of the horny Kong
Blasinstrumenten-Intro, gefolgt von ondulierenden Saiteninstrumenten aller Arten, wieder kreisen die Hüften und schwingen sämtliche Körperteile mit viel Blingbling, mit etwas Fantasie kann man sich hier wieder problemlos üppige Haremsdamen mit entsprechender Kostümierung vorstellen, ein klimpernd-klingender Reigen zu Ehren eben jenes besagten Priesters. Die Bezeichnung „horny Kong“ ist nach dem Hörgenuss inklusive losgetretenem Kopfkino selbsterklärend.
6) Selma
Mein Lieblingstrack auf der Scheibe, fröhliche Tanzmusik, die ein klein wenig an die Ethno-Pop-Welle der späten 80er und frühen 90er Jahre erinnert, wobei aber hier nicht auf Teufel-komm-raus irgendeine Authentizität vorgegaukelt werden soll. Nein, Selma verbindet all die tollen Einflüsse mit tief summendem und brummendem krautigem Bass und pointiertem Schlagwerk mitsamt Zimbeln und all dem herrlichen Gedöns zu einer spaßig-gutgelaunten Feiernummer, die eigentlich viel zu kurz ist. Kaum kommt man so richtig in Fahrt und gibt sich voll dem Groove hin, sind die fast sechs Minuten auch schon rum und das Album findet mit den letzten „Plings“ einen krönenden Abschluss.
Was im Ohr und Kopf bleibt, ist der Eindruck eines mit viel Spaß, Freude und massig Augenzwinkern komponierten und produzierten Albums.
Shukran bsef!….(yvonne)

Grombira, das sind:

sheyk rAleph
Saz, Sitar, Oud, Congas, Riq, Frame Drum, Tabla, Darbouka, Ney, C-Flute, Zurna, Synthesizer, Vocals
Tommi Tarek
Bass
Fredh Al Fezér
Drums

Die LP erschien bei Tonzonen Records (TON026) in schöner Gatefold-Ausführung mit Inlay.
Das fantastisch detailreiche Cover-Artwork entsprang dem Pinsel des von mir so hochgeschätzten Künstlers Ulrich Mönig, bei den Fotos war Jean-Luc Moutier am Auslöser – meisterlich fusionierte Bildkunst. Ganz wunderbar.

Grombira:
http://www.grombira.de/
https://www.facebook.com/Grombira/
https://grombira.bandcamp.com/

Tonzonen Records:
https://www.tonzonen.de/

 

 

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